Dienstag, 15. Februar 2011

Acanthes, Phase zwei

In der Fondation Beyeler in Riehen wird Matisse restauriert: Acanthes, 1953, Kohle, ausgeschnittene Papiere, mit Gouache bemalt, auf Papier auf Leinwand, 311 x 350,5 cm, Fondation Beyeler, Riehen / Basel, © 2011 Succession Henri Matisse / ProLitteris, Zürich. Fotoquelle: Fondation

Riehen.- Die Fondation Beyeler arbeitet mit Unterstützung von Nationale Suisse an einem umfangreichen, auf die Dauer von drei Jahren angelegten Restaurierungsprojekt (bis 2012). Ziel ist die wissenschaftliche Erforschung, Konservierung und Restaurierung von Henri Matisse’ Acanthes (1953, 311 x 350,5 cm) einem Hauptwerk aus der Serie seiner grossformatigen »Papiers découpés«. Das Konservierungskonzept für Acanthes baut auf den Ergebnissen der Voruntersuchungen des ersten Projektjahres auf. Eine grosse Herausforderung ist der komplexe, mehrschichtige Bildaufbau, den es zu stabilisieren gilt, aber auch das Rätsel der verschiedenen Schritte des Entstehungsprozesses. Das im Frühling 2010 im Souterrain der Fondation Beyeler eröffnete und einsehbare Restaurierungsatelier stösst bei den Besuchern inzwischen auf reges Interesse.

Im ersten Projektjahr führten die Restauratoren der Fondation Beyeler, Markus Gross und Stephan Lohrengel, umfangreiche technologische Untersuchungen des Werks Acanthes von Henri Matisse durch.Alle Beobachtungen wurden mit einem Bildbearbeitungsprogramm und einer speziellen Software aufgezeichnet. Das Programm gestattet es, beispielsweise Risse, Knicke und Verfärbungen sowie unzählige technologische Details wie Wasserzeichen, den Pinselduktus und Befestigungsspuren in ein grafisches Dokument einzuzeichnen.

Die Analyse der von Matisse verwendeten Materialien stellt einen weiteren wichtigen Punkt dar. Die Untersuchungsergebnisse sollen detailliertere Antworten auf Fragen der Alterungseigenschaften und der Werkgenese geben. Erste Klebstoff- und Farbmittelproben wurden analysiert. Die Sichtung und die Auswertung von Literatur und Archivmaterial sowie des umfänglichen historischen Bildmaterials sind ebenfalls Gegenstand des Projekts. Bildquellen finden sich in Ausstellungskatalogen und Archiven, aber auch in Boulevardzeitschriften. Von besonderem Interesse sind dabei Abbildungen, die Matisse bei der Arbeit zeigen und die die Werke in ihrem Zustand im Atelier vor der Montierung dokumentieren.

Sehr wichtig ist der Austausch mit den Archives Matisse in Paris, der 2010 intensiviert wurde. Das Archiv beherbergt grosse Teile des schriftlichen Nachlasses sowie umfang-reiche, teils noch nicht ausgewertete fotografische und schriftliche Dokumente.

Der Austausch mit Experten anderer nationaler und internationaler Sammlungen, die ebenfalls Papiers découpés besitzen, war im ersten Projektjahr von besonders grosser Bedeutung. Die Kriterien dafür, welche Vergleichswerke in die Untersuchungen einbezogen wurden, waren die Vergleichbarkeit hinsichtlich Grösse und Bildaufbau, ein weiss bemalter Hintergrund und die gleiche Entstehungszeit wie bei Acanthes.

Neben dem Kunstmuseum Basel, dem Museum Ludwig in Köln und dem Museum Berggruen in Berlin wurden weitere wichtige Sammlungen wie das Musée Matisse in Nizza, das Musée National d’Art Moderne in Paris, das Stedelijk Museum in Amsterdam, die Tate Modern in London sowie in den USA das Museum of Modern Art und das Metropolitan Museum of Art in New York sowie die Menil Collection in Houston besucht.

Die Restauratoren Stephan Lohrengel und Markus Gross betrachteten über 30 Vergleichswerke im Original. Dabei entstanden vielfältige und intensive interdisziplinäre Kontakte, die zahlreiche nicht publizierte Informationen und Hinweise zugänglich machten. Durch Besuche der Kapelle in Vence, die Matisse entworfen hat, und seiner Wohnorte in Nizza konnten die Entstehungs- und Wirkungszusammenhänge der Werke ergründet werden.

Der Entstehungsprozess von Acanthes gliedert sich in mehrere Schritte. Die Frage, welche dieser Schritte in Matisse‘ Atelier in Nizza und welche Arbeiten anlässlich der Montierung des fertigen Werks in Paris nach Anweisung des Künstlers durchgeführt wurden, kann nun präziser beantwortet werden. Die Hauptschritte sind das Bemalen der Papiere mit Gouachefarben, das Schneiden der Formen und ihr Arrangieren an der Atelierwand sowie die Montierung des Werks auf Leinwand.

Bei der Analyse der Klebstoffe zwischen den einzelnen Lagen der vier Papiers découpés der Sammlung Beyeler zeigten sich unerwartete Resultate. Entgegen publizierten Angaben unterscheiden sich die verwendeten Klebstoffe, mit denen die Papiere aufgeklebt wurden. Weitere Untersuchungen sind diesbezüglich geplant.


Im zweiten Projektjahr werden die vielfältigen Informationen weiter ausgewertet. Offenen Fragen, wie beispielsweise derjenigen nach dem Zeitpunkt der Montierung der Werke auf Leinwand, wird vertieft nachgegangen werden. Durch die Befragung von Zeitzeugen erhofft sich das Projektteam weitere wertvolle Hinweise zur Arbeitsweise von Matisse. Der gesamte Entstehungsprozess vom Bemalen der Papiere bis zur Montierung auf der Leinwand wird anhand eines Modells nachgestellt werden.

Ein besonderes Augenmerk innerhalb des Konservierungskonzepts liegt auf den Erhaltungszuständen der Vergleichswerke, die sich teils erheblich voneinander unterscheiden. Dies ist auf die jeweilige Geschichte, die Präsentationsform und auf Restaurierungen zurückzuführen. Die Erfahrungen der entsprechenden Sammlungen fliessen hier ebenfalls ein.

Die eigens konzipierte Webseite informiert über den laufenden Fortgang des Projekts und dessen Hintergründe anhand aktueller Berichte, Interviews, Fotos und Filmdokumentationen: http://acanthes.fondationbeyeler.ch.

Fondation
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CH-4125 Riehen / Basel
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www.fondationbeyeler.ch

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