Mittwoch, 23. Juni 2010

Heilige Kunst aus Buthan

Buddha Shakyamuni und die Sechzehn Arhats; Bhutan, 19. Jahrhundert. Tusche und Mineralfarben auf Baumwolle. Norbugang Lhakhang Ogma, Punakha; © Honolulu Academy of Arts und Königreich Bhutan. Foto: Shuzo Uemoto

Zürich.- In Bhutan, dem kleinen Königreich am Rand des Himalaya, ist die Religion tief im Alltagsleben der Menschen verankert. Die tantrische Form des Buddhismus ist in keinem anderen Land der Welt noch heute so lebendig wie dort. Kunst und Kultur, Musik und Tanz stehen ganz im Zeichen des Buddhismus. Die heiligen buddhistischen Kunstwerke der Ausstellung im Museum Rietberg werden auf ihrer Reise von zwei Mönchen aus Bhutan rituell betreut. In Zürich führen sie täglich in den Ausstellungsräumen Verehrungs- und Reinigungszeremonien durch, um negative Kräfte zu bannen und die spirituelle Aura der Kunstwerke zu stärken. Das Museum Rietberg in Zürich beschäftigt sich ab 7. Juli (bis 17. Oktober) mit der heiligen Kunst aus dem Himalaya.

Erstmals sind mit dieser Ausstellung über 100 religiöse Kunstwerke aus Tempeln und Klöstern Bhutans ausserhalb des Landes zu sehen. Organisiert wurde die Ausstellung von der Honolulu Academy of Art und dem Innen- und Kulturministerium der Königlichen Regierung Bhutans. Sie entstand in enger Zusammenarbeit zwischen westlichen Kuratoren und Wissenschaftlern, und zwischen Mönchen, hohen Geistlichen und den Kulturinstituten Bhutans. Während einer fünfjährigen Vorbereitungszeit reiste man gemeinsam durchs Land, sichtete unzählige Kulturschätze, diskutierte aus den verschiedenen Blickwinkeln der Beteiligten deren Ikonografie und Qualität und wählte schliesslich die Objekte für die Ausstellung aus. An einem glückbringenden Tag wurden die heiligen Objekte rituell verabschiedet und auf die Reise geschickt. Nach Honolulu, San Francisco, New York, Paris und Köln, wo die Ausstellung überall auf enormes Interesse stiess, tritt die Ausstellung nun in Zürich ihre letzte Station an.

Die Geschichte Bhutans ist stark vom Buddhismus geprägt. Das kleine Land ist etwa so gross wie die Schweiz und besteht aus mehreren, tief eingeschnittenen Bergtälern. Schon früh zogen tibetische Händler durch die Täler nach Indien. Nach der Einführung des Buddhismus im Himalaya im 8. Jahr-hundert kamen in mehreren Wellen tibetische Mönche nach Bhutan und gründeten Klöster, die zu Zentren von Kultur und Macht wurden. Im 16. Jahrhundert vereinte der Mönch Shabdrung Ngawang Namgyal die Bergtäler zu einem Reich und prägte Bhutans eigenständige kulturelle Identität. Sein Verwaltungssystem, das die Macht zwischen einem weltlichen und einem religiösen Herrscher aufteilte, beruhte auf den Maximen des Buddhismus. Nach dem Tod des charismatischen Führers kam es vermehrt zu Machtkämpfen, bis 1907 der stärkste Lokalherrscher zum König ernannt wurde. Damit wurde Bhutan erstmals in seiner Geschichte zu einer Erbmonarchie. Der Urenkel dieses Herrschers hat nun vor zwei Jahren aus eigenem Antrieb abgedankt und ein demokratisch gewähltes Parlament eingeführt.

Bhutan versucht, auch in der modernen Welt die traditionelle Lebensweise zu bewahren und das kulturelle Bewusstsein zu stärken. Eine international beachtete Strategie Bhutans ist es, nicht nach einer Steigerung des rein materiellen Bruttosozialproduktes zu streben, sondern ein »Bruttonationalglück« zu definieren. Dazu gehört auch ein intaktes natürliches, kulturelles und soziales Umfeld. Dem kulturellen Erbe begegnet man in Bhutan auf Schritt und Tritt. Über 2000 Klöster und Tempel bestimmen das Landschaftsbild. An strategisch wichtigen Stellen thronen mächtige Klosterburgen und überall finden sich kleine Heiligtümer. Die Tempel beherbergen unzählige Kunstschätze. Bilder und Statuen gelten jedoch nicht in erster Linie als Kunstwerke, sondern als heilige Objekte. Noch heute stehen sie in rituellem Gebrauch. Viele davon sind auch in Bhutan selten zu sehen. Nur zu bestimmten Zeremonien werden sie hervorgeholt und verehrt.

Die ausdrucksstarken Kunstwerke ermöglichen auch Laien einen Einblick in die hochkomplexen Lehren des Tantrischen Buddhismus. Bilder des Buddhas in tiefer Versenkung strahlen eine vollkommene Ruhe aus und lassen erahnen, was es heisst, von allem losgelöst zu sein. Die Anmut der Bodhisattvas macht spürbar, dass sie voller Mitgefühl gelobt haben, alle Lebewesen aus dem Kreislauf des Leidens zu befreien. Packende Darstellungen von furchterregenden Gottheiten mit wutverzerrten Gesichtern und blutrünstigen Attributen deuten in ihrer vielschichtigen Symbolik auf verschiedene Lehrinhalte hin. Didaktische Bilder erzählen in vielen kleinen Szenen Lebensgeschichten und spirituelle Werdegänge grosser Meister. Eindrückliche Porträts von bis zu dreieinhalb Metern Höhe erinnern an weise Lehrer und deren Überlieferungen. All diese Bilder bestechen durch ihren Reichtum an Details. Manche zeigen einen Reigen von Geschichten und Episoden mit einer Vielzahl von Figuren. Um die zentralen Figuren herum entfaltet sich meist eine idyllische Landschaft mit Bäumen und Blumen, Bächen und Tieren. Häufig lohnt sich auch ein Blick auf den elaborierten Schmuck und die Gewänder mit ihren feinen Stoffmustern.

Neben Skulptur und Malerei zeigt die Ausstellung in mehreren Filmen eine weitere Kunstform Bhutans: Die rituellen Cham-Tänze werden an grossen Tempelfesten aufgeführt, zu denen das Volk von weit her herbeiströmt. Die Maskentänze dienen einerseits der religiösen Belehrung der Gläubigen. Andererseits sind sie für die tanzenden Mönche meditative Übung, denn sie verschmelzen im Tanz geistig mit der dargestellten Gottheit. Die rituellen Maskentänze sind ein wichtiger Teil der Ausstellung. Im Rahmen der Vorbereitung arbeitete unter Federführung der Honolulu Academy of Arts ein internationales Team unter Joseph Houseal von Core of Culture Dance Preservation in Bhutan und zeichnete während zweier Jahre dreiundzwanzig grosse Tempelfestivals und dutzende kleiner Dorffeste auf. Aus diesem reichen Material sind mehrere kurze Filmesequenzen in der Ausstellung zu sehen, darunter eine grosse Installation, die den Tanz räumlich erlebbar macht.

Publikationen: «Bhutan – Heilige Kunst aus dem Himalaya». Museum Rietberg Zürich, 62 Seiten, ca. 40 Farbabbildungen, 24,5 x 29,5 cm, CHF 16, ISBN 978-3-907077-46-7

Bhutan - Heilige Kunst aus dem Himalaya
4. Juli bis 17. Oktober 2010
Museum Rietberg
Gablerstrasse 15
CH - 8002 Zürich
0041 (0)44 206 31 31
museum.rietberg@zuerich.ch
http://www.rietberg.ch

Öffnungszeiten: Di bis So 10 – 17 Uhr, Mi und Do 10 – 20 Uhr, Montag geschlossen

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