Mittwoch, 3. Juli 2013

Schwebende Mönche und mystische Meister - Tibet im Comic

The Green Lama Nr. 1: 'The Court of Crime'. Text: Richard Foster, Zeichnungen: Mac Raboy. Spark Publication, 1944
Zürich.- Yaks, Yetis, Yogis – Tibet im Comic bietet das Zürcher Museum Rietberg ab 14. Juli. Schwebende Mönche und mystische Meister, sanftmütige Yaks und furchterregende Yetis, mächtige Klosterburgen und einsame Bergspitzen – diese Stereotypen unseres westlichen Tibet-Bildes tauchen immer wieder in Comics auf. Das sagenumwobene Reich auf dem Dach der Welt inspiriert die Comic-Künstler seit über 60 Jahren. Superhelden wie der Grüne Lama, Doktor Strange oder Thunderbolt erwerben ihre übernatürlichen Kräfte durch die Lehren der weisen Mönche in Tibet. Da macht sich ein nervenkranker Dagobert Duck macht sich auf die Suche nach dem paradiesischen Shangri-La, einem Land ohne Geld. Sogar Buffy, die Dämonenjägerin, zieht sich nach Tibet zurück und versucht dort ihren inneren Frieden zu finden. Das Tibet der Comics ist voller Klischees und Absurditäten. Die Ausstellung zeigt die Quellen dieser populären Irrtümer über Tibet auf und ergründet die Herkunft unserer westlichen Fantasien über das wenig bekannte Land. Über 80 ausliegende Comichefte – aus Europa, USA, Indien, Japan, China und auch aus Tibet selbst – laden zum Schmökern und Eintauchen in die geheimnisvolle Gegenwelt der Comics ein.

Seit der französische Literaturwissenschaftler Francis Lacassin 1971 den Begriff der «Neunten Kunst» geprägt hat, sind Comics aus der Nische der Trivialliteratur herausgetreten und haben als eigene Kunstform Akzeptanz gefunden. Heute gibt es Comic-Festivals in den verschiedensten Städten der Welt mit unzähligen begeisterten Fans aller Altersklassen, die neusten «Grafik Novels» werden in den Feuilletons besprochen und an den Universitäten wurden Lehrstühle zur Comic-Forschung eingerichtet. Dabei werden die Comics nicht nur als genuine Verbindung von Literatur und Bildnerischer Kunst untersucht, sondern auch als Spiegel für gesellschaftliche Phänomene.

In der Darstellung von Tibet zeigen sich die Ängste und Träume der Menschen auf ganz besondere Weise. Schon früh diente das wenig bekannte und schwer zugängliche Land zwischen den höchsten Gipfeln der Welt als Projektionsfläche für westliche Fantasien. Im 17. Jahrhundert glaubte man, dass in Tibet der Priesterkönig Johannes sein Paradies auf Erden errichtet hätte. Im 19. Jahrhundert war die Ansicht verbreitet, dass eine Gruppe von Weisen aus dem legendären Atlantis in Tibet überlebt habe und ihr geheimes Wissen dort aufbewahre. Und unser heutiges Tibet-Bild im Westen ist stark geprägt von der Lehre der Gewaltlosigkeit des 14. Dalai Lama. Alle diese Projektionen sind in der Comic-Literatur aufgenommen worden.

Die Ausstellung weist die Quellen unseres heutigen Tibet-Bildes auf und zeigt, wie diese in den Comics verarbeitet sind. Vor allem ermuntert sie dazu, die verschiedenen Comics selbst zu erkunden. Über 80 Comics und Comicgeschichten liegen in der Ausstellung aus, die an Tischen, auf bequemen Sesseln oder Kissen gelesen und durchgeblättert werden können. Diese Comics stammen aus den letzten sechs Jahrzehnten und wurden in den Vereinigten Staaten, in England, Frankreich, Belgien, Italien und der Schweiz, in Indien, China und Japan publiziert. Vom Superhelden-Genre bis zur politischen Propaganda, von Bugs Bunny bis zu Lara Croft, von philosophischer Ich-Suche bis zur brutalen Abrechnung zwischen Supermächten – die Comics umfassen alle Genres und Stile und zeigen die ganze Bandbreite der Darstellungsweise von Tibet im Comic.

In der Gruppe der Biografischen Comics finden sich religiöse Hagiografien neben ganz eigenwilligen Darstellungen vom Leben der heiligen Gestalten. Die Lehrreichen Comics sind vor allem für tibetische Kinder geschrieben und vermitteln alte Volksgeschichten oder praktische Lebensweisheiten. Die Politischen Comics spiegeln die weltpolitische Situation ihrer Zeit. In den 1940er-Jahren müssen amerikanische Superhelden das tibetische Volk vor dem Einmarsch der Japaner bewahren. In den 1980er-Jahren planen finstere SS-Schergen von ihrem Unterschlupf im Himalaja aus die Welteroberung und in den letzten zwanzig Jahren beschäftigen sich die Comics immer mehr mit der Zerstörung der tibetischen Kulturtraditionen durch die chinesische Besetzung und Überfremdung.

Die grösste Gruppe stellen die Comics des Fantasy-Genres dar. Superhelden und Oberschurken, weise Lamas und weltabgewandte Mönche, schreckliche Schneemenschen und gemeine Verbrecher tummeln sich in dieser sagenhaften Welt. Die Helden machen sich auf die Suche nach dem Yeti oder nach Shangri-La, sie streben nach Reichtum und Ruhm oder nach höherer Erkenntnis.

Immer ist Tibet der Ort des Aussergewöhnlichen und Irrationalen: Der Grüne Lama muss nur das tibetische Mantra «om mani padme hum» rezitieren, schon verwandelt er sich in den unbesiegbaren Superhelden. Der französische Geheimagent Pharaon erlebt in Tibet beängstigende Visionen. Der weisse Lama lernt von seinem Meister, den Körper zu verlassen und sein Unterbewusstsein zu erkunden. Dagobert Duck übt sich in Telekinese, um Reisekosten zu sparen. Und sein Neffe Donald sucht in einer Lebenskrise den weisen Lama Brahma im Himalaja auf, der ihm auf wahrlich Ducksche Weise die Essenz des Buddhismus vermittelt: «Wisse, wir alle sind nur Maiglöckchen auf den Flügeln des universellen Frosches.»

Öffnungszeiten: Di bis So 10 – 17 Uhr, Mi und Do 10 – 20 Uhr. Montag geschlossen

Yaks, Yetis, Yogis – Tibet im Comic
14. Juli bis 10. November 2013
Museum Rietberg
Gablerstrasse 15
CH-8002 Zürich
0041 (0)44 206 31 31
museum.rietberg@zuerich.ch
http://www.rietberg.ch

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