Dienstag, 15. Oktober 2013

Alfred Flechtheim.com

Alfred Flechtheim in der Léger-Ausstellung, 1928. Foto: Lily Baruch; © Königliche Bibliothek Kopenhagen
Zürich.- Der Galerist Alfred Flechtheim (1878–1937) gehört zu den bedeutenden Protagonisten der Kunstszene im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Sein Einsatz für den rheinischen Expressionismus, die französische Avantgarde und die deutsche Moderne sowie die Förderung von Künstlerpersönlichkeiten wie Max Beckmann, George Grosz und Paul Klee haben ihn bereits zu Lebzeiten international bekannt gemacht. Das Zürcher Museum Rietberg widmet ihm und seinem tragischen Schicksal ab 22. Oktober eine Ausstellung.

Die Herrschaft des Nationalsozialismus verändert sein Leben und das seiner Familie jedoch drastisch: Im Oktober 1933 muss Flechtheim Deutschland verlassen. Als Kunsthändler jüdischer Herkunft wird er öffentlich diffamiert, seine Galerien in Düsseldorf und Berlin werden bis 1935 liquidiert oder von früheren Partnern fortgeführt; noch vorhandenen Kunstbesitz transferiert er ins Ausland, vor allem nach London. Dort stirbt er 1937 im Alter von nur 59 Jahren an den Folgen eines Unfalls. Seine Ehefrau Betty nimmt sich 1941 angesichts ihrer bevorstehenden Deportation das Leben. Die in ihrer Berliner Wohnung verbliebenen Kunstwerke werden beschlagnahmt und gelten als verschollen.

Ziel des nun lancierten Gesamtprojektes «Alfred Flechtheim.com» ist es, die Wege der Kunstwerke in die Museen, das heisst ihre Provenienz und Handelsgeschichte vom Künstler zum Händler bis zum Sammler zu verfolgen. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf den Zeitpunkt gelegt, zu dem Alfred Flechtheim das jeweilige Werk handelte, sowie auf die Umstände, unter denen das Werk von der jeweiligen Institution erworben wurde. Die fünfzehn beteiligten Museen präsentieren deshalb in Ausstellungen und Werkpräsentationen diejenigen Kunstwerke vor Ort, welche mit Alfred Flechtheim verbunden sind – sei es, dass diese in seinem Besitz waren, er diese nur ausgestellt oder auch in seinen Zeitschriften propagiert hatte.

In der Galerie, in der Wohnung und in den Zeitschriften Querschnitt und Omnibus von Alfred Flechtheim wurden immer wieder Kunstwerke aussereuropäischer Kulturen aus Afrika, Amerika, Asien und Ozeanien gezeigt, respektive reproduziert. In seiner Wohnung stand auf dem Büchertisch eine Kultfigur aus der Südsee, auf den Bücherregalen Masken und Figuren, über dem Türrahmen weitere Schnitzereien und an der Wand hing eine Bronzemaske aus Benin. So lebte Alfred Flechtheim privat. In seinen Galerien stellte er von 1914 bis 1932 immer wieder Kunst aus dem asiatischen, afrikanischen, amerikanischen und pazifischen Raum aus. Eine sehr umfangreiche Einzelausstellung widmete er 1926 Südsee-Plastiken.

Die Präsenz der aussereuropäischen Kunst verdankt Flechtheim unter anderem Eduard von der Heydt, einem bedeutenden deutschen Sammler und Bankier, dessen Leidenschaft der aussereuropäischen Kunst galt und der ihn motivierte, diese in sein Galerieprogramm aufzunehmen. Die Ausstellung Südsee-Plastiken von 1926 mit Stationen in Berlin, Zürich, Chemnitz und Wiesbaden wurde in den damaligen einschlägigen Zeitschriften besprochen und noch Jahre später gab es Verweise darauf, so im Querschnitt, im Omnibus, im Cicerone und auch in den Cahiers d'Art.

Die Objekte hatte Eduard von der Heydt beim Ethnographica-Händler J.F.G. Umlauff in Hamburg erworben. Der Kunsthistoriker Carl Einstein hatte sie für den Katalog von Flechtheim beschrieben und wissenschaftlich erfasst, Flechtheim stellte sie aus und vermittelte sie, von der Heydt jedoch war der Eigentümer der Stücke. Er hatte sie drei Monate vor Ausstellungseröffnung – am 22. Februar 1926 – erworben. Die Objekte gingen als «Flechtheimsche Sammlung» in die Geschichte ein.

Das Museum Rietberg Zürich zeigt im Rahmen dieses Gesamtprojekts, innerhalb dessen 15 Museen über die Webseite www.alfredflechtheim.com verbunden sind, acht bedeutende Werke aus Ozeanien und Afrika, die Flechtheim damals in seinen Ausstellungen zeigte. Die Werkpräsentation findet in der permanenten Sammlung statt: in den Ozeanien-Saal (Villa Wesendonck, 2. Obergeschoss, Raum 40) wurden zu drei bestehenden fünf Kunstwerke zusätzlich integriert. Ein Handout mit Kurzbeschreibungen der Werke liefert neben informativen Bannern zusätzliche Informationen zur Geschichte der Werke und der Provenienzen.




Öffnungszeiten: Di bis So 10 – 17 Uhr, Mi und Do 10 – 20 Uhr,  Montag geschlossen

Alfred Flechtheim.com
22. Oktober 2013 bis 9. Februar 2014

Museum Rietberg
Gablerstrasse 15
CH-8002 Zürich
0041 (0)44 206 31 31
museum.rietberg@zuerich.ch
www.rietberg.ch


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