Dienstag, 2. Juni 2009

Freiburg: Kunst trotz (t) Krise

Freiburg.- Wer regiert das Geld? – diese Frage, die groß auf Plakaten in Freiburg und an der Fassade des Theaters prangt, vergegenwärtigt, welch bewegtes Jahr seit der Präsentation der letzten Spielzeit hinter Freiburg, seinen Bürgerinnen und Bürgern und auch hinter dem Theater liegt. Denn trotz der allgegenwärtigen Finanzkrise zeigt die Zuschauerresonanz, dass der eingeschlagene Weg des Theater Freiburg unter Barbara Mundel, ein Ort zu sein, an dem sich Kunst, Politik, Soziales und Wissenschaft begegnen und dabei kreatives, politisches, kontroverses und begeisterndes Theater entstehen lassen, der richtige ist. Das zumindest ist das fazit aus der Bilanz der Theatermacher, die unlängst - zusammen mit dem neuen Programm - vorgestellt worden ist.

Nachdem die Saison 07/08 mit dem höchsten Erlös aus Ticketverkäufen in der Geschichte des Hauses äußerst erfolgreich war, wurden die Erwartungen an die Spielzeit 08/09 mit vom Publikum und der Kritik begeistert aufgenommenen Produktionen nochmals übertroffen.

Die Teilnehmer am Projekt „Die Optimierung des menschlichen Gehirns“, einer Kooperation mit der Universität Freiburg und fünf Freiburger Schulen, präsentierten während eines mitreißenden Wochenendes die Ergebnisse ihrer Arbeit und boten einen Vorgeschmack auf die Inszenierung als Theaterstück in der Spielzeit 2009/10.
Im Kinder- und Jugendbereich liegt mit Produktionen wie dem Roma-Projekt „Carmen now“, dem Kinderstück „Der kleine Muck“ oder der Kinderoper „Dornröschen“ ein aufregendes Jahr hinter allen Beteiligten.

Auch die Tanzsparte pvc Tanz Freiburg Heidelberg bewies mit Produktionen wie Joachim Schloemers „Die Entführung aus dem Serail“, „For Love“ mit Sandra Hüller oder „Food Chain“ mit der australischen Splinter Group erfolgreich ihre Vielfalt.
Weitere spannende Projekte liegen in dieser Spielzeit noch vor uns: Am Samstag, findet die Premiere von „La vida breve“ in der Inszenierung von Calixto Bieito statt. „Siegfried“, der dritte Teil des Freiburger Rings, wird am 14. Juni Premiere feiern und vom 19. bis 27. Juni ist das Theater Freiburg Gastgeber der Baden-Württembergischen Theatertage.

Die Spielzeit 09/10: Ab dem 27. September 09 sind auf den Bühnen des Theater Freiburg innerhalb von gut drei Wochen sechs Premieren sowie ein Welcome-Konzert zu erleben. Einen Überblick über die wichtigsten Premieren der Sparten Oper, Schauspiel und Tanz finden Sie auf der Homepage.

Die Kinder- und Jugendsparte des Theater Freiburg firmiert ab der kommenden Spielzeit unter dem neuen Namen „Junges Theater Freiburg“, doch weiterhin wird dort nicht nur Theater für, sondern vor allem mit jungen Menschen zwischen 5 und 20 Jahren gemacht. Zudem werden im nächsten Theaterjahr die Angebote im Bereich der Musikvermittlung weiter ausgebaut. Auch hier finden Sie Informationen über die wichtigsten Produktionen 2009/10 auf der Homepage.

Den Konzertspielplan des Philharmonischen Orchesters Freiburg hat Generalmusikdirektor Fabrice Bollon bereits Anfang April der Öffentlichkeit vorgestellt. Seine Philosophie, das Orchester für die Stadt zu sein, werden die Musiker nicht nur in den Sinfoniekonzerten, von denen das erste am 20. Oktober 2009 stattfinden wird, sondern auch in den Kammer-, Film-, Jugend- oder Brunchkonzerten mit Leben füllen.

Die neue Spielzeit

SPIELPLAN OPER

Die Oper eröffnet die Spielzeit am 3. Oktober 2009 mit SALOME von Richard Strauss – einer Oper nach der literarischen Vorlage von Oscar Wilde, die bei Ihrer Premiere für einen Skandal sorgte: Kritiker und Publikum tobten und strömten dennoch in die Opernhäuser – gerade auch wegen der verderbten Erotik der Geschichte, der man sich bis heute nicht entziehen kann. Regie führt Marcus Lobbes, der in der Spielzeit 2008/9 „Der mündliche Verrat“ und „Simon Boccanegra“ in Freiburg inszenierte. Der großen und ewig aktuellen Frage, was denn nun Liebe sei, geht Carl Maria von Weber in seiner letzten Oper OBERON nach. Sänger, Schauspieler und Puppen entführen uns in eine romantische Zauberwelt voller Sehnsüchte und spielerischer Leichtigkeit. Einer Kriminalgeschichte aus dem Rom des Jahres 1800 und zugleich einer der bekanntesten Opern der Welt widmet sich Regisseur Jarg Pataki, der in Freiburg die spektakulären „Peer Gynt“ und „Der Sturm“ inszenierte: In TOSCA (Premiere: 5. Dezember 2009) stellt Komponist Giacomo Puccini die Frage, was Liebe und Kunst in einem diktatorischen Staat bedeuten und lässt die drei Hauptcharaktere Tosca, Cavaradossi und Scarpia sich in kürzester Zeit gegenseitig vernichten. Der international gefeierte Opernregisseur Calixto Bieito widmet sich mit György Ligetis LE GRAND MACABRE ab Ende Januar 2010 einer literarischen Vorlage des belgischen Surrealisten Michel Ghelderode.
In EIN MASKENBALL stehen Galanterie, Komödie und Leichtsinn in unmittelbarem Kontrast zu hoffnungsloser Leidenschaft, gefährlicher Eifersucht und eiskaltem Mord, was unentrinnbar zu einem tragischen Ende führen muss. Joan Anton Rechi, Regisseur des Freiburger „Barbier von Sevilla“, inszeniert, die Premiere wird am 13.3.2010, stattfinden. Den vierten und letzten Teil des Freiburger „Ring-Zyklus’“ erwartet das Publikum mit der GÖTTERDÄMMERUNG ab dem 16. Mai 2010. Regie führt wie schon bei den drei vorangegangenen Teilen Frank Hilbrich.


SPIELPLAN SCHAUSPIEL

Mit zwei Klassikern der Weltliteratur, Aischylos’ ORESTIE am 2. Oktober und den BUDDENBROOKS am 10. Oktober 2009, eröffnet das Schauspiel die neue Spielzeit. Mit dem klassischen griechischen Drama um die Entwicklung einer Gesellschaft verhaftet in archaischem, blindem Götterglauben hin zum Modell einer Gemeinschaft, deren Zusammenleben auf demokratischen Prinzipien beruht, stellt sich die neue Dramaturgin Ruth Feindel dem Freiburger Publikum vor. Jarg Pataki führt bei Thomas Manns Großwerk um den Niedergang einer Lübecker Kaufmannsfamilie Regie.
Felicia Zeller, die im vergangenen Jahr „Kaspar Häuser Meer“ als Auftragswerk für das Theater Freiburg geschrieben hat, kehrt mit der Uraufführung ihres Werks GESPRÄCHE MIT ASTRONAUTEN (Regie Marcus Lobbes) am 3. Dezember 2009 auf die Freiburger Bühnenbretter zurück. Das neue Stück berichtet über den Wahnsinn des Alltags überforderter und sich selbst überfordernder Familien.
Eine Abrechnung mit den Akteuren des Finanzmarkts erwartet den Zuschauer in der Wirtschaftskomödie DIE KONTRAKTE DES KAUFMANNS von Elfriede Jelinek in der Regie von Joachim Schloemer (Premiere am 9. Januar 2010).
Regisseur Uli Jäckle, dessen Gemüsekrimi „Doppeltes Karottchen“ momentan wieder am Kaiserstuhl für Furore sorgt, kehrt mit DIE KLINIK AM RANDE DES WAHNSINNS ans Regiepult des Theater Freiburg zurück: Das Satyrspiel dreht sich um die Frage, was geschähe, wenn der Tod seine Sense niederlegen würde... Christoph Frick beschäftigt sich ab dem 19. März 2010 in DOUBLE BIND mit den Lebensentwürfen in der heutigen Gesellschaft.
Eine mahnende Stimme in Zeiten des wiedererstarkenden religiösen Fundamentalismus wird in Form des NATHAN nach Gotthold Ephraim Lessing ab dem Mai im Kleinen Haus zu vernehmen sein, inszeniert von der türkischen Regisseurin Emre Koyuncuoglu.
Ein zweites Jahr steht die Kammerbühne unter dem Motto „Festung Europa“. Nachdem im ersten Jahr der Blick von innen auf die Festungsmauern interessant war, möchten wir im zweiten Jahr den „Blick von außen“ ins Zentrum rücken. Da im Fußballsommer 2010 alle Welt auf Südafrika blicken wird, werden wir uns in der nächsten Spielzeit immer wieder mit dem Verhältnis Afrika-Europa beschäftigen. Die „Festung Europa“ eröffnet im Oktober 2009 mit dem zweiteiligen Projekt HANIB ALI ANTE PORTAS GERMANY nach Christian Dietrich Grabbe und Tacitus. Hierbei erforschen Schauspieler unter der Leitung des türkischen Regisseurs Bülent Kullukcu gemeinsam mit afrikanischen Migranten deren oft dramatische „Eroberungsgeschichten“ der Festung Europa.
Die erfolgreichen Reihen BRANDHERD – THEATRALES INFOTAINMENT VIA SKYPE und FRISCHFLEISCH sowie die Vortragsreihe CAPITALISM NOW werden wir in der nächsten Spielzeit fortsetzen. Peter Sloterdijk macht am 11.10.09 den Auftakt mit Reflexionen über sein neues Buch „Du musst Dein Leben ändern“.
SPIELPLAN TANZ

Die neue Spielzeit von pvc – Tanz Freiburg Heidelberg steht ganz im Zeichen spartenübergreifender Projekte: Zur Eröffnung der Saison 09/10 mit dem Projekt
HOCHSTAPLER in Zusammenarbeit mit der freien schweizer Theatergruppe „Klara“ unter der Regie von Christoph Frick; zu Silvester mit AMERIKA! in einer tänzerisch-musikalischen Revue gemeinsam mit dem Musiktheater des Theater
Freiburg unter der Regie von Tom Schneider – ganz nach dem Motto „There’s no business like Showbusiness“; im Frühjahr gemeinsam mit dem Schauspiel unter der Regie von Sandra Strunz mit der Adaption von Astrid Lindgrens Kinderbuch
DIE BRÜDER LÖWENHERZ für ein Publikum ab 14 Jahren. Den Schlussakkord setzt im April die Bearbeitung des Romans MACHT UND REBEL von
Matias Faldbakken für Tanz, Schauspiel und Live-Rock-Band.
Einen spirituellen Bogen durch die Spielzeit, gedacht als freies Experimentierfeld, schlägt die Reihe DIE BIBEL BIS ZUM EXODUS in der Kammerbühne, beginnend mit der Produktion BRUDER BRUDER, die die Geschichte der Brüder Kain und Abel aufnimmt.
Nach einer beinah Hit&Run-freien Saison möchten pvc Tanz Freiburg Heidelberg zurück in die Wohnzimmer als dem Erkundungsraum des Privaten. Die Serie 3x3x3, in dem ebenso großen Stahlkubus, der an öffentlichen Orten aufgebaut wird, steht in dieser Spielzeit unter dem Titel: 3X3X3-ENTEIGNET.


SPIELPLAN JUNGES THEATER FREIBURG

Neben dem Kinderstück zur Weihnachtszeit, das in diesem Jahr DIE KLEINE HEXE nach Otfried Preußler sein wird, sind am Theater Freiburg viele neue Produktionen für junge Menschen zu sehen: Die bereits erwähnten BRÜDER
LÖWENHERZ nach Astrid Lindgren, DER KLEINE OBERON in der Reihe „Große Opern für die Kleinen und Familien“, das spannende Kinderkonzert
DER ORCHESTERKRIMI, ein neues Puppentheaterstück für Kinder im Werkraum und SCHAF, ein Musiktheater für alle ab 5 Jahren, im Kleinen Haus. Auch das Insektenmusical FLOKATI, mit dem das Junge Theater Freiburg am 9. Oktober 2009 die Spielzeit 2009/10 eröffnet und das von den krabbelnden Bewohnern eines Wohnzimmerteppichs handelt, verspricht großartige Unterhaltung für Klein und Groß.
Wer selbst Theater spielen möchte, hat die Gelegenheit, beim Jungen Theater
Freiburg anzudocken und bei einem der zahlreichen Projekte aus dem „Theaterlabor“ mitzumachen: Im Großen Haus werden wir beispielsweise mit jungen Menschen
und frei nach Wagner die HipHop-Oper DER RAP DES NIBELUNGEN
(Premiere 8. Juni 2010) auf die Bühne bringen. Im Werkraum wird – neben 12
weiteren Mitmachprojekten – ab April DAS TAGEBUCH DER ANNE FRANK
als Gemeinschaftsproduktion mit Schauspielern des Ensembles und Jugendlichen aufgeführt werden.

Theater Freiburg
Bertoldstrasse 46
79098 Freiburg

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