Mittwoch, 20. Februar 2013

Wie Wagner Zürcher Welt wurde

http://festspielezuerich.ch/de/2013/home/
Zürich.- Wir sind im Wagner-Jahr. 200 Jahre wäre der Komponist Richard Wagner 2013 geworden und das ist landauf landab ein Thema. Auch bei den Zürcher Festspielen. Unter dem Motto „Treibhaus Wagner“ rücken sie anlässlich des 200. Geburtstages von Richard Wagner vom 14. Juni bis 14. Juli 2013 die Zürcher Zeit des Komponisten in den Fokus – mit Musiktheater, Oper, Schauspiel, Konzerten, Ausstellungen, Diskussionen, einem Symposium und vielem mehr. Auftakt und künstlerisches Herzstück ist die Uraufführung Richard Wagner – Wie ich Welt wurde von Hans Neuenfels im Rahmen einer erstmaligen Koproduktion von Opernhaus und Schauspielhaus Zürich. Wagners Ideen und seine Zeit bilden dabei das Substrat für die an den Festspielen Zürich beteiligten Institutionen – sie laden zu einer Entdeckungsreise ein, die das künstlerische Wirken und das alltägliche Treiben Richard Wagners in Zürich erlebbar macht.

Zürich als Wagner-Treibhaus
Das Motto „Treibhaus Wagner“ der Festspiele Zürich 2013 nimmt Bezug auf ein von Richard Wagner vertontes Gedicht seiner Muse Mathilde Wesendonck. Es steht aber auch für Zürich, das dem politisch Verfolgten von 1849 bis 1858 Zuflucht und den idealen Nährboden für seine wegweisenden Ideen bot. Geschützt und beschützt trieb Wagners Kreativität hier ungeahnte Blüten. Die repräsentativen Aufführungen seiner Werke fanden jedoch erst später und ausserhalb von Zürich statt.

Uraufführung Richard Wagner – Wie ich Welt wurde von Hans Neuenfels
Die Uraufführung Richard Wagner – Wie ich Welt wurde, bietet einen Musiktheaterabend über das Leben und Wirken, Denken und Komponieren von Richard Wagner in Zürich und darüber hinaus. Autor und Regisseur dieser erstmaligen Koproduktion von Opernhaus und Schauspielhaus Zürich ist Hans Neuenfels, einer der bedeutendsten Theater- und Opernmacher der Gegenwart. Seine Musiktheaterproduktion zur Eröffnung der Festspiele Zürich will mehr Wagner-Reflexion sein als Jubiläumsgala und trägt den Suchbewegungen und der Lust an formaler Grenzüberschreitung in Wagners Zürcher Zeit Rechnung. Für Richard Wagner – Wie ich Welt wurde werden Sänger wie Schauspieler gleichermassen auf der Bühne stehen. Unter anderem sind dies Catherine Naglestad (Sopran), Kor-Jan Dusseljee (Tenor) sowie die Schauspieler Elisabeth Trissenaar, Ludwig Boettger, Gottfried Breitfuss, Jean-Pierre Cornu, Robert Hunger-Bühler und Siggi Schwientek.

Am Eröffnungswochenende hält Nike Wagner einen Festvortrag im Schauspielhaus Zürich. Im Musiktheater Rheingold – ebenfalls im Schauspielhaus – untersucht der Regisseur David Marton den Mythos Wagner und die Macht seiner Musik. Diese lässt er von einer Jazz-Sängerin, einem lyrischen Tenor, einem Pianisten und einem Cellisten an Stelle eines grossen Orchesters interpretieren. Das Opernhaus Zürich widmet sich mit der Festspielpremiere La straniera des von Wagner hoch geschätzten Vincenzo Bellini der Faszination des Fremden, beziehungsweise der Fremden – verkörpert durch die Primadonna assoluta des Belcanto Edita Gruberova.

Einen Überblick über die Wagner-Aufführungen in Zürich in den letzten 150 Jahren ermöglicht die Ausstellung Walküren über Zürich. 150 Jahre Wagner-Aufführungen in Zürich im Kunsthaus Zürich mit Szenenfotos, Bühnenbildentwürfen und anderen Exponaten. Das Tonhalle-Orchester Zürich lässt ‚Nebensächliches‘ aus Wagners musikalischem Treibhaus erklingen, das zu Unrecht im Schatten der grossen Werke des Musiktheaters steht – etwa seine Klavierlieder in einer klangsinnlichen Orchestrierung von Hans Werner Henze. In einer Veranstaltung im Rahmen der Reihe ‚Wahlverwandtschaften – Literatur und Musik‘ werden gemeinsam mit Musikerinnen und Musikern des Tonhalle-Orchesters von Adolf Muschg und Daphne Wagner Wagner-Spiegelungen in der Literatur vorgestellt. Die Rekonstruktion eines historischen Konzertes Wagners zu Ehren seines Mäzens Otto Wesendonck am Originalschauplatz, der Villa Wesendonck, knüpft an Wagners Erfolge als Dirigent in Zürich an.

Die Villa Wesendonck – der ‚Grüne Hügel‘ Zürichs
Der ‚Grüne Hügel‘ Zürichs, das heutige Museum Rietberg mit der Villa Wesendonck und dem Rieterpark, steht im Brennpunkt der Festspiele Zürich. Im Garten der Villa bereitet das Theater Neumarkt einen Empfang vor. Briefwechsel, Tagebucheinträge und Partituren aus Wagners Zürcher Jahren im ‚Asyl‘ bei Familie Wesendonck werden, inszeniert von Barbara Weber, zu einem musikalischen „Attentat auf die Sinnlichkeit“ zwischen journal intime und überspitztem Sittengemälde montiert. Darüber hinaus wird ein eigens für die Festspiele gebauter Pavillon auf dem Gelände des Museum Rietberg zum Schauplatz für Lesungen, Salons, Diskussionen und Konzerte und dient als Treffpunkt für Wagner-Interessierte, aber auch als Ort der Musse.

Weitere Zürcher Wagner-Werkstätten

In der Gessnerallee Zürich erforscht CapriConnection unter dem Titel Tristan oder Isolde die romantische Liebe im Spannungsraum zwischen Oper und dokumentarischem Theater – inszeniert von Anna-Sophie Mahler im Bühnenbild von Christoph Marthalers Bayreuther Tristan-Inszenierung. Santiago Blaum lässt in der Nueva Germania Opera Tropical Wagner und Nietzsche im paraguayanischen Dschungel zu heissen Rhythmen aufeinanderprallen. Das Theater Rigiblick präsentiert ein szenisches Projekt nach Ludger Lütkehaus‘ Erzählung Die Heimholung, in dem sich Nietzsche im Wahn am Klavier seiner Freundschaft mit Wagner erinnert, einen Richard-Wagner Stummfilm mit Live-Orchester, die Klang- und Weltchronik Wagner in Mariafeld sowie – unter anderem mit Corinna Harfouch – verschiedene Lesungen. Im Moods trifft Jazz auf Klassik. Der Jazzbassist Dieter Ilg führt Variationen zu Wagners Parsifal auf und der Jazzpianist Uri Caine präsentiert einen Klavierabend mit Wagner-Interpretationen und Eigenkompositionen. Das Zürcher Festspiel-Symposium 2013 beschäftigt sich in zahlreichen Vorträgen mit dem Thema Exil als Daseinsform. Die Schauplätze Richard Wagners. Neuer Partner der Festspiele Zürich ist die Zürcher Hochschule der Künste. An ihrem Wagner-Tag wird unter anderem ein eigens für „Treibhaus Wagner“ komponiertes Stück für zehn Schlagzeuger und Ambosse nach Motiven von Wagners Ring uraufgeführt. Ausserdem vertont die Kompositionsklasse von Kaspar Ewald – unter Einbezug von Leitmotiven Wagners – den Tannhäuser von Johann Nestroy und führt die skurrile Persiflage in der Gessnerallee auf.

Abgerundet werden die Festspiele Zürich durch diverse Podiumsdiskussionen, Literatur-veranstaltungen, Ausstellungen, Filmreihen, speziell für Kinder und Jugendliche konzipierte Workshops sowie eine Wagner-App. Die verschiedenen Wagner-Orte der Stadt können unter anderem in musikhistorischen Spaziergängen erkundet werden.

Finale in der Gessnerallee Zürich
Das grosse Finale findet in der Gessnerallee Zürich statt. Am 13. Juli werden die Geister Richard Wagners und seiner Musik noch einmal beschworen – und ausgetrieben mit einem Gastspiel auf der Bühne, Bands, Kapellen und DJs. Die an den Festspielen beteiligten Institutionen werden eingeladen, mit ihren Beiträgen die Gessnerallee von oben bis unten mit Klang und Material zu füllen.

Die Festspiele Zürich, die bis dato Zürcher Festspiele hiessen, werden gemeinsam von Opernhaus Zürich, Schauspielhaus Zürich, Kunsthaus Zürich, Tonhalle-Orchester Zürich und weiteren Kulturinstitutionen der Stadt und des Kantons Zürich veranstaltet. Angeregt von einem gemeinsamen Thema ermöglichen sie jährlich im Sommer Begegnungen der Künste, die die Vielfalt des Zürcher Kulturlebens widerspiegeln.

Zum Programm: http://festspielezuerich.ch/de/2013/home/

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