Dienstag, 23. Februar 2010

Bund der Querdenker


Bild: Jann Kern

Schopfheim.- Der Kunstverein Schopfheim, KVS, startet am 28. Februar mit einer regionalen Überraschung ins Jahr 2010. Erstmalig stellt er die neu gebildete „gruppe gegenwertig“ vor. Drei Kunstschaffende aus dem Wiesental haben sich vor wenigen Monaten zu einem Verbund des künstlerischen Austauschs zusammengefunden. Thomas Krauss aus Steinen, sowie Luis Lenz und Jann Kern aus Schopfheim wollen mit dem kreativen Austausch ihrer künstlerischen Ideen dem Kunstbegriff eine neue Identität beziehungsweise einen dauerhaft gültigen Wert zurück geben. Die „gruppe gegenwertig“ formuliert dieses Ziel aus der Einschätzung, dass Kunst mehr und mehr zu einem Rendite orientierten Mode-Accessoire des Turbokapitalismus umgewandelt wurde.

„Nur die Avantgarde scheint zu zählen. Alles ist Gegenwart. Das Neueste gilt. Nach Dauerhaftigkeit wird kaum noch gefragt: Welchen Wert spiegelt das Aktuelle? Gegenwertig zu sein ist unzeitgemäß. Ist dieses Unzeitgemäße möglicherweise das heute Zeitgemäße“? So fragen die Gruppenmitglieder und geben sogleich auich ihre Antwort:

„die „gruppe gegenwertig“ ist ein Bund querdenkender Künstler, die regional verwurzelt sind, ohne das Ganze der Welt aus dem Blick zu verlieren. Im sensiblen Wahrnehmen des Unscheinbaren und des Vereinzelten wird versucht, die Signaturen des Allgemeinen zu entziffern. Die Mitglieder der „gruppe gegenwertig“ blicken aus höchst unterschiedlichen Perspektiven in unsere Gegenwart. Die Mitglieder eint keine verbindliche Gruppenmeinung, schon gar nicht eine allgemeingültige Ideologie. Und dennoch bleiben die Mitglieder nicht in postmoderner Beliebigkeit stecken. Sie sind, wie viele andernorts auch, auf der Suche nach zukunftsfähigen Lebensstilen. In der Intimität ihrer Gruppe entkommen sie dem medialen Druck der veröffentlichten Meinung. Denkend und gestaltend entwerfen sie Möglichkeiten einer anderen Öffentlichkeit, eben einer „ gegen- wertigen“.

In der Ausstellung des Kunstvereins Schopfheim stellen die gestaltenden „Künstler“ der Gruppe erstmals öffentlich ihre Werke zur Diskussion. Die Kunstschaffenden haben dabei ganz unterschiedliche Sichtweisen auf ihre individuelle Arbeit:

Luis Lenz

Sie sieht, wie wir alle, Konkretes, beispielsweise Objekte der Architektur oder Gemälde in einer Ausstellung, selbstverständlich und vor allem auch die Natur. Dabei gerät ihr auch das Unscheinbare und Hässliche in den Blick. Dann konzentriert sie sich und nimmt nur noch Fragmente wahr. Die Kamera hält ein Detail fest. Die vorgefundene einheitliche Wirklichkeit ist ihr zu groß, zu mächtig. Sie wird zerstört. Aus diesem Prozess der Dekonstruktion entstehen neue Wirklichkeiten, die den Ausgang bilden für die Gestaltung anderer Objekte. Damit werden ihre Bilder zur Schule der Achtsamkeit. In ihrem sorgsamen Wahrnehmen protestiert sie gegen das oberflächliche Vernutzen von allem. Ihre Fotokunst lebt aus einer Haltung des Schonens.

Jann Kern

Dem ausgebildeten Architekten ist schon immer die Nähe zur Kunst als persönliche Herausforderung erschienen. Dabei hat er früh die Technik der 3-d-Modellisierung, wie sie in der Architekturdarstellung angewendet wird, auf deren Möglichkeiten in der freien künstlerischen Darstellung untersucht. Später erweitert er sein Ausdrucksrepertoire auf die Malerei. Abstrakte Studien entstehen, in denen er die Wirkung unterschiedlich proportionierter Farbflächen auf den Betrachter untersucht. In diese Periode gehören auch gesellschaftskritisch anmutende und dem Realismus verpflichtete Ölbilder. In jüngerer Zeit entdeckt er eine Mischtechnik aus Druckgrafik und Acrylmalerei für sich. Dabei tritt das Medium Text zunehmend in den Vordergrund.
Thomas R. Krauss

Als Designer, im Dienste der „freien Wirtschaft“ und damit unserer immer problematischer werdenden Wachstumsideologie, bleiben ihm die großen existentiellen Fragen offen. Auch in der globalisierten und dem lifestyle unterworfenen Kunst, die ihm nicht selten Tiefsinn „an der Grenze zum Unsinn“ anzubieten scheint, gibt es für ihn keine existenztragenden Antworten. Er versucht, diese in zum Teil großflächigen Ölbildern zu finden. Solche Bilder sind ihm ein Mittel des Ausdrucks von Einsichten und Ansichten – konzentriert in Form und Farbe. Dabei bewegt ihn die Dialektik von sinnvoller lokaler Verwirklichung und primär ökonomisch gesteuerter globaler Fremdbestimmung. In sofern sind seine neuen Werke auch Spiegel seiner kritischen Reflexionen, die dem Projekt Aufklärung verpflichtet bleiben.

Die Ausstellung in der Kulturfabrik Schopfheim dauert vom 28. Februar bis 4. April 2010. Die Vernissage, zu der die Öffentlichkeit herzlich eingeladen ist, beginnt am Sonntag, 28. Februar um 11,00 Uhr. Danach ist die Ausstellung jeweils Mittwoch von 14 bis 18 Uhr, Samstag von 14 bis 17 Uhr sowie Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.

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