Dienstag, 17. Januar 2012

Kunsthalle 2012: Rückkehr in den Löwenbräu-Kunstkomplex

Seit 1996 ist die Kunsthalle Zürich Herz und Zentrum des Löwenbräu-Kunstkomplexes, in enger Nachbarschaft mit dem migros museum für gegenwartskunst, der Daros Collection und international tätigen Galerien. Mitte 2012 geht es zurück in die renovierten Räume. Quelle: Kunsthalle http://www.kunsthallezurich.ch/_erw_bau_khzh/_die_kunsthalle.html
Zürich.- Yüksel Arslan «Artures» (28. Januar – 9. April / Eröffnung: 27. Januar 2012), Frances Stark (21. April – 17. Juni / Eröffnung: 20. April) sowie Wolfgang Tillmans (1. September – 4. November / Eröffnung: 31. August) und Helen Marten (1. September – 4. November  / Eröffnung: 31. August) mit diesen Künstlern beschäftigen sich die Ausstellungen der Zürcher Kunsthalle in diesem Jahr. Den Abschluss und gleichzeitig die Überleitung ins Jahr 2012 bildet Sturtevant «Image over Image» (17. November – 20. Januar 2013 / Eröffnung: 16. November). Diese Ausstellung ist ein Projekt des Moderna Museet Stockholm (17. März 2012 – 27. Mai)in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Zürich. Kuratoren sind Fredrik Liew und Beatrix Ruf.

Die Bilanz der Kunsthalle für 2011 und die Vorschau klingen hoffnungsvoll: "Wir sind glücklich, dass wir in diesem Jahr in unseren temporären und aussergewöhnlichen Räumen im Museum Bärengasse mit Heimo Zobernig, Dominique Gonzalez-Foerster, Tristan Bera, Bruce Conner, Lucy McKenzie, Walid Raad, Kerstin Brätsch und Adele Roeder aufregende und inspirierende Momente mit Ausstellungen und Veranstaltungen erleben konnten. Parallel dazu haben wir nicht minder intensiv die Realisierung der Bauten und die Finanzierungen unseres in Zukunft permanenten Standorts im Löwenbräu-Kunstareal vorangetrieben.

Yüksel Arslan (geboren 1933 in Istanbul, lebt und arbeitet in Paris) und Frances Stark (geboren 1967 in New Port Beach, lebt und arbeitet in Los Angeles) werden die letzten beiden Ausstellungen im temporären Zuhause im Museum Bärengasse bestreiten, bevor die Kunsthalle im Juni mit einem besonderen Programm der Eröffnungen und Events in die renovierten und erweiterten Räumlichkeiten im Löwenbräu-Kunstkomplex zurückkehrt. Den lang ersehnten Ausstellungsauftakt machen dort Ende August der Wolfgang Tillmans, der bereits 1995 mit einer Einzelausstellung in der Kunsthalle vertreten war, und parallel die junge britische Künstlerin Helen Marten. Im November folgt eine Übersichtsausstellung der grossen Dame der Konzeptkunst Sturtevant, die bereits in den 1960er Jahren die Appropriationskunst der 1980er Jahre vorwegnahm. Sturtevant wurde an der letzten Biennale mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Der türkische Künstler Yüksel Arslan (geboren 1933, lebt und arbeitet in Paris) blieb bis vor kurzem einem breiteren Publikum unbekannt. 1962 verliess der damals in Istanbul lebende Arslan seine Heimat und liess sich in Paris nieder, wo er in seiner Wohnung ein bildnerisches Werk in und aus der Rezeption kultureller, soziologischer, philosophischer und künstlerischer Schriften generiert. Mit der Ausstellung in der Kunsthalle Zürich wird erstmals eine Werkauswahl von über 200 Papierarbeiten seit 1959 ausserhalb der Türkei präsentiert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den sogenannten Artures, Malereien auf Papier, die in einer einzigartigen Technik mit speziellen Farben angefertigt sind und sich thematisch mit dem Verhältnis von Denken und Mystik, von Mythos, Wissenschaft, Musik, Literatur und bildender Kunst auseinandersetzen. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit von Beatrix Ruf und Oliver Zybok und wird im Anschluss in der Kunsthalle Düsseldorf (April bis Juni 2012) zu sehen sein.

Mit einer Einzelausstellung der in Los Angeles lebenden Künstlerin Frances Stark (geboren 1967 in Newport Beach, California) beendet die Kunsthalle Zürich ihre temporäre Ausstellungstätigkeit im Museum Bärengasse. In Starks künstlerischer Praxis – sie umfasst Zeichnungen, Collagen, Installationen, Videos und Performances – spielt der Bereich der bildenden Kunst ebenso eine Rolle wie der des Schreibens: Wörter, grafische Elemente, Zeichnungen und autobiografische Verweise treffen auf literarische oder visuelle Vorlagen, die aus der klassischen Kunst und aus zeitgenössischen wie auch subkulturellen Genres entstammen können. Es entsteht ein komplexes System von Text- und Bildreferenzen. Starks Werk greift dabei sowohl die Bedingungen des eigenen kreativen Schaffens als Künstlerin und Autorin auf als auch die integrale Banalität des Alltäglichen.

Die erste Ausstellung in den neuen und renovierten Räumlichkeiten der Kunsthalle Zürich im Löwenbräu-Areal widmet sich dem Wiedersehen mit Wolfgang Tillmans, einem Künstler, der 1995 seine erste institutionelle Ausstellung überhaupt in der Kunsthalle Zürich präsentierte und mit dieser eine internationale Karriere startete. Der mit Fotografie und Video arbeitende Künstler ist einer der wichtigsten Vertreter der Kunst der 1990er Jahre und hat mit seinen Fotografien Ikonen einer Generation geschaffen. Sein Werk kreist um das Leben und die Anliegen seiner Generation und umfasst Porträts von Freunden und Menschen aus der Londoner und internationalen Club-, Mode und Schwulenszene ebenso wie er einen engagierten und persönlichen Blick auf das soziale wie politische Weltgeschehen dieser Generation zulässt. In der Eröffnungsausstellung im neuen Löwenbräu präsentiert Wolfgang Tillmans (geboren 1968 in Remscheid, lebt und arbeitet in London und Berlin) nun eine grossangelegte Schau, die dem ungesehenen Werk und dem Experiment mit neuesten Arbeiten und experimentellen Präsentationsformen Raum gibt.

Die zweite Eröffnungsausstellung der Kunsthalle Zürich im neuen Löwenbräu-Areal präsentiert die erste institutionelle Einzelausstellung der britischen Künstlerin Helen Marten (geboren 1985 in Macclesfield, England, lebt und arbeitet in London). Sie gehört zu einer Generation von Künstlerinnen und Künstlern, für die das Internet nicht mehr nur mediales Gegenüber, sondern ein der physischen Realität ebenbürtiges Lebensumfeld ist. Sie benutzt für ihre Arbeiten, die dem realen Physischen und der Handwerklichkeit eine zentrale Bedeutung zumessen, Alltagsmaterialien aus dem „Warenhaus“ der Gegenwart – so. z.B. Metall, Pressspanholz, Türgriffe, Wasserflaschen, Lehm oder Handys –, die sie dann in ihrem Werk spielerisch zur Neuerfindung einer Syntax des Realen einsetzt. In ihren Installationen, Videos, Skulpturen und Objekten hantiert die Künstlerin selbstsicher mit Realitätscodes, Sprachen, ikonischen Bildern und Symbolen und referiert leichtfüssig auf die Kunstgeschichte, die Architektur, auf Design, die Populärkultur und die digitalen Erscheinungen. Sie entwickelt auf diese Weise ein Vokabular, mit dem sie auf humoristische Weise das Referenzsystem der Kunst und gleichzeitig die alles verändernde Codierungen des Visuellen umschreibt.

Seit ihrem Debüt in New York 1965 insistiert Sturtevant auf der Macht des Denkens und betreibt Recherchen über den Unterbau der Kunst. Ihre legendären Wiederholungen der Arbeit anderer Künstler stellen eine Pionierleistung dar, weil sie Begriffe wie Originalität, Authentizität und bestehende Konventionen rund um die Urheberschaft hinterfragen. Tatsächlich fielen Sturtevants erste künstlerische Äusserungen genau in die Zeit, als Barthes, Foucault und Deleuze ihre bedeutendsten Essays und Vorlesungen zur selben Thematik veröffentlichten.

In den letzten Jahren hat Sturtevant ihre Praxis erweitert, indem sie Bilder aus den Massenmedien und eigenes Filmmaterial miteinbezog. Das wirft ein neues Licht auf ihre künstlerische Laufbahn und unterstreicht, dass sie mit ihrer Kunst ein Leben lang, kontinuierlich und effektiv, eine pointierte, harsche, rebellische und intelligente Kritik an einer Gesellschaft übte, die in zunehmendem Mass auf Simulakren und der Erlebnisindustrie beruht. An der letzten Biennale in Venedig erhielt Sturtevant einen Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk. Die Ausstellung umfasst umfangreiche Werkgruppen und reicht von Sturtevants Wiederholungen von Werken eines Warhol, Duchamp, Johns und Gonzalez-Torres bis zu drei ihrer neusten grossen Videoinstallationen.

Dienstag, Mittwoch, Freitag: 12 – 18 Uhr, Donnerstag: 12 – 20 Uhr, Samstag, Sonntag sowie Feiertage: 11 – 17 Uhr

Bis Frühjahr 2012 präsentiert die Kunsthalle Zürich ihr Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm im gewohnten Rhythmus in den Räumlichkeiten des Museum Bärengasse, Bärengasse 20-22, 8001 Zürich.

Kunsthalle Zürich
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