Dienstag, 11. Januar 2011

Lustvolle Romantik-Hommage

Foto: Szene aus dem Film "Die singende Stadt". Quelle: Theater Freiburg

Freiburg.- Über 70 Liedtexte von Heine, Hölderlin, Goethe, Eichendorff, Chamisso und anderen nimmt Mauricio Kagel als Ausgangsmaterial für seine instrumentale, nichtsdestotrotz hoch theatralische Reflexion über die deutsche Romantik. Calixto Bieito inszeniert Kagels Liederoper "Aus Deutschland" am Theater Freiburg. Premiere ist am Samstag, 29. Januar.

Die Zerrissenheit zwischen einer normierten Realität und der heiß ersehnten und dennoch bang gefürchteten Grenzüberschreitung in die Tiefen und Untiefen der Psyche, der Metaphysik, der Traum- und Naturwelten kreierte neben aller lyrischen Poesie auch Ironie und Sarkasmus – Bestandteile, die Kagel in seiner Liederoper lustvoll in diese seine Romantik-Hommage aufnimmt. Gleich den Romantikern begibt sich auch Kagel auf eine Reise, deren Ziel nie ganz sicher sein kann, um Erwartungshaltungen zu brechen, Traditionsformen zu hinterfragen, zu neuen Welten aufzubrechen und trotzdem kulturelles Wissen nicht über Bord zu werfen. Nach dem »Mündlichen Verrat« blicken wir ein weiteres Mal mit den scharfen Augen des Deutsch-Argentiniers Kagel auf ein folgenreiches kulturelles Erbe.

Calixto Bieito (*1963) stammt aus Katalonien und gilt seit Mitte der neunziger Jahre als einer der wichtigsten Regisseure Spaniens. Bekannt geworden ist er durch seine expressive Sprache im Umgang mit klassischen Texten, so u.a. mit Horváths »Kasimir und Karoline«, Shakespeares »King John« und Calderóns »La vida es sueno«. 2001 wurde sein »Macbeth« in Salzburg gezeigt, beim Edinburgh Festival war er u.a. 2003 mit Shakespeares »Hamlet« und 2004 mit de Rojas' »La Celestina« vertreten. Mit »Plattform«, einer Bühnenadaption der gleichnamigen Novelle von Michel Houellebecq, war Bieito 2008 in Barcelona erfolgreich.

Seit 1996 inszeniert Calixto Bieito auch für die Oper, erstmals mit Brétons Zarzuela »La verbena de la Paloma« am Teatro Tivoli in Barcelona. Weitere Produktionen an verschiedenen Häusern Europas folgten, darunter die Inszenierungen von »Don Giovanni«, »Il trovatore« und »La traviata« an der Staatsoper Hannover oder »Die Entführung aus dem Serail« an der Komischen Oper Berlin. Außerdem arbeitete Calixto Bieito u.a. in London, Dublin, Bologna, Basel, Freiburg und Frankfurt. Zu seinen jüngeren Arbeiten zählen »Lulu« und »Aus einem Totenhaus« am Theater Basel, »Armida« an der Komischen Oper Berlin sowie de Fallas Kurzoper »La vida breve« und Ligetis »Le Grand Macabre« an der Oper Freiburg, außerdem eine Inszenierung von Schillers »Don Carlos« mit seiner Theaterkompanie Teatre Romea im Rahmen der Internationalen Schillertage in Mannheim und sein Debüt an der Bayerischen Staatsoper im Dezember 2010 mit »Fidelio«.

Nur wenige Tage vor der Opernpremiere kommt ein Film über Bieitos Arbeit in die Kinos: "Die singende Stadt", eine 90minütige Doku über die Entstehung von Bieitos Parsifal-Inszenierung an der Staatsoper Stuttgart. Der Filmemacher Vadim Jendreyko, zuletzt sehr erfolgreich mit "Die Frau mit den 5 Elefanten" über die Übersetzerin Svetlana Geier, hat Bieitos Arbeit begleitet und dokumentiert.Ab dem 20. Januar läuft der Film in baden-württembergischen Kinos, in Freiburg in der "Harmonie".

Musikalische Leitung: Fabrice Bollon / Regie: Calixto Bieito / Bühne: Rebecca Ringst / Kostüme: Ingo Krügler / Chor: Bernhard Moncado / Dramaturgie: Dominica Volkert

Mit: Lini Gong, Jana Havranová, Anja Jung, Leandra Overmann, Sigrun Schell, Carina Schmieger, Sally Wilson; Roberto Gionfriddo, Alejandro Lárraga Schleske, Jin Seok Lee, Xavier Sabata, Neal Schwantes, Gabriel Urrutia, Christoph Waltle


Weitere Opernvorstellungen: 2., 17., 19. und 25.2., 3., 5., 13., 18.3., 29.4., 6. und 8.5., je 19.30 Uhr, 20.3., 15 Uhr

Theater Freiburg
Bertoldstraße 46
79098 Freiburg
Kartenverkauf Theaterkasse
Telefon: 0761 201 28 53
E-Mail: theaterkasse@theater.freiburg.de
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