Freitag, 22. April 2011

Ein weites Feld

Little Planetary Harmony, 2006. Verschiedene Materialien, 353 x 66,5 x 365,7 cm; Courtesy Galerie Francesca Pia, Zürich, Galerie Barbara Weiss, Berlin und Timothy Taylor Gallery, London
Aarau.- Das Aargauer Kunsthaus in Aarau präsentiert vom 14. Mai bis 31. Juli 2011 eine grosse Einzelschau der Schweizer Künstlerin Mai-Thu Perret. Sie beeinhaltet Skulptur, Installation, Malerei, Video, Performance und Textarbeiten und ist die bisher umfassendste Präsentation der international bekannten Künstlerin. Mai-Thu Perret (*1976) hat in den letzten Jahren mit ihrem ambitionierten und multidisziplinären künstlerischen Schaffen in Europa und den USA viel Aufmerksamkeit erhalten.

Ihrem Werk, das Skulptur, Installation, Malerei, Video, Performance und Textarbeiten beeinhaltet, liegt ein breites kultur- und kunsthistorisches Referenzsystem zugrunde. Dabei interessiert sich die in Genf lebende Künstlerin insbesondere für Avantgardebewegungen des 20. Jahrhundert und utopische Lebensentwürfe. Das Aargauer Kunsthaus zeigt mit der Einzelausstellung «The Adding Machine» den vielfältigen Ansatz von Mai-Thu Perrets Schaffen auf. Präsentiert werden zahlreiche Werke, die explizit für die aktuelle Schau entstanden sind, wie auch einige ältere Arbeiten. Das Anliegen der Künstlerin, dass die Werke der Ausstellung in Verbindung zueinander und nicht isoliert wahrgenommen werden, ist bereits im Ausstellungstitel angelegt. The «Adding Machine» ist eine Referenz an William S. Burroughs «cut-up»-Technik. Der amerikanische Schriftsteller zerschnitt seine Manuskriptseiten, um sie dann, dem Zufallsprinzip folgend, nach Belieben neu anzuordnen. Daraus resultiert eine assoziative Erzählstruktur wie sie auch der Ausstellung Mai-Thu Perrets zugrunde liegt: In ihrer Kombination erschliessen sich zwischen den einzelnen Werken neue Querbezüge und Bedeutungen.

In der Ausstellung im Aargauer Kunsthaus nimmt die neue Videoinstallation «Space-Time Rhythm Modulation – The Most Difficult Love» (2010) eine Schlüsselposition ein. In dieser vielschichtigen Arbeit, bestehend aus einem raumgreifenden skulpturalen Element, auf das im Wechsel drei Filme projiziert werden, verwebt Mai-Thu Perret literarische, historische und autobiographische Bezüge miteinander. Sie versteht diese neue Filminstallation als historischen Vorläufer zu ihrer Erzählung «The Crystal Frontier», einer fiktiven Geschichte über eine Frauenkommune, die in der Wüste von New Mexiko lebt, um sich kapitalistischen und patriarchalen Gesellschaftsstrukturen zu entziehen. Die in einem ständigen Wandel begriffene Utopie «The Crystal Frontier» fungiert massgeblich als Ausgangspunkt für Mai-Thu Perrets künstlerisches Schaffen. Sie präsentiert diese Fiktion in Form unterschiedlicher Textfragmente. Die bislang umfangreichste Sammlung dieser Texte hat Mai-Thu Perret im Künstlerbuch «Land of Crystal» (2008) vereint.

Weitere wichtige Werke in der Ausstellung sind «Planetary Harmony» (2006), eine begehbare Skulptur in Form einer überdimensionierten Teekanne, die zugleich als Bildergalerie fungiert, oder die Installation «A Uniform Sampler» (2003). Diese grossformatigen, installativen Arbeiten werden kombiniert mit einer neuen Serie Keramikreliefs sowie kleinformatigen Acrylgemälden, Objekten und Text- und Teppicharbeiten. Exklusiv für das Aargauer Kunsthaus konzipiert Mai-Thu Perret vier Neonarbeiten, die sich formal aufeinander beziehen und in den Kabinetträumen des Museums in ihrer Einzigartigkeit zur Geltung kommen. Die Künstlerin kreiert zudem für Aarau eine Wandtapete. Für das Tapetendesign hat sie sich von den hochkarätigen Beständen konkreter Kunst aus der Sammlung inspirieren lassen. Ein weiterer Höhepunkt in der Ausstellung wird der neue Film «In Darkness Let Me Dwell» sein, für den sie im September 2010 mit dem Grand Prix der Jury des IDHEAP, Lausanne ausgezeichnet wurde. Das an eine surrealistische Träumerei erinnernde Video hat eine symbolische Dimension mit unverkennbaren Referenzen an Luis Buñuel und Salvador Dalí.

Mai-Thu Perret (*1976, Genf) lebt und arbeitet in Genf. Nach dem Literaturstudium an der Cambridge University (UK)hat sie das Whitney Independent Study Program in New York absolviert. Sie war unter anderem in folgenden Institutionen mit einer Einzelausstellung vertreten: University of Michigan Museum of Art, Ann Arbor (2010-11); Aspen Art Museum, Aspen (2009); San Francisco Museum of Modern Art, San Francisco (2008-09); Kunsthalle St. Gallen (2008); sowie Bonnefantenmuseum, Maastricht (2007), und hat an zahlreichen Gruppenausstellungen im In- und Ausland partizipiert, beispielsweise im Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich (2010); Haus der Kunst, München (2010); Malmö Konsthall, Malmö (2010); Contemporary Art Center, Vilnus (2009); Kunsthaus Zürich, Zürich (2008); Centre Culturel Suisse, Paris (2007); Palais de Tokyo, Paris (2007); MAMCO, Genf (2007); Calouste Gulbenkian Foundation, Lissabon (2007); P.S.1, New York (2006); oder im Zendai Museum of Modern Art, Shanghai (2006). Die Künstlerin wurde zudem kürzlich mit dem Zurich Art Prize und dem Manor Kunstpreis Genf ausgezeichnet.

Katalog: Zur Ausstellung erscheint eine umfassende, reich bebilderte Monografie in Zusammenarbeit mit dem Magasin – Centre National d'Art Contemporain und dem Kunstverlag jrp|Ringier. Es handelt sich dabei um die erste vertiefende Fachpublikation zur Genfer Künstlerin, die eine ideale Ergänzung zum Künstlerbuch «Land of Crystal» darstellt.

Öffnungszeiten: Di bis So 10 - 17 Uhr, Donnerstag 10 - 20 Uhr, Montag geschlossen

Mai-Thu Perret - The Adding Machine
14. Mai bis 31. Juli 2011
Vernissage: Fr 13. Mai 11, 18 Uhr
Aargauer Kunsthaus
Aargauerplatz
CH - 5001 Aarau
0041 (0)62 83523-30
www.aargauerkunsthaus.ch

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