Mittwoch, 9. September 2009

"Nur gute Musik" - Freiburger Konzerte

Freiburg.- Nicht U, nicht E - "es gibt nur gute Musik". Das ist die Überzeugung von Fabrice Bollon, Freiburger Generalmusikdirektor anlässlich der neuen Konzertsaison des Philharmonischen Orchesters. Auch in der neuen Spielzeit soll es vielfältig werden. Bollon: "In jedem Konzert werden die verschiedenen Komponisten, Werke und Stile einander aufleuchten lassen, werden Schlaglichter auf die Tradition und das Neue fallen – wobei das Neue auch eine Schubert-Sinfonie sein kann und die Tradition die des modernen Balletts. Sei es in den Sinfonie- oder den Kammerkonzerten, in den Brunchkonzerten oder im Film- und im Jugendkonzert: Weil wir die Musik in ihrer ganzen Breite, in ihrem ganzen Reichtum lieben, fühlen wir uns verpflichtet, sie für Sie genauso reich und vielfältig in unseren Konzerten zu entfalten."

Denn: "Wir sind das Orchester für die Stadt. Die Zwei, die Spiegelung ist in dieser Spielzeit unser Thema." Das gilt nicht nur im ersten Konzert mit lauter Werken "Nummer zwei", sondern auch bei Schubert, von dem neben der großen C-Dur-Sinfonie seine allerletzten sinfonischen Skizzen erklingen werden. Dem doppelten Blickwinkel bleibt das Programm auch weiter Verpflichtet: Rachmaninow und Lutoslawskis variieren Paganini, Rimski-Korsakow und Schostakowitsch instrumentieren Mussorgski, Bartók und Daniel Schnyder erkunden die konzertanten Möglichkeiten des Schlagzeugs. Wir laden Sie ein in eine Musikwelt, in der Ausgrenzung keine Rolle spielt – eine Musikwelt, die als das erlebbar werden soll, was sie ist: ein Kontinuum. Das Orchester musiziert mit Könnern ersten Ranges aus ganz verschiedenen Gebieten – in Kombinationen von Werken und Stilen, die vor allem eines auszeichnet: sinnlicher Reichtum. Kein beliebiges "sich Überkreuzen entfernter oder unversöhnlicher Regionen", sondern ein Wandern durch reiche und bunte Welten, das ist das Programm.

Das Programm

Sinfoniekonzerte

1. sinfoniekonzert
RICHARD STRAUSS Hornkonzert Nr. 2 Es-Dur
LUDWIG VAN BEETHOVEN Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36
FRANZ SCHUBERT Sinfonie Nr. 2 B-Dur D 125
ANSCHLIESSEND: NACHKLANG MIT ISABEL FORSTER UND ANDREAS SPERING IM FOyER
Dreimal zwei macht eins: Nach dem Konzert mit drei Sinfonie-Erstlingen in der vorigen kommt im 1. Sinfoniekonzert der neuen Spielzeit die Nummer Zwei zum Zuge. Das Philharmonische Orchester und Gastdirigent Andreas Spering laden Sie ein auf eine Reise durch Komponisten-Lebensalter. Als Jüngling von achtzehn Jahren kombinierte Franz Schubert in seiner 2. Sinfonie die große sinfonische Geste mit romantischer Wärme. Beethoven, mit Anfang dreißig bereits eine Berühmtheit, lotete 1802 in seiner Zweiten eine ganz neue sinfonische Dynamik aus. Der greise Richard Strauss schließlich schuf sein zweites Hornkonzert als teils fröhlichen, teils wehmütigen Rückblick auf die Klassik. Und da schließt sich der Kreis. Denn die Solistin, die das Werk im 1. Sinfoniekonzert spielen wird, ist niemand anders als Isabel Forster, die junge Solohornistin des Philharmonischen Orchesters.
Solistin: Isabel Forster (Horn) / Dirigent: Andreas Spering
Di. 20.10.09, 20 Uhr, Konzerthaus

2. sinfoniekonzert – Freiburger Variationen: rudi stephan
RUDI STEPHAN Die ersten Menschen (Auszüge)
RICHARD STRAUSS Vier letzte Lieder
IGOR STRAWINSKY Der Feuervogel (Suite 1919)
Orchesterzauber im 2. Sinfoniekonzert. Rudi Stephan, bis zu seinem frühen Kriegstod 1915 eine der großen Hoffnungen der deutschen Musik, kannte seinen Wagner, Strauss, Debussy – und fand einen neuen, eigenen Klang. Seine Oper "Die ersten Menschen " von 1914 kombiniert ein biblisch-symbolistisches Sujet mit einer überwältigenden, strahlend expressiven Tonsprache. Der Klangmagier Richard Strauss, für das Publikum des Philharmonischen Orchesters ein alter Bekannter, bot am Ende seines Lebens noch einmal seine ganze Farbenkunst auf für die "Vier letzten Lieder". Der junge Igor Strawinsky dagegen packte in die Partitur seines "Feuervogels" deshalb sein ganzes Können hinein, weil sie den berühmten Ballettchef Sergej Diaghilew von seinen Fähigkeiten überzeugen sollte. Das Ergebnis: eine Musik, die an Farbenpracht und Dynamik ihresgleichen sucht.
Solisten: Sabine Hogrefe (Sopran), Christian Voigt (Tenor)
Neal Schwantes (Bassbariton) u. a. / Dirigent: Fabrice Bollon
Di. 24.11.09, 20 Uhr, Konzerthaus Dörte Weiblen, Viola

3. sinfoniekonzert
LUCIANO BERIO Rendering
(Restaurierung von Entwürfen und Skizzen zu einer geplanten 10. Sinfonie Schuberts)
FRANZ SCHUBERT 8. Sinfonie C-Dur D 944
ANSCHLIESSEND NACHKLANG MIT FABRICE BOLLON IM FOyER
Franz Schuberts "Große", die ihr Entdecker Robert Schumann überschwänglich wegen ihrer "himmlischen Längen" pries, galt lange als Frucht aus dem letzten Lebensjahr des Komponisten, als sein letztes Wort in Sachen Sinfonie. Doch inzwischen wissen wir, dass das Werk bereits 1825 fertig war – und dass Schubert sich noch deutlich später, in seinem Sterbejahr 1828, mit sinfonischen Gedanken trug: Erhalten blieben Entwurfs- Fragmente einer D-Dur-Sinfonie. Das 3. Sinfoniekonzert bietet die seltene Gelegenheit, ihnen zu lauschen. Der Komponist Luciano Berio bettete sie behutsam ein in eigene Musik, die ganz zurücktritt und nichts anderes zum Ziel hat, als die kostbaren letzten sinfonischen Gedanken Schuberts erlebbar zu machen: der neugierige Blick eines Komponisten auf einen anderen.
Dirigent: Fabrice Bollon
Di. 9.2.10, 20 Uhr, Konzerthaus

4. sinfoniekonzert
WITOLD LUTOSLAWSKI Chain 3
SERGEJ RACHMANINOW Rhapsodie über ein Thema von Paganini op. 43
WITOLD LUTOSLAWSKI Paganini-Variationen
SERGEJ RACHMANINOW Symphonische Tänze op. 45
Das Thema Spätwerk lässt Fabrice Bollon und das Philharmonische Orchester nicht los. Denn auch Sergej Rachmaninows Rhapsodie über ein Thema von Paganini und die Symphonischen Tänze entstanden im letzten Lebensjahrzehnt des Komponisten, der seit 1918 im amerikanischen Exil lebte. Über melancholischem Grundton entfaltet der "letzte Romantiker" die ihm eigene Meisterschaft in der Behandlung von Orchester und Klaviersolo. Dessen Vorlage, Paganinis berühmte Violincaprice Nr. 24, galt als Chiffre für Virtuosität schlechthin, und so behandelte sie auch der polnische Komponist Witold Lutoslawski, als er sie 1941 seinem Variationszyklus zu Grunde legte – zwei lohnende Aufgaben also für den Solisten des 4. Sinfoniekonzerts, den Klavierstar Philippe Bianconi. Lutoslawskis Orchesterwerk Chain 3 von 1986 steht ganz im Kontrast zu Rachmaninows wuchtiger Nachromantik: Ein farbig zergliederter Klang, der sich gleichwohl zum großen Bogen fügt. Solist: Philippe Bianconi (Klavier) /
Dirigent: Fabrice Bollon
Di. 30.3.10, 20 Uhr, Konzerthaus

5. sinfoniekonzert
JOHN ADAMS The Chairman Dances. Foxtrott für Orchester
BELA BARTOK Konzert für zwei Klaviere, Schlagzeug und Orchester
DARIUS MILHAUD Le boeuf sur le toit op. 58
DANIEL SCHNYDER Drums Beyond. Konzertstück für drei Schlagzeuger und Orchester
ANSCHLIESSEND: AFTER CONCERT LOUNGE IM JAZZHAUS FREIBURG
Was haben der "große Vorsitzende" Mao Tsedong und der Ochse auf dem Dach gemeinsam? Sie tanzen! Ob Foxtrott oder Samba, ob John Adams’ leicht verrückter Ableger seiner Oper "Nixon in China" oder Darius Milhauds surrealistisches Zeitlupen-Ballett zu brasilianischer Musik: Tanz ist nach wie vor ein Thema für Komponisten – und für das Philharmonische Orchester. Rhythmus als vielfältig aufgefächertes Ausdrucksmittel lässt sich in Bartóks Konzert für zwei Klaviere, Schlagzeug und Orchester erleben. Und das buchstäblich Unerhörte, nämlich eine Uraufführung, kommt mit Daniel Schnyders "Drums Beyond" zum Zuge, einer Auftragskomposition des Philharmonischen Orchesters. Gleich drei Schlagzeuger – mit Jazz-Drumset, elektronischem und afrikanischem Schlagzeug – werden mit dem Orchester in Wettstreit treten.
Solisten: Andreas Grau, Götz Schumacher (Klavier) / Tilman Collmer,
Alexander Lang, Klaus Motzet, Matthias Daneck, Pape Dieye (Schlagzeug)
Dirigent: Fabrice Bollon
Di. 27.4.10, 20 Uhr, Konzerthaus

6. sinfoniekonzert – gastkonzert der basel sinfonietta
IGOR STRAWINSKY Pulcinella (Ballettmusik)
FERRUCCIO BUSONI Arlecchino oder Die Fenster
Zweimal Commedia dell’ arte: Ferruccio Busonis "Arlecchino oder Die Fenster" spinnt eine Geschichte rund um die Figuren des italienischen Volkstheaters – ein Blick zurück auf Charme und Witz eines klassischen Sujets. Als Busoni 1920 von einer "jungen Klassizität", einer ersehnten Erneuerung der Musik aus sich selbst heraus schrieb, ahnte er nicht, was sich zur selben Zeit in Paris anbahnte. Dort erfanden Igor Strawinsky und Sergej Diaghilew, der Chef der berühmten "Ballets russes", den musikalischen Neoklassizismus als intelligentes Spiel zwischen Alt und Neu, lustvoll zerstörerisch, ironisch, elegant, vor allem aber: unterhaltsam. So machte Strawinsky im Ballett "Pulcinella " Gebrauch von barocker und frühklassischer Musik – skrupellos, aber höchst vergnüglich.
Solisten: Mitglieder des Opernstudios OperAvenir des Theaters Basel
Dirigent: Emilio Pomàrico
Di. 18.5.10, 20 Uhr, Konzerthaus

7. sinfoniekonzert
MODEST MUSSORGSKI Vorspiel zu "Chowanschtschina"
in den Instrumentierungen von Nikolai Rimski-Korsakow und Dmitri Schostakowitsch
PETER TSCHAIKOWSKY Violinkonzert D-Dur op. 35
DMITRI SCHOSTAKOWITSCH Sinfonie Nr. 10 e-Moll op. 93
ANSCHLIESSEND: NACHKLANG MIT GERHARD MARKSON IM FOyER
Modest Mussorgski hinterließ bei seinem Tod die Historienoper "Chowanschtschina" über blutige Intrigen am Zarenhof – allerdings unfertig. Nicht einmal die Ouvertüre war instrumentiert. Zwei Komponisten stellten sich dieser Aufgabe, Nikolai Rimski- Korsakow und Dmitri Schostakowitsch. Im 7. Sinfoniekonzert ersparen wir Ihnen die Qual der Wahl: Hören und vergleichen Sie einfach beide Versionen, die des romantischen und die des modernen russischen Orchestermeisters! Schostakowitsch wiederum schrieb sich in Stalins Todesjahr 1953 die Last von Jahrzehnten der Unterdrückung von der Seele: Seine 10. Sinfonie mündet in einen wilden Triumph des Überlebenden. Zwischen diesen Werken dürfen die Dämonen der russischen Geschichte ruhen, denn das Philharmonische Orchester und der Geiger Tedi Papavrami widmen sich dem russischen Klassiker des 19. Jahrhunderts: Tschaikowskys Violinkonzert, Inbegriff der Vereinigung von Noblesse und geigerischer Artistik.
Solist: Tedi Papavrami (Violine) / Dirigent: Gerhard Markson
Di. 15.6.10, 20 Uhr, Konzerthaus

8. sinfoniekonzert
MAURICE RAVEL La Valse / Ma mère l’oye / Daphnis et Chloë
ANSCHLIESSEND: NACHKLANG MIT CATHERINE BOTTOMLEy UND ROMAN VIEHöFER
Igor Strawinsky nannte Maurice Ravel den "Schweizer Uhrmacher" unter seinen komponierenden Kollegen. Doch nicht nur Genauigkeit und Brillanz seiner Musik faszinieren bis heute, sondern vor allem ihre bannende Sinnlichkeit. Von drei ganz verschiedenen Seiten wird sie im 8. Sinfoniekonzert zu erleben sein. "La valse" ist Ravels Kommentar zum 1. Weltkrieg: eine Karikatur des Walzerplüschs der K.-u.-K.-Epoche, die in erschütternde Gewalt ausartet. Geradezu zerbrechlich klingen dagegen die fünf Märchenstücke "Ma mère l’oye", komponiert für vier Kinderhände und später in eine magisch-duftige Orchestermusik verwandelt. Schließlich die Ballettmusik "Daphnis et Chloë" : Von zarter Farbigkeit zum opulenten Tutti mit Chor, von der Idylle zur finalen Raserei – ein Fest für die Ohren.
Opern- und Extrachor des Theater FreibuFreiburg / Camerata Vocale Freiburg
Dirigent: Fabrice Bollon
Di. 20.7.10, 20 Uhr, Konzerthaus Christiane Reitz, Violine, Hellmut Karg, Tuba

Außerdem

FILMKONZERT / PANZERKREUZER POTEMKIN (1925)
von Sergej Eisenstein mit der Originalmusik von Edmund Meisel
Kooperation mit dem Kommunalen Kino Freiburg
Er wurde schon zum "besten Film aller Zeiten" gekürt: Sergej Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" von 1925, die filmische Überhöhung des Beginns der revolutionären Unruhen 1905 in Russland. War zur russischen Premiere Musik von Beethoven und Tschaikowsky erklungen, so komponierte für die deutsche Fassung 1926 Edmund Meisel eigens eine Filmmusik, die Eisensteins expressionistischen Monumentalstil widerspiegelte.
Dirigent: Günter A. Buchwald
Mi. 14.10.09, 19.30 Uhr, Großes Haus
Do. 15.10.09, 11 Uhr, Großes Haus (Schulvorstellung)
NEUJAHRSKONZERT / DIE SCHÖNE BLAUE DONAU FLIESST
VON GRANADA BIS BARCELONA
Zu einem Neujahrskonzert mit spanischen Impressionen laden das Philharmonische Orchester und sein Gastdirigent Enrique Ugarte ein. Doch nicht nur auf den Taktstock versteht sich der im Baskenland geborene Ugarte. Er ist außerdem ein gefragter Komponist – die Musik zum Erfolgsfilm "Das Wunder von Bern" ist sein Werk – und vor allem ein Akkordeonspieler von mitreißender Virtuosität.
Dirigent & Akkordeon: Enrique Ugarte
Fr. 1.1.10, 17 Uhr, Konzerthaus

THEATER FREIBURG
Bertoldstraße 46
Postfach 15 69
79098 Freiburg
Kartenverkauf Theaterkasse
Telefon: 0761 201 28 53
Fax: 0761 201 28 98
E-Mail: theaterkasse@theater.freiburg.de

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