Dienstag, 29. Juni 2010

Traumwanderlische Geschichten

Johann Heinrich Füssli, Der Nachtmahr, Stich von T. Burk e, London 1802 © Zentralbibliothek Zürich

Zürich.- Um Die Literatur und die Träume geht es noch bis 5. September 2010 im Zürcher Strauhof.Ein Traum kann eigentlich nur geträumt werden. Er gehört dem Träumer allein, ist das schöpferische Produkt seiner eigenen kühnen Unverschämtheit. Mit dem morgendlichen Erwachen kommt das Bewusstsein zurück – «es war ja nur ein Traum!». Ob wir nun darüber traurig oder erleichtert sind, die nächtlichen Geschehnisse stiften in jedem Fall Verwirrung. Der Traum scheint mehr zu wissen als wir selbst. Zurückgeblieben ist ein Rest des Traums, nicht weiter aufzulösen, widerständig, ohne Vernunft und Ordnung, zurück bleibt auch eine irritierende Unruhe. Es ist dieser nicht zu versorgende Rest des Traums, der uns dazu bringt, den Traum zu erzählen.

Die Literatur hat sich immer für die faszinierende Radikalität und Phantastik der Traumwelten interessiert. Zwischen ihren trügerischen und unheimlichen Seiten tut sich ein Spannungsfeld auf, das die Literatur gut zu nutzen weiss. Aus einer inneren Verwandtschaft: Dichter dürfen «mit offenen Augen träumen». Aber literarische Traumerzählungen sind Kunstträume. So ist die Literatur sowohl vom freien Spiel der Phantasie inspiriert wie auch an die Regeln der Vernunft gebunden.

Ab 1895 entwickelt Sigmund Freud in Wien sein Konzept der Traumdeutung. Im gleichen Jahr führen die Brüder Lumière in Paris erstmals einen Film vor. Die Jahrhundertwende ist geprägt von diesen zwei bahnbrechenden Errungenschaften, die sich mit dem «Traum» beschäftigen. Sowohl Freud wie auch das Kino betonen dabei das Auseinandertreten von Bild und Bedeutung. Die neue Sichtweise verändert auch den literarischen Umgang mit Träumen. Insbesondere die Surrealisten interessieren sich für den Traum und das Traumhafte. Carl Gustav Jung (1875-1961) distanziert sich von der Theorie Freuds und entwickelt ein eigenes Traumkonzept. Er versteht den Traum als Darstellung der inneren Wirklichkeit des Träumenden. Diese zeige sich unmittelbar und bedarf nicht der freien Assoziation zum Verständnis des Traums. Zur Deutung der Träume arbeitet Jung mit einem Katalog von als archetypisch angenommenen Symbolen.

Die Ausstellung zeigt verschiedenste Einsatz- und Schreibweisen des literarischen Traums. Sie beginnt mit der auffälligen Parallele zwischen der Genese von Freuds Traumdeutung und den Anfängen des Films. Sodann wendet sie sich der Romantik zu, die den Unterschied zwischen Traum und Poesie zu verschleiern sucht. Einem Rückblick auf die von den Göttern gesandten Träume der Antike folgt ein Raum, der zeigt, wie Dichter in privaten Traumtagebüchern der Träume habhaft zu werden oder sie mit geeigneten Stimulanzien anzureizen versuchen. Der träumende Held schliesslich führt zurück an die Quelle des Traumes: den Wunsch.

Öffnungszeiten: Dienstag - Freitag: 12-18 Uhr, Samstag - Sonntag: 10-18 Uhr, Montag geschlossen

Ein Traum, was sonst?
Die Literatur und die Träume
16. Juni bis 5. September 2010
Museum Strauhof Literaturausstellungen
Augustinergasse 9
8001 Zürich
Telefon 044 412 31 39
www.strauhof.ch

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