Freitag, 8. März 2013

Der andere Steve McQueen

Charlotte, 2004. Filminstallation, ohne Ton, 5‘42‘‘, Endlosprojektion; Emanuel Hoffmann Stiftung, Depositum in der Öffentlichen Kunstsammlung Basel. Foto: Courtesy the Artist, Marian Goodman Gallery, New York/ Paris and Thomas Dane Gallery, London. © Stev
Basel.- Das Schaulager Basel zeigt die bisher umfassendste Ausstellung des britischen Videokünstlers und Filmemachers Steve McQueen. Zum ersten Mal wird das Werk dieses radikalen Künstlers in einer breit angelegten Übersichtsausstellung präsentiert. Über zwanzig Video- und Filminstallationen werden in einer eigens als Kinostadt gebauten, aufwendigen Architektur einander gegenübergestellt, ergänzt durch Fotoarbeiten und weitere Werke sowie eigens für die Ausstellung geschaffene neue Arbeiten.

Der Videokünstler und Filmemacher Steve McQueen (geboren 1969 in London) hat in zwanzig Schaffensjahren ein äusserst vielseitiges, sich in ständiger Wandlung befindendes Werk hervorgebracht. Jedes Werk von Steve McQueen zeichnet sich durch einen gezielten Einsatz der filmischen Mittel und präzise Vorgaben zur Installation und zum Projektionsraum aus. Sich souverän in verschiedenen Sparten bewegend, loten seine Arbeiten die Grenzen zwischen Dokumentarischem und Erzählerischem aus. Sie greifen Themenfelder auf, die Politik, Religion, Gewalt, Körper und ethnische Fragestellungen umfassen.

1999 erhielt McQueen in London den renommierten Turner-Preis der Tate Gallery, unter anderem für die Videoinstallation «Deadpan» (einer künstlerischen Hommage an Buster Keaton). 2002 nahm er an der documenta 11 mit den Meisterwerken «Western Deep» und «Carib 5 Leap» teil. 2009 vertrat er sein Heimatland Grossbritannien mit dem Film «Giardini» bei der Biennale von Venedig.
Parallel zu seiner künstlerischen Arbeit realisiert Steve McQueen seit einigen Jahren auch Kinofilme, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. 2008 gewann er für «Hunger» die Camera d'Or bei den Filmfestspielen in Cannes. Mit «shame» nahm er u.a. am Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Venedig und am Toronto Film Festival teil. Seine neuste Produktion «Twelve Years a Slave» wird 2013 in den Kinos anlaufen. In der Sammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung ist Steve McQueen mit zehn wichtigen filmischen Werken vertreten, die wohl eine der bedeutendsten Gruppen im öffentlichen Besitz darstellen.

Der Künstler steht mit seinen 43 Jahren mitten im Schaffensprozess. Mit immer komplexeren Projekten und einem Höchstanspruch an Präzision fordert er sich bis an die Grenzen heraus. Eine fast greifbare Körperlichkeit und Direktheit sind Kennzeichen aller Werke, seien es die früheren, eher experimentellen oder die späteren, oft dokumentarisch angelegten Video- und Filmarbeiten. Bisher wurden diese meist in kleineren Präsentationen oder einzeln gezeigt. Nun ist der richtige Zeitpunkt für eine Übersichtsausstellung, die die Werke zueinander in Beziehung setzt und ihre beeindruckende, mit der Zeit gewachsene Zusammengehörigkeit aufzeigt.

Die Ausstellung setzt auf unerwartete Gegenüberstellungen von Werken und auf Konstellationen, die die einzelnen Filmbilder wie in einer Gemäldegalerie in Beziehung zueinander setzen. Innen- und Aussenräume mit Durchblicken und Spiegelungen und unterschiedlichen Intensitäten von Licht und von Dunkelheit schaffen eine fast mystische Atmosphäre. Der installative und skulpturale Charakter von Steve McQueens Arbeiten, ihre fast greifbare Materialität und die physische Auswirkung auf den Betrachter treten deutlich hervor. Filmbild und Betrachterraum gehen ineinander über.
Eine Sonderstellung nimmt innerhalb des Werks und der Ausstellung die vom Londoner Imperial War Museum ausgeliehene Installation «Queen and Country» ein, die Steve McQueen 2007-2009 als offizieller Kriegskünstler im Gedenken an die im Irakkrieg gefallenen britischen Soldaten schuf. Da er wegen Sicherheitsvorkehrungen im Irak nicht filmen durfte, entschied sich der Künstler, Briefmarken mit den Portraits der Gefallenen zu produzieren. Diese Briefmarkenbogen sind, solange ihre offizielle Verwendung durch die Royal Mail nicht zugelassen ist, in den Schubladen eines Eichenkabinetts verwahrt einzusehen - ein bewegendes Zeugnis des Kriegsgeschehens.

Öffnungszeiten: Di/Mi/Fr 12 – 18 Uhr, Donnerstag 12 – 19 Uhr, Sa und So 10 – 17 Uhr

Steve McQueen
16. März bis 1. September 2013

Schaulager
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