Dienstag, 27. Januar 2009

Zürich: Schwarze Null

Zürich.- Das Kunsthaus Zürich zieht eine durchwachsene Bilanz fürs vergangene Jahr. Unter dem Strich kamen deutlich weniger Besucher. Das zu Jahresanfang prognostizierte negative Resultat wird durch die Auflösung von Rückstellungen zu einer schwarzen Null. Das Programm geht auch 2009 hochkarätig weiter, allerdings teigen auch die Eintrittspreise. Mit "Giacometti – Der Ägypter", "Georges Seurat", der Themenausstellung "Hot Spots" und Präsentationen zeitgenössischer Kunst von Katharina Fritsch und anderen Künstlern, bietet das Kunsthaus Zürich ein vielfältiges Ausstellungsspektrum. Nicht zuletzt deshalb blickt Walter B. Kielholz, Präsident der Zürcher Kunstgesellschaft trotz Wirtschaftskrise optimistisch in die Zukunft. Die Sponsoren halten dem Kunsthaus die Treue. Die zugesagten Drittmittel bewegen sich auf Vorjahresniveau. Für 2009 rechnen Vorstand und Direktion mit wieder anziehenden Besucherzahlen und einem geringeren Verlust.
2008 hat das Kunsthaus Zürich 214.376 Eintritte registriert – und damit rund eín Drittel weniger als im Vorjahr (309.545). Die grossen Ausstellungen "Europop", "Shifting Identities" und "Rivoluzione" blieben hinter den gesteckten Besucherzielen zurückblieben. Dafür legten die Sammlungseintritte (inkl. temporärer Präsentationen von "Edward Steichen" und "Saul Steinberg") zu. Nach erheblichen Sparanstrengungen im letzten Jahr wurde per 1. Januar 2009 eine Erhöhung der Eintrittspreise für die Sammlung von CHF 12.- auf CHF 14.- regulär (CHF 10.- reduziert) "unumgänglich". Darin enthalten ist der Zutritt zu den attraktiven, kleineren Wechselausstellungen. Der Preis für ein Kombi-Ticket – Sammlung inkl. Hauptausstellung – bleibt unverändert bei CHF 23.50 regulär (15.50 reduziert); ebenso die Jahresmitgliedschaft CHF 95.- (Einzelperson), CHF 160.- (Paar), CHF 30.- (Junior bis 25 Jahre).

Die Kunsthaus-Erweiterung tritt in die Phase der Projektierung ein. Das Siegerprojekt von David Chipperfield Architects wird auf Empfehlungen der Jury hin überarbeitet. Das Projekt und die soeben abgeschlossene Ausstellung fanden in der Öffentlichkeit ein überwiegend positives Echo.
Bild: Runa Islam, First Day of Spring, 2005, 16-mm-Film mit Ton, 7 Min., Produktionsaufnahme, Produziert von AGP/GAC Home Office Project, Courtesy Runa Islam und Jay Jopling / White Cube, London, © Runa Islam

Das Ausstellungsprogramm 2009

HOT SPOTS. RIO DE JANEIRO / MILANO – TORINO / LOS ANGELES, 1956 – 1969.
13. FEBRUAR – 3. MAI 2009
Die interessante Kunst wird nicht immer in Weltmetropolen geboren. In Rio de Janeiro entstand in den späten 1950er Jahren eine neue, geometrisch abstrakte Formensprache in Malerei, Skulptur und Design. In Mailand und Turin definier­ten Fontana, Manzoni und Künstler der Arte Povera wie Merz und Pistoletto den Begriff des Kunstwerks neu. Die Szene in Los Angeles schwankte zwischen utopischen Entwürfen und einer kritischen Untersuchung der populären Kultur. Turrell oder Irwin verfolgten, inspiriert vom Licht und von der Landschaft der Pazifikküste und der Wüste, eine Kunst des Immateriellen und der Befreiung von Körperlichkeit. Ruscha oder Bengston begannen mit den Zeichen des Körper-, Auto- und Starkults Kaliforniens zu spielen. Neben den o.g werden Clark, Oiticica, Serpa, Paolini, Baldessari, Hockney, Hopper, Kienholz und viele andere Künstlerinnen und Künstler vertreten sein.

GIACOMETTI, DER ÄGYPTER. 27. FEBRUAR – 24. MAI 2009
18 Meisterwerke aus dem Ägyptischen Museum Berlin – Büsten von Echnathon und Nofretete, der Würfelhocker des Senemuth, der "Grüne Kopf" u.a.m. – treten in einen direkten Dialog mit 80 Skulpturen, Zeichnungen und Gemälden von Alberto Giacometti, der zutiefst von dieser Kunst geprägt war.

MARK MANDERS. 20. MÄRZ – 14. JUNI 2009
Ausgehend von der Arbeit "Self-Portrait as a Building" (1986) entwickelt der Holländer Mark Manders installativ-skulpturale Arbeiten, die als Fragmente eines Selbstporträts in Form imaginärer Räume angelegt sind. Es ist seine erste Einzelausstellung in der Schweiz.

ALBERT VON KELLER. SALONS, SÉANCEN, SECESSION
24. APRIL – 4. OKTOBER 2009
Albert von Keller (1844–1920), ein Münchner Maler mit Schweizer Wurzeln, liefert ein schillerndes Sittengemälde von Gründerzeit und Belle Époque. Der verführerische Habitus eleganter Damenwelten ist sensibel registriert, okkulten Phänomenen wird Bildlichkeit verliehen. Eine Entdeckung!

TINO SEHGAL. 24. APRIL – 31. MAI 2009
Tino Sehgals Kunst sind Live-Begegnungen zwischen Akteuren unterschied­lichster Art und Besuchern des Kunsthauses.

KATHARINA FRITSCH. 3. JUNI – 30. AUGUST 2009
Katharina Fritsch (*1956) ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Gegen­wart. Die Machart ihrer Skulpturen und neuen Bilder offenbaren Fritschs Schulung an der Strenge der Minimal Art sowie das Interesse für Künstlichkeit und überindividuelle kulturelle Prägungen. Werke wie die hypnotische "Tischgesellschaft", 1988, der "Rattenkönig", 1991–1993, oder "Elefant", 1987, sind fest im Gedächtnis des Kunstpublikums verankert, weil sie die archaischen Vorstellungen, Wünsche und Ängste des Menschen enthalten. Fritschs jüngste Werke erschliessen auch den Eros aus dem Blickwinkel der Frau. Die Aus­stellung wird von den frühen bis hin zu den neusten grossen Werkgruppen die Kohärenz und Tiefe der Themen und Motive aufzeigen.
Unterstützt von Swiss Re – Partner für zeitgenössische Kunst.

MIRCEA CANTOR. 28. AUGUST – 8. NOVEMBER 2009
Mircea Cantor (*1977) bringt alltägliche Wahrnehmungsmuster und Erwar­tungen ins Wanken. Seine Arbeit kreist um soziale, politische und ökonomische Fragestellungen, die er in eine poetische Formensprache fasst – von Video, Foto über Objekte und Installationen bis zu Aktionen und Zeitungsinseraten.

GEORGES SEURAT – FIGUR IM RAUM. 2. OKTOBER 2009 – 17. JANUAR 2010
Georges Seurat (1859–1891) war der bedeutendste Zeichner und Maler des Neo­impressionismus. Gleichaltrige Maler wie van Gogh oder Gauguin waren von seinen Farben und seiner Maltechnik fasziniert, und die Künstler am Bauhaus begeisterten sich für seine strengen Bildkompositionen. Kein Bildthema vermag so viel über Seurats Kunst zu erzählen wie die Figur in der Landschaft. Die Ausstellung verfolgt diesen Aspekt durch sein Schaffen, von ersten Akademiestudien, in denen die Hell-Dunkel-Kontraste die Figuren umspielen, sie akzentuieren und ihnen eine unwirkliche Präsenz verleihen, bis zu den Gemäl­den. Unterstützt von Credit Suisse – Partner des Kunsthaus Zürich.

KUNSTHAUSNÄCHTE UND KUNSTVERMITTLUNG
Neben den Ausstellungen stehen Kunsthausnächte auf dem Programm: am 14. Februar (Valentinstag) "Art & Passion" und am 23. Mai "World Art meets World Music" in Kooperation mit Montreux Jazz – unterstützt von Credit Suisse – Partner des Kunsthaus Zürich. Im März wird ein "Young Guide" vorgestellt, eine Audioführung für Jugendliche. Eine Sommerwerkstatt und ein Kinderclub finden ebenfalls statt. Diese und viele weitere Angebote sind in der Online-Agenda unter www.kunsthaus.ch ab drei Monate im Voraus einsehbar.

BESUCHERHINWEISE
Kunsthaus Zürich, Heimplatz 1, CH–8001 Zürich, Tel. +41 (0)44 253 84 84
Offen: Sa/So/Di 10–18 Uhr, Mi/Do/Fr 10–20 Uhr. Feiertagsöffnungen, Infor­mationen zur Infrastruktur, Anreise und Online-Shop unter www.kunsthaus.ch.

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Wer noch immer glaubt, Liebe und Mordlust haben nichts miteinander zu tun, wird vom Leben manchmal eines Besseren belehrt. Und wenn dann auc...