Montag, 18. Mai 2009

Zürich: Minimal und ein lächelndes Doppelbett (bis 30. August)

Zürich.- Bekannt für ihre grossen, hypnotisch wirkenden Skulpturen, die sich in Sekundenschnelle einprägen, spielt Katharina Fritsch mit den archaischen Vorstellungen, Wünschen und Ängsten des Menschen. Ihre aktuellen Arbeiten erschliessen neue künstlerische Bereiche, darunter auch den Eros aus dem Blickwinkel der Frau.Vom 3. Juni – 30. August 2009 zeigt das Kunsthaus Zürich eine Retrospektive und neue Arbeiten von Katharina Fritsch.
Katharina Fritsch (*1956) ist eine der wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart. Ihre Werke – auf den zweiten Blick Skulpturen – befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen und sind eher dreidimensionale Bilder, energetische Präsenzen im Raum. "Warengestell mit Madonnen", 1989, "Tischgesellschaft", 1988, oder "Elefant", 1987, sind auf Grund ihrer bildhaften Prägnanz fest im kollektiven Gedächtnis des Kunstpublikums verankert und auch Teil der rund 80 Objekte umfassenden Retrospektive im Kunsthaus Zürich. Dort war die Künstlerin bereits in den thematischen Ausstellungen "Hyper­mental" (2000) und "Zeichen und Wunder" (1995) vertreten. Diese wurden – wie die aktuelle Präsentation – von Bice Curiger kuratiert.

EINFLÜSSE VON MINIMAL ART BIS POPKULTUR
Heute lässt sich in der gut zwanzigjährigen Entwicklung des Oeuvres dieser Künstlerin eine eindrückliche Kohärenz und Tiefe der Themen und Motive auf­zeigen. Die Bilder stehen grossformatig als plastische und doch unfassbare "Erscheinungen" im Raum. Wer sie betrachtet, begreift sofort – und ringt doch mit einem sich dahinter verbergenden Sinn. Die Machart, eine von jeglicher persönlicher Handschrift getilgte Oberfläche der Skulpturen, ausgeklügelte Pro­portionen und die immateriell leuchtenden, monochromen Farben der neuer­dings entstehenden Siebdrucke, offenbaren Fritschs Schulung an der Strenge der Minimal Art sowie das Interesse für Künstlichkeit und überindividuelle kulturelle Prägungen.

VOM GARTEN ZUM LÄCHELNDEN DOPPELBETT
Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich präsentiert zur Hälfte jüngere und ganz neu entstandene Arbeiten, darunter grossformatige "Raumbilder" als präzises Zusammenspiel von Skulpturen und ätherisch wirkenden, grossformatigen Siebdrucken. Prominentes Beispiel ist das grosse Ensemble um die Figur "Frau mit Hund" von 2004. Dies besteht aus einer aus rosa Muschelformen komponierten Frauengestalt, 32 an der Decke schwebenden Schirmen und ver­grösserten Postkartenbildern. In ihm wird die komplexe Aura einer Stadt wie Paris evoziert. Das Werk zielt auf Assoziationen zu Rokoko und Populärkultur und beschwört auf souveräne Art das schwierige Thema der Leichtigkeit. Wäh­rend sich eine bestehende Werkgruppe noch wie eine seltsam moderne Elegie dem Thema "Garten" widmet, lädt Fritsch mit einer der neusten Arbeiten in ein "Meta-Schlafzimmer" ein. In dem mit Rosenblättern übersäten, "lächelnden" Doppelbett und den männlichen Pin-Ups an der Wand, begibt sich die Künstlerin mit subversiver Fröhlichkeit als Frau in ein männlich besetztes Terrain der Kunstgeschichte.

DIE KÜNSTLERIN
Katharina Fritsch wurde 1956 in Essen geboren. Sie studierte zunächst Geschichte und Kunstgeschichte in Münster, später Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf bei Fritz Schwegler. 1979 stellte sie erstmals Skulpturen aus. In den 1980er Jahren dienten ihr Bildthemen aus der Warenwelt häufig als Motiv. Der internationale Durchbruch gelang 1984 in der Ausstellung "Von hier aus" in Düsseldorf. 1988 stellte sie in der Kunsthalle Basel aus und 1997 im Museum für Gegenwartskunst. Nachdem sie 1995 Deutschland bei der Biennale in Venedig vertreten hatte, wurden ihr bedeutende Auszeichnungen wie der Kunstpreis Aachen (1996) und der Piepenbrock Preis für Skulptur (2008) zuteil. Katharina Fritsch lebt und arbeitet in Düsseldorf. Seit 2001 ist sie Professorin für Bildhauerei an der Kunstakademie Münster (Hochschule für Bildende Künste). Im selben Jahr widmete ihr die Tate Modern, London, in Kooperation mit dem K21, Düsseldorf, eine grosse Einzelausstellung. Die vom Kunsthaus Zürich organisierte Retrospektive ist die erste museale Einzelpräsentation von Fritschs Arbeiten in Zürich und die bislang umfassendste in der Schweiz. Sie wird von einem Katalog begleitet, in dem neben Bice Curiger Robert Fleck, Suzanne Hudson und Milovan Farronato mit Beiträgen vertreten sind.

Die Ausstellung wird von den Hamburger Deichtorhallen übernommen.
Bild: Katharina Fritsch, Frau mit Hund, Schirme und Paris-Postkarten, 2004
Polyester, Aluminium, Eisen, Farbe
Ausstellungsansicht view Matthew Marks Gallery, 2004
© 2009 ProLitteris, Zürich

Besucherinformationen
Kunsthaus Zürich, Heimplatz 1, CH–8001 Zürich, www.kunsthaus.ch
Offen Sa/So/Di 10–18 Uhr, Mi/Do/Fr 10–20 Uhr
Feiertage: 1. August 10–18 Uhr
Eintritt: CHF 18.–/12.– reduziert/14.– Gruppen ab 20 Personen. Änderungen vorbehalten.
Vorverkauf: Kombi-Ticket RailAway/SBB mit Ermässigung auf Bahnfahrt und Eintritt. Erhältlich am Bahnhof und beim Rail Service 0900 300 300 (CHF 1.19/Min.), Gruppentarife möglich. Magasins Fnac, Tel. +33 1 4157 3212, www.fnac.ch.
Öffentliche Führungen: jeden Sonntag um 11 und Mittwoch um 18.30 Uhr. (Teilnehmerzahl beschränkt, CHF 4.- zzgl. Eintritt).
Privatführungen für bis zu 20 Personen nach Anmeldung unter +41 (0)44 253 84 06 (Mo–Fr 9–12 Uhr). Kosten: CHF 175.- zzgl. Eintritt.

Keine Kommentare:

Impressum

Herausgeberin und inhaltlich Verantwortliche gemäß § 5 TMG: Petra Gabriel, Im Leimenacker 12, 79725 Laufenburg
Telefon: 0152/01789342, info(at)petra-gabriel.de, redaktion(at)3land.info
www.3land.info, www.petra-gabriel.de
Copyright © 2004-2014 für alle Seiten by Gabriel Publishing

Haftungshinweis: Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle können wir keine Haftung für die Inhalte externer Links übernehmen. Bei unseren externen Links handelt es sich um eine subjektive Auswahl von Verweisen auf andere Internetseiten. Für den Inhalt dieser Seiten sind die jeweiligen Betreiber / Verfasser selbst verantwortlich und haftbar. Von etwaigen illegalen, persönlichkeitsverletzenden, moralisch oder ethisch anstößigen Inhalten distanzieren wir uns in aller Deutlichkeit.