Mittwoch, 31. Dezember 2008

Zürich: Painted! bei Daros (bis 15. Februar)

Zürich.- Seit Mai 2001 stehen in Zürich unter der Bezeichnung Daros Exhibitions im Löwenbräu-Areal Ausstellungsräume zur Verfügung, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft u.a. der Kunsthalle und des Migros Museums für Gegenwartskunst befinden. In thematischen und monografischen Zusammenstellungen werden Kunstwerke aus den Daros-Sammlungen analysiert, erörtert und auf ihre Relevanz geprüft. Die Ausstellung "Painted!" präsentiert noch bis 15. Februar Neuankäufe der Daros-Sammlungen von Beate Günther, Guillermo Kuitca, Richard Allen Morris. Die ehemalige Bierfabrik, hat sich "zu einem der spannendsten Laboratorien der Gegenwartskunst in Europa entwickelt", urteilte Eva Karcher 2004 in der Welt online.
Die Daros Collection ist eine AG, die zur Anova-Gruppe von Stephan Schmidheiny gehört. Begründet wurde sie von dessen Bruder Alexander, der 1993, erst 41-jährig, verstorben ist. Alexander Schmidheiny war ein passionierter Kunstsammler, der vor allem durch seinen Jugendfreund Thomas Ammann zu wirklich herausragender Kunst gekommen ist. Der Umbau der langfristig gemieteten Liegenschaft in ein Museum kostete 5 Millionen Franken, schrieb die NZZ zur Eröffnung. Architekt Walter Rüegg hat dafür den ehemaligen Gärkeller des Zürcher Löwenbräuareals so umgewandelt, dass sich drei grosszügige Ausstellungssäle von insgesamt 800 Quadratmeter Fläche ergeben haben.

Im halbjährlichen Wechsel sind in den Ausstellungsräumen thematische oder monographische Werkgruppen aus den Daros-Sammlungen zu sehen. Während der Bestand der Daros Collection künstlerische Positionen der internationalen, überwiegend nordamerikanischen Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (u. a. Louise Bourgeois, Bruce Nauman, Barnett Newman, Andy Warhol) vereint, fokussiert Daros-Latinamerica auf zeitgenössische Kunst aus Zentral- und Südamerika (u. a. Tania Bruguera, Antonio Dias, Fabian Marcaccio, Vik Muniz, Doris Salcedo). In Ergänzung zur Sammel- und Ausstellungstätigkeit setzt sich Daros Art Education zum Ziel, in Kindern und Jugendlichen die Freude an der Gegenwartskunst zu wecken."Kunst ist erklärungsbedürftig geworden, und selbst wo sie scheinbar leicht verständlich ist, bringen die vertiefte Auseinandersetzung und die Kenntnis von Hintergrundinformationen einen Gewinn", heißt es auf der Daros Homepage.

Painted! zeigt drei – in der Schweiz noch weitgehend unbekannte – kompromisslose malerische Positionen, die jüngst in die Daros-Sammlungen integriert wurden. Beate Günther, Guillermo Kuitca und Richard Allen Morris haben in den letzten Jahrzehnten mit völlig unterschiedlichen künstlerischen Strategien kontinuierlich die Grenzen des malerisch Möglichen ausgelotet und ein unverwechselbares, eigenständiges Œuvre aufgebaut. Sie veranlassen den Betrachter zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit den möglichen Bedeutungsebenen und Inhalten, welche die Malerei bereithalten kann. Ausserordentlich präzis in ihrem Gestaltungswillen verstehen sie die Malerei als existentielles künstlerisches Ausdrucksmittel und setzen mit ihren Werken pointierte Kontrapunkte zur gängigen Salonmalerei unserer Tage.

Die seit 1984 in Berlin ansässige Beate Günther arbeitet mit Pigmenten. Aus ihnen schafft sie dicht angelegte Gewebe von grosser Feinheit in unterschiedlichsten Farben und Formen, deren Oberflächen von einem aussergewöhnlich nuancierten malerischen Reichtum geprägt sind. Subtile Bewegungen im Farbauftrag führen zu plastischen Konstruktionen auf der Leinwand. Die Stofflichkeit der gesetzten Pigmente lässt ihre Bilder einmal warm, sinnlich und üppig, dann wieder kompromisslos kühl und verschlossen erscheinen. Trotz ihrer eindeutig und präzis nachvollziehbaren Gestalt entziehen sich die Bilder jeder vorschnellen inhaltlichen Festlegung und bleiben umso offener, dynamischer und flexibler in ihrer möglichen Interpretation.

Die Werkgruppe Desenlace I–IV (=Lösung/Ende) des in Buenos Aires lebenden Guillermo Kuitca (1961) oszilliert zwischen düster-bedrohlicher Gewalttätigkeit, Fragilität und kühler Eleganz. Bildmächtig inszeniert Kuitca die vier grossformatigen, dramatischen Gemälde, in welchen er sich mit dem Vokabular des Kubismus und dem des argentinisch-italienischen Künstlers Lucio Fontana auseinandersetzt. Dieser provokante Beitrag zur letztjährigen Biennale in Venedig, bei der Kuitca Argentinien vertrat, wirkt nachhaltig verstörend. Zu unerhört scheint das Experiment, sich heute intensiv mit einer Kunstströmung zu befassen, die bereits 100 Jahre zurückliegt. Kuitca stellt sich den grossen Meistern der Moderne und misst sich an ihnen, nicht ohne beim Betrachter bleibende Spuren zu hinterlassen.

Der Kalifornier Richard Allen Morris (1933) lebt seit Jahren in San Diego, abseits der hektischen internationalen Kunstszene. Respektlos, kühn, geradezu frech und immer voller malerischer Bravour, setzt er sein eigenes, mitunter skurril anmutendes Welttheater in Malerei um. Spielerisch und humorvoll reflektiert er auf seine ureigene Weise die ihn umgebende (Kunst-)Welt. Scharfe Beobachtungsgabe sowie Sinn für Ironie und Absurdität verleihen seinem Werk eine ausgeprägte eigene Note. Ohne Berührungsängste vor Comic und Karikatur erstaunt die Malerei von Morris bis heute durch ihre ungetrübte Frische und Spontaneität. Werke aus den vergangenen 50 Jahren spannen einen Bogen über das gesamte künstlerische Schaffen dieses vor Ideen sprudelnden Malers.
Zur Ausstellung gibt es einen Katalog mit Künstlergesprächen sowie Texten von Hans-Michael Herzog und Roland Wäspe. Herausgegeben von Daros Latinamerica AG und Daros Services AG, Hatje Cantz, Ostfildern, 2008, ISBN 978-3-7757-2328-2

Foto: Guillermo Kuitca, Untitled (Baroque Theatre) 1997, Quelle: Daros Lateinamerika

Daros Exhibitions
Löwenbräu-Areal
Limmatstrasse 268
CH-8005 Zürich
Telefon +41 44 447 70 00
Fax +41 44 447 70 10
Ausstellungsprogramm (Tonband) +41 44 447 70 05
info@daros.ch
www.daros.ch

Donnerstag bis Sonntag:
12 bis 18 Uhr
Geschlossen am:
25. Dezember 2008 und 1. Januar 2009
Der Eintritt von CHF 5.- kommt einer wohltätigen Institution zugute.

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