Montag, 10. Juni 2013

Alexander Calder – Bäume
Abstraktion benennen
8. Juni 2013 – 12. Januar 2014 in  der Fondation Beyeler in Riehen
Riehen.- Die Fondation Beyeler im Schweizer Riehen präsentiert die zweite Calder Gallery, die in Zusammenarbeit mit der Calder Foundation eingerichtet und sich einem weiteren, noch nicht untersuchten Aspekt im Schaffen des Künstlers widmet. Als Alexander Calder 1933 im Zuge der weltpolitischen Lage Paris für seine Heimat Nordamerika verlässt, lässt er sich mit seiner Frau Louisa James dauerhaft in Roxbury, Connecticut, in einem alten Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert nieder. Dort entfaltet die Umgebung eine unmittelbare Wirkung auf den Künstler und ein neuer Abschnitt in der Entwicklung seiner Arbeit zeichnet sich ab. Der Aussenraum tritt als zusehends werkbestimmende Komponente in Erscheinung.

Die ersten Mobiles der Pariser Zeit, waren - ganz im Geiste der Künstlergruppierung Abstraction-Création - von geometrischer Prägung und die Bewegung wurde nicht selten mechanisch, das heisst durch kleine Kurbeln oder Motoren erzeugt. In Roxbury sind es nun die Natur, Wind und Wetter, die den Künstler zu neuen Möglichkeiten inspirieren.

Neben der geometrischen Seite wird vermehrt ein surreales Moment und damit einhergehend eine biomorphe Formgebung spürbar. In jener entscheidenden Zeit entstehen erste Aussenskulpturen, entfernt an Turmreiter oder Wetterfahnen erinnernd, die sich diese neuen künstlerischen Möglichkeiten erschliessen und den Ausgangspunkt für die monumentalen Aussenarbeiten der Nachkriegszeit legen.

Die Präsentation in der Fondation Beyeler beginnt mit einer ausgefallenen Gruppe von unterschiedlichen Stabile-Mobiles von 1939, die als ca. 2 m hohe Maquetten für die avantgardistische Umgestaltung des Bronx-Zoo gedacht waren. Dort sollten sie in solider Ausführung und als Monumentalskulpturen eine Art Baumschmuck des afrikanisch anmutenden Raubkatzengeheges abgeben. Das Projekt wurde schliesslich nicht realisiert, belegt aber eindrücklich das zukunftsweisende Potential von Calders künstlerischen Ideen.

Obwohl es sich bei den Werken stets um Abstraktionen im Raum handelt, bezeichnen die gewählten Titel besondere Momente der Bewegung, gestaffelter Formwiederholungen oder ausgeklügelter Gleichgewichtverhältnisse. Die Abstraktion wird hier in greifbarer Form benannt, was an zwei ausgesuchten Einzelwerken erfahrbar wird. Organische Assoziationen bestimmen die formalen Strukturen wie Laubkronen, Ast-Kaskaden, Blatt-Abfolgen. Das freie Spiel der präsentierten Werke im dicht bespielten Innenraum des Museums schliesst sich zu einem regelrechten „Calder-Wald“ zusammen. Die dadurch entstehende Verbindung von Innen- und Aussenraum nimmt auf ein für die Fondation Beyeler wichtiges Thema Bezug, das die Sammlung in einem harmonischen Miteinander von Architektur und Landschaft einbettet.

Eine zweite Werkgruppe beleuchtet schliesslich die Entstehung des Werks Tree in der Sammlung der Fondation Beyeler, mit der ursprünglichen Maquette und formal verwandten Werken und Zwischenstufen. Im Sommer wird zudem auch „Tree“, das monumentale Stabile-Mobile der Sammlung Ernst und Hildy Beyeler an seinen angestammten Platz im Berower Park auf dem Gelände der Fondation Beyeler zurückkehren.

Neben Leihgaben der Calder Foundation werden auch selten ausgeliehene Werke aus Privatbesitz, sowie aus der Fundació Joan Miró, Barcelona und dem Moderna Museet, Stockholm, zu sehen sein.

Die Fondation Beyeler startete 2012 eine auf mehrere Jahre angelegte Kooperation mit der Calder Foundation in New York. Werke aus den Sammlungen beider Stiftungen werden vereint und in einer Serie von kuratierten Präsentationen, der «Calder Gallery», ausgestellt. Ziel ist es, in der Fondation Beyeler eine permanente Präsenz von Werken des bedeutenden amerikanischen Künstlers Alexander Calder (1898–1976) zu ermöglichen, wie sie in Europa einzigartig ist, und einen Beitrag zur Erforschung seines Œuvre zu leisten. Damit knüpft die Fondation Beyeler sowohl an ihre grosse Ausstellung «Calder – Miró» (2004) als auch an ihre Serie von «Rothko Rooms» an.

Alexander Calder (1898 – 1976), dessen Karriere nahezu das gesamte 20. Jahrhundert umspannt, ist einer der renommiertesten und einflussreichsten Bildhauer unserer Zeit. In eine berühmte Familie von vornehmlich klassisch ausgebildeten Künstlern hineingeboren, benutzte Calder seine Schaffenskraft, um den Horizont der modernen Kunst nachhaltig zu erweitern. So begann er eine neue Methode des Bildhauens zu entwickeln: Durch Biegen und Drehen von Draht, „zeichnete“ er dreidimensionale Figuren in den Raum. Calder ist bekannt für die Erfindung des Mobiles, dessen ausbalancierte, abstrakte Elemente sich immerzu in neuen, harmonischen Kombinationen bewegen. Calder hat sich auch der Herstellung von grossen Aussenskulpturen verschrieben, die er aus verbolztem Stahlblech fertigte. Heute zieren diese filigranen Giganten zahlreiche öffentliche Plätze auf der ganzen Welt.

Die Calder Foundation mit Sitz in New York, ist eine im Jahr 1987 gegründete Non-Profit-Organisation mit dem Ziel, Kunst und Nachlass Alexander Calders zu sammeln, zu erhalten und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Stiftung kann auf eine unvergleichliche Sammlung an Werken und Archivmaterial zurückgreifen. Die Tätigkeiten der Stiftung bestehen im Wesentlichen aus der Mitwirkung bei Ausstellungen und Publikationen, dem Ausbau und Unterhalt des Calder-Archivs und der Katalogisierung aller vom Künstler geschaffenen Werk.

Öffnungszeiten der Fondation Beyeler: täglich 10.00–18.00 Uhr, mittwochs bis 20.00 Uhr

Alexander Calder – Bäume
Abstraktion benennen
8. Juni 2013 – 12. Januar 2014

Fondation Beyeler,
Beyeler Museum AG,
Baselstrasse 77,
CH-4125 Riehen
 www.fondationbeyeler.ch

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