Freitag, 1. Oktober 2010

Ihre fremde Heimat

Azadeh Falakshahi: Kleid

Schopfheim.- Der Kunstverein Schopfheim stellt in diesem Herbst die junge Fotografin Azadeh Falakshahi vor. Die aus dem Iran stammende Künstlerin zeigt in ihrem Fotoprojekt “VATAN – IRAN” Bilder einer Erinnerung an Menschen aber auch an Gegenstände wie Gaskocher – Wasserkessel – ein rotes Kleid – Früchte - Parklandschaft mit Teppich. Für Azadeh Falakshahi ist “VATAN” die Zwiesprache mit einer Heimat, die sie nicht erreichen kann.

Sie selbst sagt: „Vatan beschreibt etwas viel stärkeres als das Mutterland und sentimentaleres als die Heimat. „Vatan” beschreibt ein Gefühl des Verbundenseins mit einem Ort und allem was damit persönlich verknüpft ist.Wenn meine Mutter mit einem wohligen Gefühl an die Sonntagmorgende zurückdenkt an denen sie im Rosengarten saß und Safrantee trank oder wie ihre Großmutter einen Granatapfel für sie schälte und ihn ihr mit all ihrer Liebe reichte, dann beschreibt das ihr „Vatan“.

Ihre Schilderungen weiter: "1984 verließ meine Familie den Iran, fünf Jahre nachdem die Revolution unser Land von einer westlich orientierten Monarchie in eine fundamentalistische Republik verwandelte. Dieses Ereignis veränderte das Leben im Iran von Grund auf. Millionen von Menschen wanderten aus weil ihnen ihre Freiheit genommen wurde, vor allem den Frauen. Die Zukunft gab wenig Hoffnung. Alles was mit dem “verachteten Westen” in Verbindung stand, wurde verboten, vernichtet oder konfisziert, wie etwa Musik, Literatur oder Kunst.
Die gesamte Gesellschaftsstruktur sowie das Schulwesen leiden bis zum heutigen Tag darunter.
Meine Mutter erlebte die Entfremdung von ihrer Heimat und das Gefühl der Entwurzelung in einem neuen Land. Unsere Familie war eine von vielen, die den schmerzhaften Entschluss fassten ihr Land und ihre Familie zu verlassen in der Hoffnung in der Ferne ein freies Leben zu beginnen.
Durch die enge Verbundenheit zu meiner Mutter durchlebte ich mit ihr den Verlust ihres Heimatlandes. Meine Arbeit verkörperlicht diese Emotionen und versinnbildlicht sie für den Betrachter. Dies ist die Erzählung eines tief ergreifenden Gefühls das Deinen Gedanken niemals entflieht, das Gefühl von „Vatan”.

Diese Ausstellung will ver – stören, will daran erinnern, dass jeder Mensch ein Zuhause für seine Seele braucht – eine Heimat. Azadeh Falakshahi's etwa 35 für die Ausstellung konzipierte Fotografien sind scheinbar unscheinbare Bilder, Bilder einer Sehnsucht - eminent unpolitische Motive, die im Kopf Politik machen.

Azadeh Falakshah wurde 1983 im Iran geboren. 1984 wanderte ihre Familie über die Türkei nach Deutschland aus. 2004 machte sie in Lörrach am Hans Thoma Gymnasium das Abitur. Anschließend zog sie nach Brighton, GB, und begann an der dortigen Universität mit dem Studium der Fotografie. 2008 schloss sie mit dem Bachelor ab und erhielt für ihre Prüfungsarbeit den Tom Buckeridge-Preis für Fotografie. Seither arbeitet Azadeh Falakshahi als freie Fotografin und Fotokünstlerin.

Der Kunstverein Schopfheim wurde 1982 vom Designer Prof. Hans-Theo Baumann gegründet. Der KVS hat das Ziel pro Jahr mindestens zwei Ausstellungen zu zeigen. Dabei werden national und international anerkannte Künstler ebenso präsentiert wie junge und weniger bekannte Malerinnen und Maler, die sowohl aus der Region wie aus dem weiteren geografischen Umfeld kamen.

Neben der Ausstellungstätigkeit hat der KVS auch das Bestreben, durch die Organisation von Kunstreisen den Blick für andere künstlerische Perspektiven und deren Darstellung ins Blickfeld zu rücken. Dazu gehörten u.a. Reisen nach Südfrankreich mit Besuch verschiedener Museen, zur Documenta nach Kassel, nach Frankfurt Darmstadt, Paris etc...

Im vergangenen Jahr 2009 machte der Kunstverein Afrika zu seinem Themenschwerpunkt. Mit der jungen Senegalesin Dié Fall Kane gelang es, neue Perspektiven afrikanischer Kunst nach Schopfheim zu bringen. Dass dabei auch ein soziales Problem wie die „migration clandéstine“, der unfreiwillige Exodus junger Männer auf untauglichen Booten nach Europa, mitten in einer, oberflächlich betrachtet, wenig betroffenen Region thematisiert wurde, war dem KVS sehr wichtig

Ein Kontrapunkt dazu waren die Fotografien von Hans Silvester zum Thema „Kleider der Natur – Körperschmuck im Tal des Omo“. Diese Bilder aus Äthiopien, die zuvor in Paris und New York ausgestellt waren, zeigten eindrucksvoll die ursprünglichen Lebensformen afrikanischer Stämme und rissen damit den Gegensatz zur Verzweiflung der entwurzelten Bootsflüchtlinge auf .

In diesem Herbst 2010 wird der KVS das Thema der unfreiwilligen Migration mit VATAN – IRAN wieder aufgreifen.

Im Frühjahr 2010 wurde der KVS zusammen mit bundesweit 14 anderen Kunstvereinen für den Preis der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstverein nominiert und damit für seine ehrenamtliche Arbeit geehrt.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 14.00 - 17.00 Uhr, Sonntag 10.00 - 12.00 Uhr und 14.00 - 17.00 Uhr

AZADEH FALAKSHAHI
3. bis 31. Oktober 2010
Museum der Stadt Schopfheim
www.schopfheim.de
Wallstraße 10
Schopfheim
07622 63750

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