Freitag, 8. Juli 2011

Dialoge

Pablo Picasso (1881-1973): Frau in der Loge, 1901. Öl auf Leinwand, 81 x 60 cm; Stiftung Im Obersteg. Depositum im Kunstmuseum Basel

Zürich.- Begonnen hat alles 1919 im Tessin. Der junge Basler Speditionsunternehmer Karl Im Obersteg hielt sich hier zur Erholung von der Spanischen Grippe auf. Zur gleichen Zeit erhielten osteuropäische Künstler in der Schweiz Exil. Das gemeinsame Ziel war Ascona, Künstler- und Intellektuellentreffpunkt mit südlichem Klima und italienischem Ambiente. Aus den ersten Begegnungen mit den Künstlern wurden Freundschaften.

Davon zeugen mehrere hundert Briefe, die sowohl geschäftlich motiviert waren, als auch die wachsende persönliche Verbundenheit mit dem Sammler spiegeln. Besonders ergreifende Beispiele sind die Briefe von Alexej von Jawlensky, die immer wieder das grosse Leiden des Künstlers thematisieren. Jawlensky litt an einer unheilbaren rheumatischen Krankheit, die zu Isolation, Lähmung und schliesslich zu seinem Tod führte. Karl Im Oberstegs Freundschaft mit ihm begünstigte einen für die Schweiz einzigartigen Sammlungsschwerpunkt von über 30 Werken aus allen Schaffensphasen des Malers.

Die umfangreiche Korrespondenz mit Cuno Amiet, Robert Genin, Marc Chagall, Alexej von Jawlensky u. a. gibt Einblick in die Entstehungsgeschichte der Sammlung und lässt den Geist der Zeit von 1920 bis 1950 erwachen. Die Ereignisse während und zwischen den Weltkriegen prägten die europäische Kunst. Für viele im Ausland verfemte Künstler war die neutrale Schweiz Zufluchts- und Überlebensort, wo ihnen Persönlichkeiten wie Karl Im Obersteg dringend benötigte Unterstützung boten. Umgekehrt eröffnete die wirtschaftliche Unversehrtheit des Landes den privaten Sammlern auch einzigartige Kaufchancen auf einem qualitativ hohen Niveau.

Die Korrespondenz mit Marc Chagall führt die spannende Ankaufsgeschichte von fünf frühen Hauptwerken Chagalls vor Augen und zeigt die grosse Kennerschaft von Karl Im Obersteg. Irritiert über die Entdeckung einer Zweitfassung des Juden in Schwarz-Weiss in der Literatur verlangte er nach Klärung der Sachlage. Die Korrespondenz liefert den Beweis dafür, dass das Gemälde der Sammlung Im Obersteg jene 1914 in Witebsk geschaffene Urfassung ist, die dem Künstler in den zwanziger Jahren in Paris als Vorlage für zwei weitere Fassungen diente. Karl Im Obersteg zählte zu den frühen Sammlern und Förderer Chagalls und er war mit ihm menschlich eng verbunden.

Die Ausstellung zeigt, dass die Sammlung Im Obersteg das Resultat von Freundschaften mit Künstlern und Kunsthändlern ist und nicht in Auktionshäusern oder Galerien anonym zusammengekauft wurde. Diese Tatsache macht sie zu einer der grossen gewachsenen Sammlungen, die Teil des kulturellen Erbes der Schweiz ist.

Zur Ausstellung erscheint die Publikation «Sie lieber Herr Im Obersteg sind unser Schweizer für alles». Briefwechsel mit Amiet, Chagall, Genin, Jawlensky, Kandinsky, Kirchner und Sacharoff in der Sammlung Im Obersteg, hrsg. von der Stiftung Im Obersteg, Schwabe-Verlag, Basel 2011.
Öffnungszeiten: Di bis So 10 - 17 Uhr

Künstlerfreundschaften
Karl Im Obersteg im Dialog mit Amiet, Chagall und Jawlensky
6. August bis 16. Oktober 2011
Kunstmuseum Basel
St. Alban-Graben 16
CH - 4010 Basel
0041 (0)61 20662-62
www.kunstmuseumbasel.ch

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