Montag, 19. Oktober 2009

Neue Oscars für die "Datenkraken"


Foto Betonoscar© Franz Schachinger Pressefotograf


Zürich/Berlin.- Die deutschen Big Brother Awards, anders ausgedrückt, die "Oscars für die Datenkraken" sind bereits Freitag verliehen worden. Mit gut einem Drittel der abgegebenen Stimmen entschied das Publikum , dass Wolfgang Schäuble nicht nur den Preis in der Kategorie „Lebenswerk“, sondern auch den Publikumspreis redlich verdient hat. Bei den Schweizer "Überwachern der Überwacher" beginnen am 21. Oktober die Aktionstage, die in die Award-Verleihung am 24. Oktober in der Roten Farbrik in Zürich münden. Die diesjährigen deutschen Preisträger: Für die Sparte Sport das Berliner Organisatonskommitee der Leichtathletik WM, für die Arbeitswelt Mitarbeiter-Überwachungs-Unternehmen wie die Claas GmbH, in der Politik Ursula von der Leyen und in der Wirtschaft Firmen, die Überwachungstechnik für Internet und Telefon anbieten.

Die Aktionswoche in Zürich bietet einen Rückblick über die ersten zehn Jahre der Schweizer Big Brother Awards (mit rund 1000 Nominationen); eine Standortbestimmung zu Überwachung und Kontrolle 25 Jahre nach "1984" (nach dem Roman von George Orwell); sowie einen Ausblick mit Fokus auf Möglichkeiten von Kritik und Widerstand.

Seit dem Jahr 2000 wird dieser Negativ-Preis in vielen Ländern vergeben und dabei auch immer Ross und Reiter genannt, sprich, die Namen jener, "die für Datenschutzvergehen, für Überwachungstechnologien und -gesetze und uferlose Datensammlungen verantwortlich sind", so die Schweizer Website. Für die Verleihung der Big Brother Awards in fünf Kategorien können alle Personen, Organisationen, Behörden, Firmen und sonstige Institutionen nominiert werden, "die das persönliche Grundrecht auf den Schutz der Privatsphäre missachten und/oder die Überwachung und Kontrolle von Personen oder von Personengruppen fördern".

Und Big Brother Awards haben viel bewirkt: Sie machten die Datenschutzprobleme bei Kundenkarten bekannt und zeigten die Risiken von RFID-Chips. Schon lange vor den Skandalen bei Lidl, Telekom, Bahn und Co. wurden die BigBrotherAwards an diese Konzerne verliehen, für die Überwachung von Mitarbeitern und Kunden. Klar, dass auch Otto Schily und Brigitte Zypries für die Einschränkung der Bürgerrechte mit diesem Preis bedacht worden sind.

Doch die Idee zu dieser Auszeichnung gibt es schon länger: Im Jahre 1998 organisierte die Menschenrechtsorganisation Privacy International in London die Verleihung der ersten Big Brother Awards, um Personen, Organisationen, Behörden, Firmen und sonstige Institutionen auszuzeichnen, welche die Überwachung und Kontrolle von Personen oder von Personengruppen fördern. Seither wurden diese Preise auch in den USA, Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, der Schweiz und vielen anderen Ländern verliehen. Und jährlich machen weitere Länder bei dieser Aktion mit.

Die deutsche Jury besteht aus Vertretern der unabhängigen Organisationen FoeBuD e.V., Deutsche Vereinigung für Datenschutz (DVD), Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF), Förderverein Informationstechnik und Gesellschaft (Fitug), Chaos Computer Club (CCC), Humanistische Union (HU) und die Internationale Liga für Menschenrechte (ILMR) an.

Die Schweizer Juroren für 2009: Susan Boos, St. Gallen, Redaktionsleiterin WOZ Die Wochenzeitung; Nils de Dardel, Genf, Rechtsanwalt und ehemaliger Nationalrat, SolidaritéS; Felix Kuhn, Luzern, Texter und Kunstmaler; Danièle Lenzin, Zürich, Co-Präsidentin der Gewerkschaft comedia; Paul Rechsteiner, St. Gallen, Präsident Schweiz. Gewerkschaftsbund SGB und Nationalrat der SPS; Christian Schürer, Zürich, Produzent und Redaktor Kassensturz, SF Schweizer Fernsehen; Daniel Weber, Zürich, Redaktionsleiter NZZ-Folio; Cédric Wermuth, Baden, Präsident JUSO Schweiz.


Aktionswoche und Ausstellung in Zürich:

VOM ÜBERWACHEN DER ÜBERWACHER
Gesellschaft – Kunst – Kontrolle
Dienstag 20. Oktober bis Samstag 24. Oktober 2009, 14-22 Uhr
in der Shedhalle der Roten Fabrik, Zürich
Mit Ausstellung, Aktionen, Diskussionen, Videos, Soundcollagen, Interviews
und mit einem realen Büro der Gegenüberwacher.
Tagesprogramm
Version vom 16. Oktober 2009
aktuell: http://www.bigbrotherawards.ch/2009/10jahre/
Dienstag, 20. Oktober 2009, 14 bis 22 Uhr
Die Ausstellung ist von 14 bis 22 Uhr geöffnet. Das Büro der Gegenüberwacher recherchiert, sammelt und archiviert Daten aller Art.
ab 14 Uhr: ENTSORGUNG UND RECYCLING von Überwachungsapparaturen und Erinnerungen Wollen Sie Überwachungsapparaturen wie Kameras, Feldstecher oder Mikrofone loswerden? Von welchen Tagebüchern, Fotoalben, Notizzetteln, Kunstwerken, Geschenken, Logfiles und schlechten Erinnerungen möchten Sie sich gerne trennen?
Bringen Material in die Shedhalle zur gemeinsamen Begutachtung und Integration in die Ausstellung, der folgenden Archivierung oder fachgerechten Entsorgung.
Bringen Sie auch Ihre Fragen und Anregungen zum Thema Überwachung mit.
Mittwoch, 21. Oktober 2009, 14 bis 22 Uhr
Die Ausstellung ist von 14 bis 22 Uhr geöffnet. Das Büro der Gegenüberwacher recherchiert, sammelt und archiviert Daten aller Art.
Tagesthema: GEHEIMNIS, TRANSPARENZ UND MACHT, u.a. mit Vertretern der neu gegründeten Piratenpartei Schweiz PPS.
19 Uhr: Offizielle Eröffnung der Ausstellung «10 Jahre Schweizer Big Brother Awards Schweiz» mit individuellen Begrüssungen durch den Ausstellungshüter Martin Ostermeier und mit «Gossiptalk» (Audio).
20 Uhr: Der Privatüberwacher Christoph Fischer stellt seine Arbeit «Teufelskreisel» vor
21 Uhr: Kommentierte Kurzfilme zum Thema

Donnerstag, 22. Oktober 2009, 14 bis 22 Uhr
Die Ausstellung ist von 14 bis 22 Uhr geöffnet. Das Büro der Gegenüberwacher recherchiert, sammelt und archiviert Daten aller Art. Tagesthema: ABBILDER DES SELBST
ab 17 Uhr: Individuelle Begrüssung der AusstellungsbesucherInnen durch den Ausstellungshüter Martin Ostermeier. Simon Berz (BA-DA-BUM) sammelt und sampelt Töne.
20 Uhr: Der Luzerner Künstler René Gisler stellt sein Projekt PHANTOMBILDER vor. Anschliessend Diskussion.
Freitag, 23. Oktober 2009, 14 bis 22 Uhr
Die Ausstellung ist von 14 bis 20 Uhr geöffnet. Das Büro der Gegenüberwacher recherchiert, sammelt und archiviert Daten aller Art. Tagesthema: SPUREN, PINs und DATA MINING
ab 17 Uhr: Individuelle Begrüssung der AusstellungsbesucherInnen durch den Ausstellungshüter Martin Ostermeier. Simon Berz (BA-DA-BUM) sammelt und sampelt Töne.
20 Uhr: DIE GROSSE BBA-SHOW, von und mit Mario Purkathofer (dock18.ch, wildprovider.ch), mit Gästen. Interviews, Kurzvideos, Zuschauerspiel, Versteigerung, Demonstration von Google StreetView, Performances, Merchandising, Musik und mehr.
Samstag, 24. Oktober 2009, 14 bis 22 Uhr
Die Ausstellung ist von 14 bis 20 Uhr und von 22 bis 24 Uhr geöffnet. Das Büro der Gegenüberwacher recherchiert, sammelt und archiviert Daten aller Art.
ab 17 Uhr: Individuelle Begrüssung der AusstellungsbesucherInnen durch den Ausstellungshüter Martin Ostermeier. Simon Berz (BA-DA-BUM) sammelt und sampelt Töne.
20 Uhr: PREISVERLEIHUNG DER 10. SCHWEIZER BIG BROTHER AWARDS im «Clubraum» der Roten Fabrik
• Moderiert vom Schauspieler ERNST JENNI
• mit Kommentaren der Spoken-Word-Gruppe BERN IST ÜBERALL
(Gerhard Meister, Noëlle Revaz, Margrit Rieben und Michael Stauffer)
• und Videobeiträgen von TELE G (Guido Henseler)
• und Samplings von Simon Berz (BA-DA-BUM)
Eintritt Fr. 20.– / 15.– Anschliessend Bar und Party im Clubraum.
Die Ausstellung ist von 22 bis 24 Uhr geöffnet.

Änderungen vorbehalten!
Weitere Informationen: http://www.bigbrotherawards.ch/2009

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