Freitag, 11. Dezember 2009

Buchtipp: Der gute Ort

Foto: Ruben Frankenstein, Quelle: Albert Ludwig Universität Freiburg

Freiburg.- Die Neuerscheinung trägt den Titel „Denkmal und Name – Der gute Ort Freiburg“. Es geht um eine umfassende Dokumentation des jüdischen Friedhofs an der Elsässer Straße, den das Stadtarchiv Freiburg vorgelegt hat. Der Publizist Ruben Frankenstein, geboren in Israel, hat die Dokumentation zusammen mit Studierenden erarbeitet und damit ein nahezu
abgeschlossenes Kapitel jüdischer Friedhofsgeschichte dargestellt.

Nach jüdischer Sitte sollen die Ruhestätten der Toten für alle Zeiten unberührt bleiben und damit Orte der ewigen Ruhe sein. Eine vorzeitige Räumung der Gräber ist undenkbar. Allenfalls dem Zahn der Zeit (und leider auch immer wieder Schändungen) fallen die Grabsteine zum Opfer. Auf dem jüdischen Friedhof, dem „guten Ort“, wie er liebevoll genannt wird, erzählen über 900 Steine mit zumeist hebräischen Inschriften vom Leben und Wirken jüdischer Freiburgerinnen und Freiburger.

Nach Jahrhunderten des Ansiedlungsverbots im vorderösterreichischen Freiburg war Juden endlich 1806 in der nunmehr badischen Stadt der Aufenthalt erlaubt. Aber erst nach dem Emanzipationsgesetz von 1862 konnten sie hier das Bürgerrecht erwerben. Zu Beginn des Jahres 1864 lebten bereits über 100 Juden in der Stadt. Bis 1925 wuchs die Zahl auf 1.400, 1939 waren es noch 800. Seit 1864/65 bestand eine jüdische Religionsgemeinde, 1870/71 wurden der Friedhof angelegt und eine Synagoge erbaut. Nach 140 Jahren ist der Friedhof nahezu vollkommen belegt, und die Schließung steht bevor. Der neue Friedhof im Stadtteil St. Georgen ist zur Aufnahme von Gräbern bereit.

Das Buch enthält eine Einführung in das jüdische Begräbniswesen und die Geschichte des jüdischen Friedhofs. Die vom Autor mit Studierenden der Universität Freiburg erarbeitete Dokumentation beschreibt alle Grabsteine formal – ihren Zustand, die Gestaltungsmerkmale, deutsche und hebräische (mit Übersetzung) Inschriften sowie biografische Hinweise zur bestatteten Person. Hinzu kommen ein Bildteil, der die Mehrzahl der Grabsteine zeigt, ein Personenregister, Literaturangaben sowie ein auffaltbarer Plan des Friedhofs mit den einzelnen Grabstätten.

Ruben Frankenstein wurde 1938 in Tel Aviv geboren. Er studierte dort und in Jerusalem Jura, später Germanistik, Judaistik, Geschichte und Volkskunde in Wien und Freiburg. Frankenstein arbeitete von 1965 bis 1974 als Staatsanwalt in Tel Aviv und ist seitdem Lehrbeauftragter für hebräische Sprache und Literatur an der Universität Freiburg sowie an der Volkshochschule. Außerdem arbeitet er als Übersetzer und Publizist. Frankenstein ist Begründer und Leiter der seit 1995 bestehenden, nach dem Untergrundarchiv im Warschauer Ghetto benannten literarischen Reihe „Oneg Schabbat“ und Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit.

Ruben Frankenstein, Denkmal und Name – Der gute Ort Freiburg: Dokumentation des jüdischen Friedhofs, 334 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Faltplan, Verlag Stadtarchiv Freiburg, Grünwälderstraße 15, 79098 Freiburg, ISBN 978-3-923272- 34-1, 24.50 €

Kommentare:

aline hat gesagt…

Anmerkung: es wäre doch durchaus im Rahmen des Möglichen, die Namen der Studierenden zu nennen, die an dieser aufwändigen Dokumentation gearbeitet haben!

3land.info hat gesagt…

Stimmt, das fand ich auch. Sie standen in der Pressemeldung aber leider nicht drin.

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