Donnerstag, 9. Dezember 2010

«Metamorphose I (Beuys/Hase)»


Markus Raetz, Metamorphose I (Beuys/Hase), 1990/91. Eisen, 37 x 27 x 13 cm, Edition 4/6. Kunsthaus Zürich; © 2010 ProLitteris, Zürich

Zürich.- In der Reihe «Bilderwahl!» zeigt das Kunsthaus Zürich bis 27. Februar 2011 die Ausstellung «Metamorphose... heute!». Die Plastik des Schweizer Künstlers Markus Raetz «Metamorphose I (Beuys/Hase)» ist Ausgangs- und Referenzpunkt für neue Arbeiten einer jungen Generation, darunter Tobias Spichtig, Com&Com, David Renggli, Kilian Rüthemann, Lutz/Guggisberg und Michael Günzburger. Sie verwandeln die Sammlung des Kunsthauses in eine lustvolle Wahrnehmungslandschaft.

Die «Bilderwahl» feiert ihr 10-jähriges Bestehen. Seit 2001 bestimmen die Mitglieder der Zürcher Kunstgesellschaft aus einer Vorauswahl von Werken, die jeweils im Kunsthaus-Magazin vorgestellt werden, welcher Arbeit der Kunsthaus-Sammlung eine Ausstellung zu Teil wird. Für 2010 wurde die Eisenplastik «Metamorphose I (Beuys/Hase)» (1990/91) von Markus Raetz (1941) zum Favoriten erkoren. Die Plastik gibt je nach Blickwinkel das Profil des Aktionskünstlers, Bildhauers und Zeichners Joseph Beuys (1921–1986) oder die Umrisse eines Hasen preis – eine Anspielung auf das mit viel Symbolik aufgeladene Tier und die Beuyssche Aktion 1965 in Düsseldorf, als er einem toten Hasen Bilder erklärte. Das kleinformatige Werk mit grosser Wirkkraft ist nicht nur Hommage an einen der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, sondern ebenso Ausdruck der Forschungsarbeit von Markus Raetz, dessen Kunst darin besteht, Wahrnehmungsfallen auf poetische Art und Weise sichtbar zu machen.

Raetz‘ Plastik steht im Zentrum der Ausstellung und ist zugleich Referenzpunkt für Werke zeitgenössischer Schweizer Kunstschaffender, welche die Idee der Verwandlung im Sinne einer doppelten Hommage – an Beuys und Raetz – weiter entfalten: So bei Tobias Spichtig, der virtuos mit Versatzstücken bekannter Bildmaterialien aus der Kulturgeschichte umgeht. Neben Spichtig hat Gastkuratorin Jeannette Weiss aktuelle Werke weiterer Künstlerinnen und Künstler ausgewählt: David Renggli wird mit der Skulptur «For what would you Believe Something you don't Believe» (2006) vertreten sein und Lutz/Guggisberg spielen mit den Sehgewohnheiten des Betrachters, indem sie einfach zugänglichem Gebrauchsmaterial eine neue, überraschend starke Ausdruckskraft verleihen. Das Künstlerduo Com&Com ist mit den soeben fertig gestellten Plastiken «Ender» präsent. Diese Keramiken, die nach geschnitzten Ästen von Hand nachgeformt wurden, repräsentieren eine Verwandlung im doppelten Sinne: durch die Bearbeitung eines vorgefundenen Materials aus der Natur und seiner Mimesis.

Kilian Rüthemann wird durch subtile Eingriffe den Ausstellungsraum im Kunsthaus transformieren und Michael Günzburger rückt den Hasen, den Ausgangspunkt der Ausstellung, in seiner eigens für diesen Anlass geschaffenen Lithografie-Serie wieder ins Zentrum.

Mit der andauernden Prüfung der Wahrnehmung und Wirklichkeit folgt eine junge Künstlergeneration den Ideen von Markus Raetz. Dieser konnte 1968 an der documenta IV in Kassel ausstellen, wo hauptsächlich Werke der Pop- und Op-Art gezeigt wurden und gehörte einer Bewegung an, die in Harald Szeemanns Ausstellung «When Attitudes Become Form» 1969 im Kunstmuseum Bern eine bis heute vielbeachtete gemeinsame Plattform fand. Sie entmystifiziert das Bild, das seit Futurismus und Suprematismus immer auch Projektionsfläche für Gesellschaftsutopien war, durch Abkehr vom gedanklichen Überbau und die Wahl «kunstunwürdiger» Materialien. In den 1970er Jahren verzweigen sich diese Ansätze, für die Raetz stellvertretend steht: Wahrnehmungs- und Bilderspiel, konstante Veränderung, Standpunktverschiebung und gegenseitige Bedingung erheben das Relative zum Prinzip. Sie sind Ausdruck einer fortschreitend egalitären und individualistischen Kultur.

Die Präsentation in den Räumen für zeitgenössische Kunst richtet sich an ein Publikum mit Lust am Sehen und Freude an Bewegung. Wer diese mitbringt, bei dem setzt die Bilderwahl der Metamorphosen einiges in Gang.

Metamorphose... heute!
bis 27. Februar 2011

Kunsthaus Zürich
Heimplatz 1
CH -8001 Zürich
T: 0041 (0)44 25384-84
info@kunsthaus.ch
http://www.kunsthaus.ch

Öffnungszeiten: Sa/So/Di 10 – 18 Uhr, Mi bis Fr 10 – 20 Uhr, Montag geschlossen

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