Dienstag, 18. Juni 2013

Jubiäumssaison mit Schweiz-Schwerpunkt

Das Programm der nächsten Spielzeit des Zürcher Schauspielhauses ist online
Zürich.- Barbara Frey, Intendantin des Schauspielhauses Zürich, Chefdramaturgin Andrea Schwieter sowie Petra Fischer, die Leiterin des Jungen Schauspielhauses, haben für die nächste Saison ein spanndes Programm vorgestellt. Vor 75 Jahren, im Sommer 1938, wurde das Schauspielhaus Zürich in seiner heutigen Organisationsform gegründet. Erstmals übernahm die Stadtgemeinde selbst Verantwortung für das davor privat geführte grösste Sprechtheater der Schweiz. Dieser formale Akt war der vorläufige Schlusspunkt eines Kulturkampfes, bei dem das heute vielgerühmte, damals jedoch als „jüdisch-bolschewistisch“ verschriene Emigrantenensemble auf dem Spiel stand. Mit Vorträgen, einer Soirée und einer Podiumsdiskussion begeht das Schauspielhaus am 29. September das 75. Jubiläum der Neuen Schauspiel AG im Pfauen.

Das Ensemble umfasst in der Spielzeit 2013/14 32 Schauspielerinnen und Schauspieler. Ab der kommenden Saison nicht mehr im Ensemble sind Patrick Güldenberg, Sarah Hostettler, Yvon Jansen, Franziska Machens und Sean McDonagh. Dafür werden Hilke Altefrohne, Henrike Johanna Jörissen, Nils Kahnwald, Claudius Körber, Dagna Litzenberger Vinet, Thomas Loibl, Lena Schwarz, Johannes Sima und Marie Rosa Tietjen neu ans Schauspielhaus kommen. Im Rahmen des Schauspielstudios erhalten zudem die beiden Schauspielstudierenden Lisa-Katrina Mayer und Dimitri Stapfer in Zusammenarbeit mit der ZHdK für eine Spielzeit die Möglichkeit, praktische Bühnenerfahrung zu sammeln.

Am 12. September eröffnet Intendantin Barbara Frey die neue Spielzeit im Pfauen mit DER PROZESS nach Franz Kafka. Für Barbara Frey stellt dies die erste Auseinandersetzung als Regisseurin mit dem Werk von Franz Kafka dar.

Stefan Puchers Inszenierung von Büchners WOYZECK wird ab dem 13. September in der Schiffbauhalle zu erleben sein. Pucher kehrt damit in die Spielstätte zurück, in der er 2010 seinen umjubelten „Tod eines Handlungsreisenden“ auf die Bühne brachte, der 2011 zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde.

Den Auftakt in der Box macht am 20. September Antú Romero Nunes mit seiner PEER GYNT-Bearbeitung. Die Inszenierung ist eine Übernahme vom Schauspiel Frankfurt, wo sie 2010 Premiere hatte. Am 27. September beschliesst Regisseurin Karin Henkel, die in dieser Spielzeit die gefeierte „Elektra“ in der Schiffbauhalle inszenierte, den Eröffnungsreigen im Pfauen MIT AMPHITRYON UND SEIN DOPPELGÄNGER nach Heinrich von Kleist.

Schwerpunkt Schweiz
In der neuen Saison werden nicht wenige Figuren die Bühnen des Schauspielhauses Zürich beleben, die aus der Feder von Schweizer Schriftstellern stammen. Zum Auftakt bringt Herbert Fritsch ab dem 19. Oktober im Pfauen Friedrich Dürrenmatts Klassiker DIE PHYSIKER nach mehr als zwanzig Jahren wieder auf die Bühne des Schauspielhauses. Der tschechische Regisseur Dušan David Parízek setzt nach „Wilhelm Tell“ mit Max Frischs MEIN NAME SEI GANTENBEIN seine Beschäftigung mit der schweizerischen Identität fort – die Premiere wird am 16. Januar 2014 im Pfauen stattfinden. Ebenfalls im Pfauen begibt sich Ruedi Häusermann ab März 2014 in ROBERT WALSER auf musikalisch-literarische Spurensuche nach der feinen und hintersinnigen Subversivität im Walser’schen Kosmos. Die junge Regisseurin Daniela Löffner inszeniert ab April 2014 in der Box mit Peter Stamms preisgekröntem Roman AGNES einen zeitgenössischen Text, der seinerseits beinahe schon Klassiker geworden ist. Zum Abschluss des Schweiz-Schwerpunktes im Mai 2013 bringt Sebastian Nübling mit Friedrich Glausers MATTO REGIERT einen Roman auf die Pfauenbühne, in dem Wachtmeister Studer nicht nur in einem Kriminalfall, sondern auch in den Untiefen der menschlichen Seele ermittelt.

Weitere Premieren
Aki Kaurismäkis Film DAS LEBEN DER BOHÈME dient als Vorlage für die Inszenierung von Corinna von Rad. Die Premiere findet am 2. November im Schiffbau/Box statt. Nachdem von Regisseur Antú Romero Nunes ab September bereits die Übernahme von „Peer Gynt“ zu sehen ist, gibt es von ihm in der kommenden Spielzeit auch eine Neuinszenierung: ALICE IM WUNDERLAND nach Lewis Carroll wird am 8. November im Pfauen Premiere feiern. Auch René Pollesch bleibt dem Schauspielhaus weiter verbunden: Die Uraufführung seines Stückes mit dem Arbeitstitel HEREIN! HEREIN! ICH ATME EUCH EIN! wird im Januar 2014 in der Schiffbauhalle stattfinden. Regisseur Werner Düggelin beschäftigt sich in der kommenden Spielzeit mit Molière und inszeniert dessen Stück DER BÜRGER ALS EDELMANN. Seine vierte Arbeit während der Intendanz von Barbara Frey wird ab Februar 2014 im Pfauen zu sehen sein.

Tina Lanik, die sich 2011/12 mit „Der ideale Mann“ von Oscar Wilde/Elfriede Jelinek dem Zürcher Publikum vorstellte, inszeniert in der Box Elfriede Jelineks ÜBER TIERE. Jelinek hat ihr Stück aus dem Jahr 2007 für das Schauspielhaus um einen Zusatztext ergänzt, der im Februar 2014 zur Uraufführung kommen wird. In ihrer zweiten Inszenierung in der kommenden Spielzeit nimmt sich Intendantin Barbara Frey Carlo Goldonis DER DIENER ZWEIER HERREN an. Die berühmte Commedia dell’arte wird ab April 2014 im Pfauen zu erleben sein.

Mit Michail Lermontows EIN HELD UNSERER ZEIT wird Kateryna Sokolova, Regieassistentin am Schauspielhaus, ab Mai 2014 in der Kammer des Pfauen ihre erste eigene Inszenierung in Zürich zeigen. Zum Abschluss der Spielzeit 2013/14 entwickelt Rimini Protokoll unter dem Titel SITUATION ROOMS ein Multiplayer-Video-Stück. Darin versammeln sich 20 Menschen aus mehreren Kontinenten, deren Biographien von Waffen mitgeschrieben wurden. Die Zuschauer sitzen diesem Parcours aus unerwarteten Nachbarschaften nicht gegenüber, sondern begeben sich in Form eines „re-enactment“ in ihn hinein.

Familienstücke im Pfauen

Die ODYSSEE, das Epos der Irrfahrt und glücklichen Heimkehr des Odysseus gilt nach der „Ilias“ von Homer als das zweitälteste erhaltene Werk der Weltliteratur. In einer Bearbeitung für Kinder wird es - inszeniert von Meret Matter - ab dem 30. November im Pfauen zu erleben sein. Für die Bühnenbearbeitung am Schauspielhaus Zürich schreibt die Band „Schtärneföifi“ neue Lieder und begleitet die Aufführung live mit ihren schrägen Songtexten. TRANSIT ZÜRICH – diesem Thema stellt sich das Schauspielhaus im Frühjahr 2014 gemeinsam mit sechs jungen Regisseuren aus Europa. Die eigene Erfahrung und ihre individuellen Fragestellungen im Gepäck suchen sie gemeinsam mit dem Ensemble ihre ganz persönlichen Routen durch das Thema und die Stadt. Neben den internationalen Regiepositionen wird das Thema der Transit-Gesellschaft in Podiums- diskussionen, Produktionsgesprächen und Porträts der Regisseure vertieft.

Das junge Schauspielhaus

Jörg Menke-Peitzmeyer hat für das Junge Schauspielhaus ein Stück unter dem Motto THEATER IM KLASSENZIMMER geschrieben, das in Kooperation mit dem Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich in verschiedenen Schulklassen gezeigt werden wird. Im Juni 2014 wird in der Matchbox unter dem Arbeitstitel SEHNSUCHT ein neues Stück von Theo Fransz zur Uraufführung gelangen, das der niederländische Autor selbst inszenieren wird. Für zwei weitere Neuinszenierungen im Theater der Künste sowie der Matchbox zeigen sich die Regisseure Daniel Kuschewski und Enrico Beeler verantwortlich – Details hierzu veröffentlichen wir Anfang der kommenden Spielzeit.

Kuratiert von Enrico Beeler öffnet im Dezember auch wieder der WEIHNACHTSSALON IN DER MATCHBOX seine Türen und zeigt täglich eine Überraschung für Gross und Klein. Zudem wird auch das MEHR ALS ZUSCHAUEN-Angebot in den bekannten Gefässen in der kommenden Spielzeit weitergeführt. Diverse Gastspiele und Wiederaufnahmen (u.a. NORDOST von Torsten Buchsteiner, TITUS von Jan Sobrie, DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER von Johann Wolfgang Goethe, DU, DU & ICH von Theo Fransz, NICHTS. WAS IM LEBEN WICHTIG IST von Janne Teller und FRATELLI nach Carmelo Samonà) komplettieren das vielfältige Programm des Jungen Schauspielhauses.

Die Reihen
Die neue Reihe ZWEIFELS ZWIEGESPRÄCHE ist eine lockere Folge von Gesprächen über Kunst, Literatur und Philosophie, die der Zürcher Publizist und Übersetzer Stefan Zweifel ab Herbst 2013 am Schauspielhaus leiten wird.

Nach der „Nachtmahr-Abtei“, der „Série noire“ der „Erotischen Kammer“ und den „Fantastischen Fahrten“ bricht Werner Morlang mit seiner neuen Leserreihe LITERARISCHES KAFFEEHAUS in der Kammer des Pfauen zu einer Exkursion in abgelegene literarische Gefilde auf.

Die Kammer wird 2013/14 zum CLUB DISKRET: Bettina Meyer entwirft einen Clubraum, der Bar und Bühne in einem ist. Jede Woche donnerstags öffnen wir in der Kammer die neue Bar und die Pforten des neuen Clubs. In sechs Formaten wird über den Winter – von Oktober bis April – der neue Clubraum von Ensemble, Experten und Entertainern mit Lesungen, Hörspielen, performten Reportagen, Doku-Fictions, Stadt-Geschichten und Koch-Shows in Drehung versetzt.

Nach der erfolgreichen Serie „Heidis Alptraum. Ein assoziatives Alpenexperiment Vol. I – V“, die in der aktuellen Spielzeit in fünf wöchentlich erscheinenden Folgen und einem Schluss-Marathon gezeigt wurde, wird das Serien-Format in der Kammer des Pfauen in der neuen Spielzeit fortgeführt: Im CLUB DISKRET SPEZIAL gehen im November und März zwei neuen Serien und zwei Regieteams an den Start, die im neuen Clubraum der Kammer fünf Wochen lang immer freitags eine neue Folge ihrer Serie zur Premiere bringen.

Ursprünglich war das Gastspiel von Andres Veiels viel diskutiertem Stück DAS HIMBEERREICH für diese Spielzeit vorgesehen. Neu wird es nun jedoch in der kommenden Spielzeit am 5. und 6. Dezember im Pfauen aufgeführt werden.

DIE ABOS 2013/14 sind ab sofort an der Theaterkasse erhältlich.
Theaterkasse
Rämistrasse 34
8001 Zürich
Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag: 11 – 19 Uhr
Telefon +41 (0)44 258 77 77
www.schauspielhaus.ch

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