Mittwoch, 15. August 2012

Tillmanns und Marten - zwei visuelle Wege

Zürich.- Ende August feiert die Kunsthalle Zürich Wiedereröffnung im umgebauten und erweiterten Löwenbräu-Areal. Die Ausstellung «Neue Welt» (1. September – 4. November 2012) in der Kunsthalle Zürich widmet sich dem Wiedersehen mit einem Künstler, der 1995 in der Kunsthalle seine erste institutionelle Ausstellung überhaupt präsentierte. Seit dieser Zeit hat Wolfgang Tillmans (geb. 1968) die Möglichkeiten der Fotografie auf vielfältigste Weise ausgetestet und erweitert. Seine Arbeiten aus der neuesten, auf vielen Reisen entstandenen, gleichnamigen Werkgruppe werden erstmals in einer umfassenden Schau zusammen mit abstrakten Arbeiten gezeigt.

Parallel präsentiert die Kunsthalle die erste institutionelle Einzelausstellung von Helen Marten (geb. 1985). Für «Almost the exact shape of Florida» schuf die Britin neue Arbeiten, welche die mediale Breite ihres Schaffens von Skulpturen, Wand- und Bodenarbeiten in eine umfassende Installation verweben.

Die Ausstellung «Neue Welt» zeigt Arbeiten aus der neuesten, auf vielen Reisen von Wolfgang Tillmanns entstandenen, gleichnamigen Werkgruppe zum ersten Mal in einer umfassenden Schau zusammen mit abstrakten Arbeiten. Die Auseinandersetzung mit dem Bild, die Frage, wie Bedeutung auf einem Stück Papier entsteht und damit, wann ein Bild überhaupt zu einem Bild wird, steht für ihn im Zentrum seines Schaffens. Seine Fotografien reichen von Porträts, Stillleben, Landschaften, Himmelsauf- nahmen, über subkulturelle Szenerien und solche der Warenzirkulation, Räumlichkeiten des Woh- nens und des Transits bis hin zu abstrakten, mediumreflexiven Bildern und eröffnen einen viel- stimmigen visuellen Diskurs über Anliegen, welche die heutige Welt im Ganzen betreffen. Bereits mit seinen frühen Arbeiten hat Tillmans Anfang der 1990er Jahre die Möglichkeiten der Fotografie mit berühmt gewordenen Aufnahmen seiner Freunde und Einblicken in die Londoner und interna- tionale Club- und Musikszene erweitert. Sein engagierter und persönlicher Blick auf das soziale wie politische Weltgeschehen ist gleichzeitig auch ein intimer Blick auf das menschliche Leben und die Schönheit des Alltäglichen.

Seit Beginn seines künstlerischen Schaffens befasst sich Wolfgang Tillmans auch mit den Grund- und Produktionsbedingungen des Mediums Fotografie. Vor allem in den letzten zehn Jahren ent- standen abstrakte Arbeiten, deren Herstellung nicht mehr an die Kamera gebunden war. Sie zeigen Lichtspuren auf dem Fotopapier (vor allem in den Freischwimmer- und Blushes-Serien) oder sind chemische und mechanische Bearbeitungen des lichtempfindlichen Materials wie in den Bildern der Silver-Serie. Die seit 1998 entstehenden Silver-Arbeiten reflektieren die Reaktion des Fotopa- piers auf Licht sowie mechanische und chemische Prozesse.

Im Juli 2013 wandert die Ausstellung «Neue Welt», wiederum kuratiert von Beatrix Ruf, in einer Kollaboration zwischen der LUMA Foundation und den Les Rencontres d’Arles an das gleichnamige Fotofestival in Arles.

Zur Wiedereröffnung der Kunsthalle Zürich im Löwenbräukunst-Areal ist als zweite Einzelausstellung in den renovierten und umstrukturierten angestammten Räumen der Kunsthalle Zürich die erste institutionelle Präsentation der britischen Künstlerin Helen Marten (geb. 1985 in Macclesfield, lebt und arbeitet in London) zu sehen. Für «Almost the exact shape of Florida» schuf Marten eine neue Gruppe von Arbeiten, die die mediale Breite ihres Schaffens von Skulpturen über Wand- und Bodenarbeiten in eine umfassende Installation verweben.

Indem sie reale Oberflächen mit linguistischen Szenarien kombiniert, rührt Marten auf humorvolle Weise an Fragen des Eigentums und der Unehrlichkeit von Materialien, an der Beziehung zwischen Objekt und Artefakt sowie zwischen Verpackung und Produkt. Dank ihres Interesses an grammati- kalischen Annäherungen, die in der handwerklichen Herstellung vorgenommen werden, entspin- nen sich in Martens Ausstellung unaufhörlich Konversationen zwischen Nachahmung und Ca- mouflage. Die Idee des Nachzeichnens der Umrisse von Materie – des Verweisens auf erkennbare Informationen mittels einer verzerrten Form – verleiht dem Wackligen, dem Betrunkenen und dem Schiefen Autorität. Das Bild stolpert unaufhörlich über die Sprache und über eine Vorsätzlichkeit im Hinblick auf Irrtümer, die sich mit der ganzen konkreten Bestimmtheit kultureller Wiedererkenn- barkeit in Pose wirft.

Dem real Physischen und dem Handwerk misst Marten in ihren Arbeiten eine zentrale Bedeutung zu. In der Wahl der Werkstoffe geht sie den Fragen nach, wie Erwartungen in die Sprache des Ma- terials umgesetzt werden können: wie kann man Material verwenden, um es in einer Erzählung spezifisch zu verorten; welche Charakteristiken und bereits festgelegte Assoziationen haften ihm an. Sie wählt alltägliche Werkstoffe aus dem „Warenhaus“ der Gegenwart – Metall, Pressspanholz, Türgriffe, Wasserflaschen, Lehm oder Knochen von Hühnern – und verdreht deren zugedachten Rollen. Die Idee der künstlerischen Berührung (oder gerade eben nicht) ist in jeder Arbeit sichtbar: tröpfelnder Leim, improvisierte Verbindungen und bröckelnde Fugen erscheinen neben perfekten Ecken oder offensichtlich mechanisierten Arbeitsprozessen. Stein und Metall können eine humor- volle Leichtigkeit oder schüchterne Schwäche erhalten, währenddem eine rau bearbeitete, unter grosser Hitze geschweisste Oberfläche durch die zusätzliche Behandlung von Pulverbeschichtung wieder manierlich aussieht.

Die Ausstellung wird vom 23. November 2012 bis zum 29 Januar 2013 in der Chisenhale Gallery in London gezeigt. Zur Ausstellung erscheint die erste Monografie mit Texten von Michael Archer, Ed Atkins, Kit Grover, Flint Jamison, Beatrix Ruf, Polly Staple und Richard Wentworth bei JRP|Ringier. Die Publikation wird herausgegeben von der Kunsthalle Zürich zu- sammen mit den weiteren Ausstellungsstationen.

Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, 12 – 18 Uhr, Do. 12 – 20 Uhr, Sa/So 11 – 17 Uhr

WOLFGANG TILLMANS «NEUE WELT»
HELEN MARTEN «ALMOST THE EXACT SHAPE OF FLORIDA»
1. September – 4. November 2012

Kunsthalle Zürich
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