Samstag, 27. Dezember 2008

Zürich: Über den Terror und andere Alltäglichkeiten (Januar)

Zürich.- Das Literaturhaus Zürich ist immer wieder für einen Buchtipp gut. Das Januar-Programm startet diesbezüglich mit Kiran Nagarkar ins Neue Jahr. Er stellt am 15. Januar, 20 Uhr, seinen Roman "Gottes kleiner Krieger" vor. "Noch mehr Schulhausromane!" heißt es am 19. (19 Uhr). Tags drauf geht es im Lesezirkel um Lukas Bärfuss' Roman "Hundert Tage" (Debattierzimmer 3. Stock). Am 22. Januar ist Adolf Muschg mit seinem Roman "Kinderhochzeit" zu Gast. Franco Supino (29.) ist einer jener Schweizer, deren Eltern Italiener sind; seine bisherigen Romane - vornehmlich sein gelobter Erstling "Musica leggera" oder der Roman "Ciao amore, ciao" (2004) um das Drama eines italienischen Cantautori - spielen demzufolge mit diesen zwei Kulturen. Kurz: Es geht um den ganz "nomalen" Terror.
"Gottes Kleiner Krieger" (A1 Verlag, 2006, engl. Originalausgabe "God's Little Soldier" 2006 bei HarperCollins Publishers India). "'Gottes kleiner Krieger' ist der tiefsinnigste Roman über die spirituellen Wurzeln des Terrors", urteilte Sigrid Löffler in "Literaturen", und die FAZ hielt den "phantasievollen und erzählerisch überbordenden" Roman für "das wichtigste unter den erstaunlich zahlreichen interessanten und guten Büchern, die uns in letzter Zeit aus Indien erreicht haben"
Nagarkar erzählt von zwei ungleichen Brüdern, beide Söhne einer liberalen muslimischen Familie aus Bombay. Während der kränkliche Amanat seinen Weg in die Welt offen, aber auch voller Selbstzweifel geht, hält sich der jüngere Zia für auserwählt, die Welt zu retten. Sein Kreuzzug führt ihn von Bombay nach Cambridge, von der Jagd nach Salman Rushdie zu den Terroristencamps in Afghanistan, von einem abgeschiedenen Trappistenkloster in Kalifornien in die internationale Finanzwelt.

"Schulhausroman" ist ein Projekt von Richard Reich in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Museumsgesellschaft und schule & kultur. Es wird durch die Unterstützung der Drosos-Stiftung und der Ernst Goehner Stiftung ermöglicht. Informationen zum Projekt unter: www.schulhausroman.ch. In rund 90 Minuten werden einige Dutzend Jugendliche gruppenweise die Geschichten vorstellen, die sie in den vergangenen Wochen und Monaten gemeinsam mit Schweizer Schriftstellerinnen und Schriftstellern erarbeitet haben. Diesmal stammen die Delegationen von Sekundarschulen aus Affoltern, Basel, Buchs, Effretikon, Romanshorn, Stäfa, Wädenswil, Wallisellen und Zürich. Betreut und präsentiert werden sie von Renata Burckhardt, Kati Dietlicher, Richard Reich, Hansjörg Schertenleib, Kristin T. Schnider, Ruth Schweikert, Anita Siegfried, Christoph Simon und Suzanne Zahnd.

Adolf Muschgs Roman "Kinderhochzeit" (Suhrkamp, 2008) eröffnet vor dem Hintergrund einer zerbrochenen Liebe, deren Schmerzhaftigkeit dem Protagonisten neue Wege weist, einen Blick in die Büchse der Pandora: Abendländische Begriffe und Werte zerbröseln auf fatale Weise. Ein Schweizer Historiker recherchiert in einer badischen Kleinstadt unweit der Schweizer Grenze. Er will wissen, was dort im Zweiten Weltkrieg geschehen ist. Unterstützt wird er von der Enkelin eines Aluminiumfabrikanten. Viel Spektakuläres findet er nicht heraus; die Honoratioren von damals waren allenfalls Mitläufer des Nazi-Regimes. Enttäuscht beginnt er stattdessen, sich für den Gatten der Mäzenin zu interessieren.

In diesem sprachluziden, genau komponierten, raffiniert verschachtelten Roman erweist sich Muschg einmal mehr als glänzender Beobachter und Entdecker menschlicher Verschleierungstaktiken. Unerbittlich führt der Autor seine Leserinnen und Leser immer wieder hin zu der Erkenntnis, dass es keine Erkenntnis gibt.

In seinem jüngsten Roman "Das andere Leben" (Rotpunktverlag, 2008) verlässt Franco Supino das Thema des Fremdseins in der Heimat, der Heimat in der Fremde; und doch geht es dem Autor abermals um die Konstruktion von Identitäten und Lebensentwürfen: Supino begibt sich auf die Spur der letzten Tage vor dem minuziös geplanten Selbstmord des einst international bekannten Dramatikers, Festspielautors und Regisseurs Cäsar von Arx (1895-1949). Es geht in diesem literarischen Stück Schweizergeschichte um ein letztlich gescheitertes Künstlerleben, aber auch um die symbiotische Liebe zweier Menschen und um eine aussergewöhnliche Vater-Tochter-Beziehung.

Franco Supino wurde 1965 als Sohn italienischer Einwanderer in Solothurn geboren; er studierte in Zürich und Florenz Germanistik und Romanistik und arbeitet neben dem Schreiben als Dozent an der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz.
Foto: Adolf Muschg, © Isolde Ohlbaum; Quelle: Suhrkamp

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