Mittwoch, 22. April 2009

Muttenz: Imaginäre Welten (bis 28. Juni)

Muttenz.- Drei Künstler, drei Herangehensweisen, drei Ausstellungen ab 25. April (bis 28. Juni) im Kunsthaus Baselland; Die Ausstellung „Anthem“ ist die erste institutionelle Ausstellung von Michael Bauer (geb. 1973 in Erkelenz/D, lebt und arbeitet in Köln) in der Schweiz. Sein großes Thema ist die Musik. Javier Téllez (geb. 1969 in Valencia/Venezuela, lebt und arbeitet in New York) zählt zu den international bekanntesten Gegenwartskünstlern. Das aktuellste, erstmals im November 2008 vorgestellte filmische Werk „Caligari und der Schlafwandler“ wird im Kunsthaus Baselland in Form einer Installation erst zum zweiten Mal präsentiert. Und Hagar Schmidhalter (geb. 1968 in Raron, lebt und arbeitet in Basel) zeigt im Kunsthaus Baselland ihre erste institutionelle Einzelausstellung mit neuen speziell für diese Präsentation produzierten Werken.
Michael Bauers Malereien machen zunächst den Anschein, als ob sie imaginären Welten entspringen. Grafisch-geometrische Formationen, Kreise und rahmende Elemente finden auf der Bildebene einen gemeinsamen Auftritt. Oft tauchen in der Gesamtkomposition Elemente auf, die erkennbar und zuzuordnen sind. Da ein Auge oder sogar ein Gesicht, dort ein Hütchen, ein Duschkopf aus dem es Farben regnet, Hoden und Penisse, angedeutete Harlekine, Zigaretten, Pfeifen und wiederholt tauchen Tischtennisschläger oder Linien auf, die dem Grün des Tischtennis-Tisches entnommen scheinen. Michael Bauer vergleicht seine Bilder mit Filmtrailern: „Das was im Kopf passiert, dieses Weiterspinnen eines Films, von dem man nur Bruchstücke kennt“. (…) Dieses Teasen kann man auch sehr gut in der Malerei anwenden. Lockstoffe, falsche Fährten, sich in Sicherheit wiegen.“ („Die Figur ist Legion“, op.cit.).

Zusammen mit Robert Kraiss und Florian Gass bildet Michael Bauer die Ylmaz House Band, deren Musik die Künstlerkollegin Stefanie Popp umschreibt mit dem „wabernden Gefühl des Blutstroms in den Adern oder vielleicht der Verdauung im Darm.“ Den Gesang beschreibt sie als „von ganz tief drinnen. (…) Wie das Klang gewordene Unbewusste. Oder der frei fliessende innere Brei,“ (op. cit.) und trifft dabei sehr gekonnt den Punkt, an dem Musik- und Bildebene sich treffen.

Javier Téllez' Film, „Caligari und der Schlafwandler“, entstanden zur Ausstellung Rational/Irrational im Haus der Kulturen der Welt in Berlin, ist eine Art Collage aus inszenierten Dialogen und dokumentarischen Interviews mit Patienten der Berliner Vivantes-Klinik. Wie bei fast allen seinen Filme bleibt Téllez auch im jüngsten seinem langjährigen Interesse an psychiatrischen Einrichtungen und dem Hinterfragen von vermeintlich normalem und pathologischem Verhalten treu. Téllez, dessen Eltern beide Psychiater sind, kam früh mit der Problematik des gesellschaftlich Anders- und Stigmatisiert-Seins in Kontakt. In seinen Filmen sind Kooperationen mit Laienschauspielern, wie beispielsweise Patienten psychiatrischer Kliniken, ein wiederkehrendes Charakteristikum. Im Dialog mit den sorgfältig gecasteten Laienschauspielern erarbeitet Téllez in „Caligari und der Schlafwandler“ eine filmische Referenz an den berühmten Stummfilmklassiker von Robert Wiene „Das Kabinett des Dr. Caligari“ (1920).

Im Jahre 2004 entstand in Zusammenarbeit mit einer Gruppe weiblicher Patientinnen des Rozelle Hospitals in Sydney die 2-Kanal-Videoinstallation „La Passion de Jeanne d’Arc (Rozelle Hospital)“ und „Twelve and a Marionette“, die sich ebenso wie „Caligari und der Schlafwandler“ auf einen historischen Referenzfilm bezieht. Für die Biennale InSite, eine Biennale, die sich der Kunst im öffentlichen Raum widmet, entwickelte Téllez im Jahre 2005 die Arbeit „One Flew Over the Void“. In Zusammenarbeit mit Patienten des CESAM State Psychiatric Hospital bei Mexicali organisierte der Künstler eine Art öffentliches Spektakel.

Mit der Ausstellung „Set against a blue sky with clouds and water“ zeichnet Hagar Schmidhalter bereits im Titel ein imaginäres Bild, das gleichzeitig die Beschreibung einer ihrer Bildvorlagen sein könnte. Fotografien aus Magazinen, Büchern oder dem Internet, die aufgrund von kompositionellen, stilistischen oder motivischen Inhalten zu überzeugen vermögen, werden von der Künstlerin durch einzelne Interventionen hervorgehoben, teilweise oder auch zur Gänze übermalt, oder appropriativ in ihre Installationen oder Ausstellungssettings integriert.

Wie bereits in einigen Arbeiten der letzten Jahre, setzt Hagar Schmidhalter das Ausloten und Experimentieren von malerischen Prozessen fort. Sie führt Dialoge mit historischen Diskursen um das monochrome Bild, welche sie in jüngster Zeit mit wiederkehrenden Bildträgerdiskussionen ergänzt. Steven Parrinos Malereien, welche über die Keilrahmenstrukturen gezogen, sich sozusagen aus ihren Korsetts zu befreien suchten, sind Paten von Schmidhalters Malereien. Auch die Künstlerin hinterfragt Bildbegrenzungen und die Beziehung von Oberflächenstrukturen und Räumen. Die Ausstellung im Kunsthaus Baselland stellt diese Untersuchungen erstmals exemplarisch vor.
Bild: Arbeiten von Michael Bauer; Quelle: Kunsthaus

Öffnungszeiten
Di, Do – So 11 – 17 Uhr
Mi 14 – 20 Uhr

Kunsthaus Baselland
St. Jakob-Str. 170
CH-4132 Muttenz / Basel
0041 61 312 83 88
office@kunsthausbaselland.ch
http://www.kunsthausbaselland.ch

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