Sonntag, 9. November 2008

Die Buchbesprechung: Im Park



Zürich/Laufenburg.- Das Marktschreierische ist Christian Hallers Sache nicht. Mit „Im Park“, seinem neuesten Roman, hat der Laufenburger Autor wieder mit weichem Stift gezeichnet und die Studie eines Mannes vorgelegt, der zwischen zwei Frauen gerät. Soweit, so gut, das Thema kennen wir, werden Sie sagen. In diesem Fall verliebt sich der Protagonist in eine wesentlich Jüngere genau in dem Moment, in dem seine Lebenspartnerin schwer erkrankt und aufgrund einer Gehirnblutung im Koma in einer Zürcher Klinik liegt. Tenzin Gyatso - buddhistischer Mönch und seit 1940 der 14. Dalai Lama der Tibeter (*1935 ) - hat einmal gesagt: „Mitgefühl und Liebe sind wertvolle Dinge im Leben. Sie sind nicht kompliziert. Sie sind einfach, aber sie sind schwierig zu praktizieren.“ Genau das ist Hallers Thema.

Es ist also eine Geschichte um die Liebe. Vielleicht sogar eine, in der Haller eigene Erfahrungen verarbeitet. Er tut dies auf die bekannte bedächtige Art, wortmalerisch, ohne auf Effekte zu schielen. „Im Park“ sprüht nicht vor Melodramatik, sondern beschreibt den leisen und dennoch zehrenden Schmerz, der dem Abschied vorangeht. Denn dass ein Abschied kommen wird, das ist von Anfang an klar.

In diesem Sinne beschreibt Haller auch den Prozess einer Entscheidungsfindung, leise, und dafür umso eindringlicher, weil er Alltag einfängt. Gegenstände, die noch in der gemeinsame Wohnung liegen machen Vergangenheit gegenwärtig. Sie reichen in die Stunden mit der neuen Liebe hinein, stören, irritieren diesen Liebes-Aufbruch eines nicht mehr ganz jungen Mannes. Haller schildert elegant die unterschwelligen Irritationen, die sich bei seinen Besuch in der Welt der so viel jüngeren Geliebten auftun und sich zur Faszination des Neuen gesellen.

„Im Park“ ist die Geschichte eines Aufbruchs, der immer auch ein Ende ist. Ein Buch für Herbstabende, wenn draußen die Stürme toben.

Christian Haller wurde 1943 in Brugg, Aargau, geboren und studierte Zoologie an der Universität Basel. Acht Jahre lang war er als Bereichsleiter der "Sozialen Studien" am Gottlieb-Duttweiler-Institut in Rüschlikon/Zürich tätig und vier Jahre als Dramaturg am Theater "Claque" in Baden. Von 1994 bis 2000 war er Mitglied der Theaterkommission der Stadt Zürich. Er ist Kolumnist der Aargauer Zeitung und lebt als Schriftsteller in Laufenburg. Christian Haller wurde u. a. mit dem Aargauer Literaturpreis 2006 und dem Schillerpreis 2007 ausgezeichnet.

Im Luchterhand Literaturverlag erschienen u. a. die Romane: "Strandgut" (1991), "Der Brief ans Meer" (1995). "Die besseren Zeiten" ist nach "Die verschluckte Musik" (2001) und "Das schwarze Eisen" (2004) der dritte, in sich abgeschlossene Roman von Christian Hallers "Trilogie des Erinnerns. Am 17. September findet im Literaturhaus Zürich die Buchvernissage zu „Im Park“ statt (Moderation: Dr. Alexander Kissler , Kulturjournalist / Süddeutsche Zeitung u. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung).

Gebundenes Buch, 192 Seiten, ISBN: 978-3-630-87284-1, Luchterhand Literaturverlag
€ 17,95 [D] | € 18,50 [A], SFr 31,90 (UVP)

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Foto: Christian Haller; peg

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