Mittwoch, 12. Oktober 2011

Es tickt um die Welt

Nr. 180. Ringuhr aus Gold. Verkauft am 18. Oktober 1836 an den Fürsten Alexander Demidoff. © Collection Montres Breguet

Zürich.- Die Ausstellung «A.-L. Breguet. Die Uhrmacherkunst erobert die Welt» des Schweizerischen Landesmusums zeigt bis 8. Januar 2012 die Kunst und das Leben des Abraham-Louis Breguet (1747-1823), oft bezeichnet als «der grösste Uhrmacher aller Zeiten». Breguet wurde in der Schweiz geboren, machte sich in Paris selbstständig und dehnte seinen Wirkungskreis um 1800 auf ganz Europa aus. 2009 zeigte das Musée du Louvre diese herausragende Ausstellung, die einzigartige und aussergewöhnliche Meisterwerke der Uhrmacherkunst vereint. Präsentiert werden Meisterstücke der Präzisionsuhrmacherei aus der Blütezeit der Uhrmacherkunst. Sie spiegeln das das Genie, technische Können sowie die avantgardistische Ästhetik von Breguet wider.

Ab 1762 an absolviert Abraham-Louis Breguet in Frankreich eine Uhrmacherlehre und ergänzt seine Studien. 1775 heiratet er und macht sich am Quai de l’Horloge in Paris selbständig. 1784 wird er als Uhrmachermeister anerkannt. Breguet setzt sich schnell mit einem eigenen Stil durch, der ästhetische Schlichtheit, hohe Funktionalität und einwandfreie Fertigung auszeichnet. Statt dickbäuchiger und reich verzierter Taschenuhren bietet Breguet Zeitmesser mit flachen Gehäusen, besser ablesbaren Ziffern und schlanken, geraden Zeigern an. Um seine Geschäfte voranzubringen, schliesst er sich von 1787 bis 1791 mit dem Uhrenhändler Xavier Gide zusammen. Er reist dreimal nach England, wo er sich mit dem Uhrmacher John Arnold über die Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten austauscht. Im Jahre 1793 verlässt Breguet Paris aus Beunruhigung über seine Verbindungen zum Hof und bleibt bis 1795 in der Schweiz. Hier bringt er einige seiner Erfindungen zur Reife.

In den Jahren 1771–1780 wird der Selbst- oder Automatikaufzug der Uhr, die Breguet perpetuelle Uhr («ewig laufende») nennt, erprobt. Bei diesen Taschenuhren müssen die Körperbewegungen des Trägers genügen, um die Uhr aufzuziehen, ohne dass ein Schlüssel benötigt wird. Die ersten perpetuellen Taschenuhren werden von Ludwig XVI. und Marie-Antoinette, dem Herzog von Orléans sowie von mehreren Persönlichkeiten am Königshof von Versailles erworben. Nach dem Sturz von Robespierre und dem Ende der Schreckensherrschaft von 1792–1794 kehrt Breguet im Mai 1795 nach Paris zurück. Er reorganisiert sein Unternehmen und beginnt mit der Herstellung neuer Modelle, vor allem mit der einfachen Einzeigeruhr, der sogenannten «Subskriptionsuhr»: so genannt, weil bei Bestellung dieser Uhr eine Vorauszahlung in Höhe eines Viertels des Kaufpreises anfällt.

Im Juni 1796 bewirbt sich Breguet um die Aufnahme in die Akademie der Wissenschaften, Abteilung Mechanische Künste. Er wird jedoch nicht gewählt, der Vorzug wird seinem Konkurrenten Lazare Carnot gegeben. 1798 nimmt Breguet an der ersten französischen Landesausstellung für Industrieerzeugnisse teil und erhält eine Goldmedaille. Am 26. Juni 1801 erhält Breguet für die Erfindung des Tourbillonregulators ein Patent für die Dauer von zehn Jahren. Dank der konstanten Rotation dieser Vorrichtung lässt sich der durch die meist vertikale Position der Taschenuhr bedingte Einfluss der Schwerkraft auf das Regulierorgan und damit auf die Ganggenauigkeit kompensieren. Das Prinzip ist einfach, die Herstellung jedoch äusserst kompliziert. Der erste funktionierende Tourbillonregulator kommt erst ab 1805 auf den Markt.

Dank dem wirtschaftlichen Aufschwung während der Zeit des Konsulats wächst der jährliche Umsatz des Hauses Breguet konstant bis zum Rekordjahr 1808. In besagtem Jahr werden 196 Stück verkauft. Während der prosperierenden Jahre der Empirezeit exportiert Breguet einen Grossteil seiner Produktion und steigert seinen Bekanntheitsgrad in ganz Europa und darüber hinaus. Breguet nimmt Bestellungen vom Kaiserhof und von zahlreichen Würdenträgern des Napoleonischen Regimes entgegen, darunter Minister, Marschälle und Botschafter. Die politischen Unruhen gegen Ende der Empirezeit behindern die Ausfuhren der Uhrenmanufaktur beträchtlich. Als Ersatz baut Breguet seinen Markt im Ottomanischen Reich aus.

Die Rückkehr der Bourbonen im Jahre 1814 fällt für das Haus Breguet mit einem spektakulären Aufschwung zusammen. Zahlreich und angesehen ist die englische Kundschaft, darunter der Prinzregent und künftige Georg IV., der General Herzog von Wellington u.a. Nach dem Vorbild von Zar Alexander I., der Breguet 1814 in Paris besucht, wird die russische Klientel zum wichtigsten Marktsegment. Breguet passt seinen Stil dem spezifischen Geschmack der türkischen Kundschaft an. Für sie fertigt er Gehäuse und Doppelgehäuse mit reichem Emaildekor in den Farben Rot und Gold an und versieht die Zifferblätter mit türkischen Ziffern. 1816 wird Breguet endlich in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen, womit sich einer seiner ältesten Träume erfüllt.

Nach dem Tod von Abraham-Louis Breguet im September 1823 führt sein Sohn Antoine-Louis das Haus während der nächsten zehn Jahre weiter. Es ist die Zeit der extraflachen Taschenuhren, der Zeitmesser mit grossen Komplikationen, der dezentrierten Zifferblätter und der ersten Exemplare mit schlüssellosem Aufzug. 1833 überlässt Antoine-Louis Breguet die Leitung des Unternehmens seinem Sohn Louis-Clément. Dieser behält jedoch eine traditionelle Werkstatt für die Anfertigung von Einzelstücken und beginnt in den Jahren 1835–1840 einen grossen Teil der Uhrenproduktion zu standardisieren. Die europäische Elite gehört weiterhin zur Kundschaft des Hauses. Neu stellt das Unternehmen auch physikalische Instrumente und elektrische Anwendungen her.

In seinen letzten zehn Lebensjahren arbeitet Abraham-Louis Breguet an einer Abhandlung über die Uhrmacherkunst, wobei ihm sein Mitarbeiter Louis Moinet als Sekretär zur Seite steht. Breguets Abhandlung ist sehr ehrgeizig angelegt, bleibt jedoch unvollendet. Sie ist in zwei grosse Themenbereiche unterteilt: L’horlogerie dite civile (die sogenannte zivile Uhrmacherkunst) und L’horlogerie à l’usage des Sciences (die Uhrmacherkunst für die Wissenschaft), von der nur einige Fragmente erhalten sind.

Öffnungszeiten: Di bis So 10.00 - 17.00 Uhr, Donnerstag 10.00 - 19.00 Uhr. Feiertags geöffnet

A.-L. Breguet. Die Uhrmacherkunst erobert die Welt
7. Oktober 2011 bis 8. Januar 2012
Schweizerisches Landesmuseum
Museumstrasse 2
CH - 8021 Zürich
0041 (0)44 218 65 11
kanzlei@slm.admin.ch
http://www.landesmuseum.ch

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