Sonntag, 4. Januar 2009

Musik: Die sinfonietta

Basel.- "Nach langer Vorarbeit fand im Proberaum 3 des damaligen Basler Theaters eine Probe statt. Beteiligt waren zirka vierzig Musikerinnen und Musiker. Es war die erste von mittlerweile doch ziemlich vielen Proben der basel sinfonietta . Noch ein gutes Jahr und die sinfonietta wird 30 Jahre alt. Sie hat "eine bewegte Geschichte, die einer Idee, einer Vision entsprang." So beginnt der Beicht von Harald Schneider über ein Orchester, dessen Mitglieder immer wieder Kampfgeist bewiesen haben.
"Der Weg ist das Ziel", lautete das Motto der Sinfonietta zum 25. Geburtstag im Sommer 2005. Doch eigentlich könnte es für die gesamte Zeit des Bestehens gelten. Am Anfang war eines jedenfalls klar: "...dass das Orchester anders funktionieren sollte als andere Orchester". Das heißt: Mitbestimmung und Solidarität in allen Belangen, kein "fester" Dirigent, um nicht das Orchester eines Dirigenten/in, sondern das Orchester von uns MusikerInnen zu sein". Einige Skeptiker prophezeiten den schnellen Untergang. Deshalb: "Nicht ohne Stolz können wir darum darauf hinweisen, dass es uns erstens immer noch gibt und dass wir zweitens eine der wenigen Organisationen in der Schweiz sind, die immer noch selbst verwaltet sind und in demokratischen Strukturen funktionieren. In dieser doch recht langen Zeit - seit der ersten Probe - haben wir uns die Fähigkeit angeeignet, uns immer wieder auf innere und äußere neue Gegebenheiten einzustellen, uns anzupassen und zu reformieren."
Das war zeitraubend und schwierig, anfangs wurde manchmal mehr debattiert als gespielt. Später gab sich das Orchester die Form eines Vereins mit einem 13-köpfigen Orchestervorstand und diversen Gremien. Es gibt Register- und Besetzungsverantwortliche, eine Programmgruppe und sogar ein Ombudsteam zur Lösung von Konflikten. Bis 1999 hat sich die basel sinfonietta selbständig organisiert. Durch den stetig zunehmenden Bekanntheitsgrad und die damit verbundenen Konzertauftritte wurde aber die Geschäftsführung immer aufwendiger. Deshalb wurde 1999 ein professioneller Geschäftsführer eingestellt. 2002/2003 kam es zu einer eigentlichen Reorganisation, um die Arbeit auf weitere Schultern zu verteilen: Der Vorstand wurde aufgeteilt, ein fünfköpfiger Ausschuss ins Leben gerufen, der eng mit dem Geschäftsführer und der Geschäftsstelle zusammenarbeitet, während der Gesamtvorstand in erster Linie für strategische Belange zuständig ist. Daneben wurde das Orchesterbüro aufgestockt. Heute arbeiten dort: Harald Schneider, Geschäftsführer, Andrea Kowalczyk, Konzertorganisation, Simone Manz, Öffentlichkeitsarbeit und Susanne Jani, Buchhaltung.

Dennoch bleiben wichtige, um nicht zu sagen existentielle Fragen zu lösen: "In welche Richtung soll die basel sinfonietta in künstlerischer und programmatischer Hinsicht gehen? Wie gehen wir mit der zunehmenden Kommerzialisierung der Kultur um? Wie können wir mit unseren Programmen auch Kinder und Jugendliche erreichen angesichts des erdrückenden Übergewichts der Popmusikkultur? Wie reagieren wir auf die immer lauter werdenden Sparrufe auch im kulturellen Bereich, insbesondere auf den Druck, dem die Sinfonieorchester ausgesetzt sind? Welchen Einfluss hat es zum Beispiel, wenn die anderen Orchester gezwungenermassen innovativer werden und nicht mehr nur das klassische bis spätromantische Programm anbieten können?" Das sind nur einige der Probleme, die Harald Schneider in seinem Text zur Geschichte auflistet. Denn es geht auch darum, dass sich das Orchester - trotz aller Veränderungen - nicht verbiegen muss und etwas von dem bewahren kann, das es zu dem gemacht hat, was die sinfonietta heute ist.

Der Weg geht weiter: Noch im Herbst 2004 – nach der Abstimmungsniederlage im Kanton Basel-Landschaft zur Subventionierung der basel sinfonietta – war die Existenz des Orchesters gefährdet. Heute können der Vorstand und die Geschäftsführung verkünden, dass die finanzielle Zukunft des Orchesters auf gutem Wege ist. Dies ist möglich, da sich die beiden Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft zu einer gemeinsamen langfristigen Unterstützung bekannt haben: "In den letzten Monaten wurden wir von vielen Menschen immer wieder zum Stand der Dinge bei der basel sinfonietta befragt. Unsere Antwort, die auf einem Orchesterbeschluss basiert: WIR KÄMPFEN!" Und das hat sich gelohnt.


Die nächsten Konzerte:
7. Januar 09; Zürich, Tonhalle
Zurich Choir Proms
Leitung: Christoph Cajöri; Männerchor Zürich

25. Januar 09; Basel, Dreispitzhalle
Education-Projekt: Arcana - Der Code der Stadt
Regie: Martin Frank
Choreographie: Béatrice Goetz
Film: Sibylle Ott

Foto: Quelle basel sinfonietta

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