Samstag, 6. November 2010

Chinesische Befindlichkeiten

Comic: Benjamin, Where shall we go?, 2006; Quelle: Cartoonmuseum Basel

Basel.- In Zusammenarbeit mit dem Nationalmuseum in Peking (NAMOC) zeigt das Cartoonmuseum Basel erstmals in der Schweiz in grösserem Umfang aktuelle chinesische Comic-Kunst und ihre wichtigsten historischen Vorbilder. «Wortbilder» macht Station bei den bedeutendsten Künstlern und Künstlerkollektiven und zeichnet den Weg des chinesischen Comics von einem Medium für die Massen zum Begleiter der neu entstehenden Jugendkulturen nach. Meisterhafte Tuschezeichnungen, Schabkartonarbeiten, Aquarelle, Acrylbilder und Holzschnitte treffen auf am Computer gezeichnete oder animierte aktuelle Comic-Kunst.

Es gibt wohl kaum ein Land, in dem Gegensätze, Entwicklungsstufen und der Umbruch zwischen unterschiedlichen Systemen derart intensiv und rasant erlebt - gelebt - werden wie in China. Entwicklungen, die im Westen Jahrhunderte dauerten, scheinen das Land der Mitte regelrecht zu überrollen: Tradition, Moderne und Postmoderne; Kapitalismus, Kommunismus und Postkommunismus; Subkultur, Kulturindustrie und Propaganda existieren nebeneinander und machen klare Grenzziehungen unmöglich. China presst 200 Jahre Postindustrialisierung in wenige Jahrzehnte. Der Blick auf Tradiertes, Gewohntes verschiebt sich und erschüttert das Korsett allgemeingültiger Konventionen und Gewissheiten. Aus dieser Umbruchsituation resultiert eine Vielfalt künstlerischen Schaffens, die mit Traditionen und kommunistisch-kapitalistischen Realität(en) spielt.

Die ersten zwei Teile der Ausstellung präsentieren die Entwicklung der stilistisch einheitlichen lianhuanhua (Kettenbilder): günstige, schwarzweisse Querhefte von hoher grafischer Qualität. Millionenfach gedruckt und bis in die hintersten Winkel der Volksrepublik China gelesen, wurden diese Bildgeschichten, die auch die grossen Klassiker der chinesischen Literatur interpretierten, ab den 1950er Jahren Bestandteil der Politikvermittlung und innergesellschaftlichen Diskussion.

Der dritte Teil der Ausstellung widmet sich den heute hauptsächlich gelesenen manhua, deren Themen- und Stilmix in den 1990er Jahren den sozialistischen Einheitslook abgelöst hat. Sie sind der farbige Ausdruck einer im Wandel begriffenen, ökonomisch und kulturell immer weiter auseinanderdriftenden Gesellschaft der Gegensätze.

Die Ausstellung findet im Rahmen des Festivals CULTURESCAPES China statt. Als Projektionsfläche versucht CULTURESCAPES den Wandel in China in seiner 8. Ausgabe einzufangen. In der Ausstellung ‹Rising East› spielen junge Architekten mit eigenen Ausdrucksformen. Ihre Arbeiten reflektieren den zunehmenden Einfluss von Lifestyle und Multimediaformaten auf die Architektur chinesischer Städte. Das 2005 von Regisseur Wu Wenguang initiierte Video- und Fotoprojekt ‹Villager Documentary Project› begann im Rahmen eines von der EU finanzierten Trainingsprogramms für Kommunalpolitik und dörfliche Organisation. Zehn Männer und Frauen, die noch nie eine DVD-Kamera benutzt hatten, hielten ihr Leben auf dem Lande, die Veränderung ihrer Umgebung und die demokratische Entwicklung in ihren Dörfern fest. Das Projekt wurde zum Selbstläufer und gab den Filmemachern ein Werkzeug in die Hand, mit dem sie ihre eigenen Geschichten festhalten und interpretieren können. CULTURESCAPES präsentiert diese Arbeiten in Basel, Bern, Zürich und Genf.

CULTURESCAPES läuft noch bis 7. Dezember, es beinhaltet die unterschiedlichen Projekte aus den Bereichen Weltmusik, Jazz, Theater, Performance, Literatur, Film und Bildender Kunst.

Öffnungszeiten: Di–Fr 14–18 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr

Wortbilder. Comics aus China
6.11.2010 – 13.3.2011
Cartoonmuseum Basel
St. Alban–Vorstadt 28
CH–4052 Basel
Fon +41 (0)61 226 33 60
Fax +41 (0)61 226 33 61
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www.cartoonmuseum.ch

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