Samstag, 14. April 2007

Die Buchbesprechung: Der Fall Waldseemüller

von Roswitha Frey
Laufenburg/Freiburg.- Man schreibt den 25. April 1507: Die monumentale Weltkarte des Kartographen Martin Waldseemüller löst eine Sensation aus und erschüttert das damalige Weltbild bis in die Grundfesten. Denn Waldseemüller hat es als Erster gewagt, einen bisher unbekannten vierten Erdteil auf seiner Karte darzustellen - mit Namen America. So wurde aus dem unerschrockenen Gelehrten „der Mann, der Amerika taufte“. Diesem Mann und der abenteuerlichen Entstehungs-Geschichte seiner Weltkarte widmet die Laufenburger Autorin Petra Gabriel den historischen Roman „Der Kartograph“, der im Verlag Josef Knecht/Herder erschienen ist. Die Weltkarte von Martin Waldseemüller, einst Student der Universität Freiburg, gehört seit 2005 zum Weltdokumentenerbe der UNESCO.

Dass Waldseemüllers Karte ihren 500. Geburtstag feiert, ist für Petra Gabriel, ansonsten auch Redakteurin von www.3land.info, „ein angenehmer Nebeneffekt“. Doch Anlass für ihr Buch war dieses Jubiläum nicht. Denn die Autorin hat sich schon vor längerem mit der Figur dieses Kartographen beschäftigt, der sie „unheimlich berührt hat“. „Er muss ein Genie gewesen sein, ein Universalgelehrter, ein typischer Vertreter des Humanismus in jener Zeit der aufstrebenden Wissenschaften“, sagt Petra Gabriel, die sich längst einen Namen gemacht hat mit ihren historischen Romanen. Was sie noch gereizt hat, ist, dass man über diesen Waldseemüller, der 1474 geboren wurde und um 1519/20 starb, eigentlich nicht viel weiß und er in der Geschichtsschreibung eher ein wenig beschriebenes Blatt ist.

Sein Vater, so haben Gabriels Recherchen ergeben, war Metzger und Viehhändler, seine Familie hat sich in Freiburg niedergelassen, er selbst war an der Freiburger Universität immatrikuliert, hat in verschiedenen Fächern studiert. Sein Onkel ging als Drucker nach Basel, wo auch Waldseemüller in der Druckerei mitarbeitete. In Basel beginnt auch Petra Gabriels Roman. Weitere Stationen und Schauplätze der Geschichte sind Freiburg, Straßburg, Florenz und vor allem das Vogesenstädtchen Saint-Dié, das Anfang des 16. Jahrhunderts wohl das war, war heute Silicon-Valley für die Computergehirne ist: In Saint-Dié kamen Gelehrte aus aller Welt zusammen, um sich mit ihren Wissenschaften zu beschäftigen.

Auch Martin Waldseemüller gelangte an diesen Ort und brachte mit Unterstützung seines Freundes Matthias Ringmann seine berühmte Weltkarte heraus plus zwölf Segmente, mit denen sich Jedermann selbst einen Globus basteln konnte. Ringmann, selbst Dichter und Gelehrter, etwa 10 Jahre jünger als Waldseemüller, schrieb die Einführung dazu.

Dass Martin Waldseemüller bei seiner Arbeit extrem viel Steine in den Weg gelegt bekam und viele Schwierigkeiten und Widerstände überwinden musste, hat der Autorin Petra Gabriel imponiert. Jedenfalls nimmt es Waldseemüller in ihrem Roman mit den damals konkurrierenden Seefahrernationen und Mächten auf, unter anderem den Medici, für die das Wissen um die Handelswege und ein neu entdeckter Kontinent als „Eldorado“ Reichtum und Macht versprach. Deshalb wollte jeder der Erste sein, der diesen sagenhaften neuen Kontinent „erobert“. Und deshalb wurde alles versucht, um das Erscheinen von Waldseemüllers Karte zu verhindern.

Das ist jedenfalls Petra Gabriels These. Für sie birgt diese Geschichte eine spannende Mischung aus Verschwörung, Krimi und Abenteuerroman. Wie immer bei ihren historischen Romanen konnte die Autorin nicht widerstehen und hat eine kleine Liebesgeschichte hinein verwoben. Die Figur der Marie Grüninger, einer ehrgeizigen, verführerischen jungen Frau, die gezielt ihre weiblichen Waffen einsetzt, um nach oben zu kommen, ist die einzige erfundene Person im Roman.

Um den „Fall Waldseemüller“ und die damalige Zeit so anschaulich, detailfreudig und farbig wie möglich auszumalen, hat Petra Gabriel intensiv zwei Jahre lang recherchiert. Sie hat in Archiven in Straßburg, Basel und Karlsruhe geforscht, Berge von Seekarten angeschaut, ist eigens nach Saint-Dié gereist, das im Zweiten Weltkrieg völlig zerbombt wurde, und hat vor Ort frühere Spuren von Waldseemüller verfolgt. Auch mit der Kongressbibliothek in Washington, wo sich die Karte heute befindet, hat die Autorin Kontakt aufgenommen.

So „wie sich ein Detektiv an die Arbeit macht“, hat Petra Gabriel dann aus den bekannten Fakten „ein Puzzle“ zusammengebaut und ihre eigene Theorie um den Fall Waldseemüller entworfen. Wie konnte er um die Entdeckung Amerikas wissen, wie konnte er wissen, wo genau dieser Kontinent lag? Sicher ist auf jeden Fall, dass Waldseemüller mit seiner Karte „in ein Wespennest gestochen hat“. Denn zu seiner Zeit kursierten die verschiedensten Fälschungen und Berichte über die Reisen von Amerigo Vespucci, der die sagenhaften neuen Territorien entdeckt haben soll und dessen Vorname Pate stand für den Namen Amerika - aufgrund eines Irrtums.

Foto Petra Gabriel: Marita Höckendorff


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