Montag, 14. Dezember 2009

Frau ohne Schatten

Foto: Suzanne Schwiertz, Quelle: Opernhaus Zürich

Zürich.- Hugo von Hofmannsthal und der Komponist Richard Strauss haben für die Frau ohne Schatten aus vielen Quellen geschöpft. Das Opernhaus Zürich bringt sie nach der letzten Neuinszenierung in der Spielzeit 1994/1995 erneut auf die Bühne. Diese Oper ist in mancher Hinsicht singulär. Das betrifft zum einen den Stoff und seine Gestaltung, zum anderen die Dimension und den Schwierigkeitsgrad. Die Anforderungen sowohl an die Sängerinnen und Sänger, als auch an den Dirigenten, das Regie-Team und das Orchester sind immens. Bei Strauss-Kennern – und allgemein bei vielen Opernfreunden – geniesst "Die Frau ohne Schatten" beinahe einen mythischen Status. Nun stellen sich Franz Welser-Möst und der englische Regisseur David Pountney dem Werk. Die Hauptpartien sind mit Emily Magee und Roberto Saccà als Kaiserpaar, Janice Baird und Michael Volle als Färberpaar und Birgit Remmert als Amme besetzt.

Ähnlich, wie zwischen dem "Rosenkavalier" und Mozarts "Figaro" eine Analogie besteht, entschieden Komponist und Librettist, es sollte diesmal ein Werk in der Nachfolge der "Zauberflöte" werden. Also eine so genannte Prüfungsoper. Das heißt, die Hauptfiguren müssen sich gegenüber lockenden Versuchungen bewähren und grosses Leid ertragen, um durch Läuterung schliesslich ein gesteigertes Menschsein zu erlangen.
Zugleich ein Werk, in dem eine fantastische Welt entworfen wird: "Das Ganze bunt, Palast und Hütte, Priester, Schiffe, Fackeln, Felsengänge, Chöre, Kinder...", schreibt Hofmannsthal im März 1911 an Strauss. Goethes "Faust" klingt in verschiedenen Motiven und Zitaten an, und zwar sowohl "Faust I" (in der mephistophelischen Figur der Amme) als auch "Faust II" mit seinem an tiefsinnigen Symbolen reichen Bilderreigen. Die märchenhafte Zauberwelt der "Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht" lieferte einige Motive und Namen – den des Färbers Barak, der als einziger im Stück einen Namen hat, sowie den des Vaters der Kaiserin, des Geisterfürsten Keikobad, der nie auftritt, aber eine wichtige Rolle spielt. Vor allem liess sich Hofmannsthal von der märchenhaften Atmosphäre und dem Auftreten übernatürlicher Mächte sowie vom orientalischen Kolorit inspirieren.

Das Sujet des Stückes geht auf uralte Mythen und Märchen zurück: der Verlust des Schattens steht für den Verlust der Seele oder auch des Menschseins. In der Romantik hat Adalbert Chamisso das Thema in der berühmt gewordenen Erzählung "Peter Schlemihls wundersame Geschichte" gestaltet. Hofmannsthal bringt diese archaische Sinnschicht mit einem anderen Thema zusammen, das er aus einem der Fabelstücke des venezianischen Komödienautors Carlo Gozzi entlehnte: "Die Schlangenfrau". Darin versucht ein feenartiges Wesen, aus Liebe zu einem Menschen selbst Mensch zu werden. Also eine Schwester der Undine, der Melusine, der Rusalka, die alle aus Liebe zu einem Sterblichen ihre Herkunft aus dem Geisterreich hinter sich lassen wollen.

So verhält es sich auch mit der Kaiserin: sie ist die "Frau ohne Schatten". Die Schattenlosigkeit steht in der Oper auch dafür, dass sie bisher kein Kind unter dem Herzen trägt, obwohl sie schon fast ein Jahr mit dem Kaiser der südöstlichen Inseln zusammenlebt: "Die Nacht war nicht in zwölf Monden, dass er ihrer nicht begehrt", heisst es in der ersten Szene. Er hat sie einst in Gestalt einer weissen Gazelle erjagt; in der höchsten Bedrängnis hatte sie sich in eine Frau verwandelt und seither die Gabe verloren, sich in verschiedene Tiere verwandeln zu können. Ein Bote des Geisterreichs verkündet der Amme, was mit dem Kaiser geschieht, wenn die Kaiserin nach Ablauf eines Jahres immer noch keinen Schatten wirft, das heisst, nicht zu einem vollwertigen Menschen geworden ist: Der Kaiser wird zu Stein.

Darin drückt sich aus, dass auch er in seiner bisherigen Beziehung zur Kaiserin noch nicht das ganze Potenzial seines Menschseins erreicht hat, sein Herz im Grunde versteinert ist und sich der Liebe zu seiner Frau nicht völlig geöffnet hat. Der rote Falke des Kaisers, der bei der Begegnung zwischen Kaiser und Kaiserin eine wichtige Rolle gespielt hat, gemahnt die Kaiserin an das drohende Schicksal ihres Mannes. Daraufhin bedrängt sie die Amme, die seit der Geburt an ihrer Seite ist, den Kaiser vor der Versteinerung zu retten, indem sie ihr einen Schatten verschafft. Die Amme weiss Rat; doch dazu müssen beide hinab in die Menschenwelt, die der Amme verhasst ist.

Die Frau ohne Schatten von Hugo von Hofmannsthal
Musik von Richard Strauss (1864-1949)
Musikalische: Leitung Franz Welser-Möst
Inszenierung: David Pountney
Weitere Vorstellungen:
16.12.09, 18.30 Uhr
19.12.09, 18.30 Uhr
22.12.09, 18.00 Uhr
26.12.09, 18.00 Uhr
03.01.10, 16.00 Uhr
09.01.10, 18.00 Uhr

Opernhaus Zürich
Falkenstrasse 1
CH - 8008 Zürich
0041 (0)44 26864-00
info@opernhaus.ch
http://www.opernhaus.ch

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