Freitag, 27. Januar 2012

In herzlicher Schweigsamkeit


Jean Tinguely, 1990; © 2011, ProLitteris, Zurich
Basel.- Vera Islers Porträts der «Face to Face»-Serie zeichnen sich durch Direktheit und Natürlichkeit aus. Es sind, wie die Künstlerin betont, «Porträts für mich allein», die ohne Assistenz, ohne Kunstlicht und entsprechend ohne Ablenkung entstanden sind. Sie dokumentieren ihre Begegnungen mit Künstlern und Künstlerinnen, die in «herzlicher Schweigsamkeit» stets sehr persönliche Befindlichkeiten festhalten. Sie zwingen die Porträtierten, aber auch den Betrachter zu Ruhe und Aufmerksamkeit. Im Museum Tinguely sind ab dem 1. Februar die großformatigen Photographien der zweiten «Face to Face»-Serie zu sehen.

Die Schweizer Künstlerin Vera Isler (geb. 1931) publizierte ihre Künstlerporträts erstmals 1992 unter dem Titel «Face to Face». Seither entstanden zahlreiche weitere Porträts von Stars der internationalen Kunstszene, sodass sich das Museum Tinguely Basel und das Museum der Moderne Salzburg entschlossen, diesen zweiten Teil ihrer Fotografien als «Face to Face II» zu produzieren, als Ausstellung zu präsentieren und in einem Buch zusammenzufassen.

Vera Islers Porträtfotos unterscheiden sich von anderen Künstlerfotografien durch ihre Direktheit. Sie fotografiert nicht im Studio, ohne aufwändige Gerätschaften, Blitz oder Assistenten – sie geht zu den Künstlern, trifft sie im Atelier, spricht sie bei Ausstellungen an und hält so unverwechselbare, persönliche Momente und Begegnungen fest, jenseits von grosser Pose oder inszenierter Attitüde. Sie macht davon (annähernd) lebensgrosse Prints, ausschliesslich in Schwarz/Weiss. Fotografin und Künstler, dargestellte Person und Betrachter treffen sich auf Augenhöhe. In den Ausstellungen legt sie Wert auf eine dicht gereihte Anordnung ihrer Porträtfotos, sodass dem Besucher die abgebildeten Personen gleichsam «begegnen» können.

Bevor sie zur Fotografie fand, war Vera Isler in vielen Medien und verschiedenen Techniken tätig. Sie hatte sich mit Schnittpunkten zwischen Naturwissenschaften und Kunst befasst und im Bereich der plastischen Gestaltung gearbeitet. In den siebziger Jahren beschäftigte sich Vera Isler mit «Programmierungen», die sie aus Abfallmaterial medizinischer Verpackungen schuf, und später visualisierte sie DNA in ihrer Serie «Genetik». Entstanden sind Bilder und Skulpturen, in denen sich die Künstlerin pionierhaft mit heute hochaktuellen Themen auseinandersetzt.

Mit Fotostrecken über die US-amerikanische Schwulenszene und über die Jugendbewegung der frühen achtziger Jahre, deren AJZ (Autonomes Jugendzentrum) sie ein Buch mit dem Titel «Kunst der Verweigerung» widmete, kam sie ab 1980 zur Fotografie. Später interessierte sie sich für alte Menschen, bis dann ab 1992 die Beschäftigung mit Porträts von Fotografen und Künstlern im Zentrum stand. In den letzten zehn Jahren wurden die medialen Möglichkeiten in Richtung Video und Filmstills erweitert – das Experiment ist nach wie vor Triebfeder der künstlerischen Forschungen von Vera Isler.

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Museum der Moderne Salzburg.

Zur Ausstellung erscheint der Katalog «Face to Face II» im Verlag Bibliothek der Provinz (96 Seiten; 52 Abbildungen; CHF 22) mit einem Vorwort von Toni Stooss, Roland Wetzel und Andres Pardey sowie Texten von Jean-Christophe Ammann und Margit Zuckriegl.

Öffnungszeiten: Di bis So 11 – 18 Uhr, Montag geschlossen,


Vera Isler – Face to Face II
1. Februar bis 6. Mai 2012
Museum Tinguely
Paul Sacher-Anlage 1
CH - 4002 Basel
0041 (0)61 68193-20
infos@tinguely.ch
http://www.tinguely.ch

Weiterführende Links:
http://www.veraislerleiner.com

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