Freitag, 19. Oktober 2012

Schwarze Kontinente

Straßburg.- Erstmals seit großen Retrospektive, die das Pariser Centre Pompidou Annette Messager 2007 widmete, ist Annette Messager wieder mit einer Einzelausstellung in einem französischen Museum zu sehen. Unter dem Titel „Schwarze Kontinente" vereint die laufende Schau im Straßburger Museum für moderne und zeitgenössische Kunst zwischen 2010 und 2012 entstandene Werke, die meisten von ihnen sind erstmals öffentlich zu sehen. Die 1943 geborene Künstlerin gilt als eine herausragende Figur der internationalen zeitgenössischen Kunstszene. 2005 wurde sie bei der Biennale von Venedig, wo sie Frankreich vertrat, mit dem Goldenen Löwen geehrt.

In 40 Jahren schuf Annette Messager ein singuläres Oeuvre. Ihre Installationen, die den handwerklichen Charakter nicht verbergen und oft an Kinderspielzeug erinnern, gestaltet diese Sammlerin aus so unterschiedlichen Alltagsobjekten wie Fotografien, Zeichnungen, Stickereien, Serienartikeln oder auch Tierpräparaten. Ihre immer auch humorvollen Arbeiten zeugen von der Faszination der Künstlerin für Art Brut, zelebrieren die Frau, selbst in ihren banalsten Alltagsverrichtungen und spiegeln die Welt anhand ihrer materiellen Zeugnisse mit geradezu ethnologischem Blick.

Düstere raumgreifende Installationen sind seit 2001 im Schaffen der Künstlerin präsent. Von merkwürdigen Mechanismen angetriebene, zerstückelte und ausgerenkte Körper verstehen sich als Metaphern existenzieller Brüche. Ihre Arbeiten weisen Bezüge zu Theater, existenziellem Film sowie Märchen und Sagen auf. So dient beispielsweise Pinocchio als roter Faden der für die Biennale von Venedig entstandenen dreiteiligen Installation „Casino“.
Von Annette Messagers jüngsten Werken geht eine beklemmende Weltuntergangsstimmung aus. Versteinerte und verbrannte Miniaturüberbleibsel postapokalyptischer Stadtlandschaften schweben – zu fliegenden Inseln verklebt – im Raum oder legen sich wie erstickende Hüllen über die letzten Reste von Leben. Messager setzt sich hier mit den Pathologien der modernen Welt auseinander und inszeniert sie in der Sprache von Fantasy und Sciencefiction. In diesen wie philosophische Erzählungen und politische Fabeln konzipierten Werken hallen Anklänge an Swifts „Gulliver“ wider. Gemildert wird die Tragik der Aussage durch die Messagers Werken eigene spielerische, mitunter auch ironische Anmutung. Kindheitsassoziationen halten das Entsetzen auf Abstand.
Der in engem Dialog mit der Künstlerin gestaltete Parcours umfasst rund 20 Werke, darunter drei monumentale Installationen, aber auch kleinformatige Arbeiten, wie die Fischernetz-Worte, Skulpturen und Zeichnungen.
Kuratorin der Ausstellung: Joëlle Pijaudier-Cabot, Direktorin der Museen der Stadt Straßburg.

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 10 bis 18 Uhr
Geschlossen am Montag


Annette Messager: Schwarze Kontinente
13. Oktober bis 3. Februar 2013

Museum für moderne und zeitgenössische Kunst
1, place Hans Jean Arp
Straßburg
Tel.: +33/(0)3 88 23 31 31

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