Montag, 1. Februar 2010

Freiburger Safari


Vom 4. bis 7. Februar geht das Theater Freiburg auf SAFARI Bildquelle: Theater Freiburg

Freiburg.-
Afrika erobert vom 4. bis 7. Februer die Freiburger Kammerbühne: Mit der Inszenierung »Hanib Ali ante Portas Germany Teil 1« hat sich der Themenschwerpunkt innerhalb der »Festung Europa« auf die Beziehung zwischen Afrika und Europa konzentriert. Jetzt begeben sich vier Tage lang Regisseure mit und ohne Afrika-Erfahrung, Freiburger Afrikaner mit reiflichen Europakenntnissen, afrikanische Musiker, deutsche Schauspieler und alle, die mitreden wollen, auf Themen-SAFARI zwischen dem weißen und dem schwarzen Kontinent: Warum geht kein Mensch in Kamerun freiwillig spazieren? Warum machen sich deutsche Künstler zu Afrika-Experten? Ist die Piraterie in Ex-Somalia eine neue Wirtschaftsform? Welche Parallelen zu seiner eigenen Arbeit entdeckt ein Psychotherapeut in den Tranceritualen der Gnawa in Marokko? Es wird drei Inszenierungen geben, zwei Konzerte, eine Filminstallation und mehrere Diskussionsrunden, in denen Freiburg nach Afrika blickt und im Gegenzug den Schwarzwald durchleuchtet bekommt.

Zu Gast über den Zeitraum des Festivals ist der Münchner Nigerianer Uche Akpulu, Umwelttechniker und manchmal Schauspieler. Er wird das Geschehen kritisch begleiten und in öffentlichen Sprechstunden reflektieren.

Das Programm

FILMINSTALLATION »BENZIN«
»In Europa ankommen, heißt rennen lernen.
In Europa ankommen heißt, dass es für alles eine Ordnung gibt.
Nur die Sonne geht manchmal früh, manchmal spät auf.«

Festival 4. - 7. Februar 2010 in der Kammerbühne
SAFARI – Jagt den weißen Kontinent!
4 Tage Theater, Diskurs, Konzert zwischen Freiburg & Afrika
Konzept & Dramaturgie: Ruth Feindel


Eine Rekonstruktion von Tauschsystemen in Lagos
von Constanze Fischbeck und Daniel Kötter
In Kooperation mit dem E-Werk Freiburg

In der 7-Kanal-Raum-Videoinstallation von Constanze Fischbeck und Daniel Kötter sitzt der Betrachter mitten im Alltagsgeschehen einer Tankstelle in Surulere, einem der umtriebigsten Viertel der Megastadt Lagos in Nigeria. Er atmet Benzin und erfährt, wie und warum der Rohstoff Öl das Leben der Menschen und den Herzschlag der Stadt bestimmt: Öl ist neben Geld das einflussreichste Mittel globaler Tauschhandlungen. Die Wirtschaftskraft des Staates, Mobilität, Arbeit und das nackte Überleben hängen ab vom reibungslosen Austausch des Treibstoffs. Die Tankstelle wird zum Schauplatz, an dem die Macht des Treibstoffs greifbar wird: Durchgangsstation für Korruption, Verkehr, Small Talk, Privatleben, Wirtschafts- und Politinteressen. Constanze Fischbeck und Daniel Kötter scannen das Leben auf der Tankstelle mit 4 simultanen Kameras in Echtzeit, dokumentarische Einstellungen werden durchsetzt mit inszenierten Momentaufnahmen. Nigerianische Gewerkschafter, Areaboys, Politiker, Zwischenhändler, Journalisten und Taxifahrer berichten von Zirkulation und Stillstand. 8 Jugendliche aus Lagos kommentieren.

»BENZIN« war in Berlin bereits im Haus der Kulturen der Welt sowie in Lagos im Goethe Institut zu sehen.

»In the period of fuel scarcity Lagos is a dangerous place to be because everybody seems to be eating, drinking, sleeping fuel.« (Jahman Anikulapo, Lagos)
Zu sehen im E-Werk, in der Pfeilerhalle:
Do. 4. & Fr. 5.2.: 16 - 20 Uhr
Sa. 6.2.: 13 - 17 Uhr
So. 7.2.: 11 - 17 Uhr
Eintritt frei!
Künstlerische Mitarbeit: Ayodele Arigbabu
Soundbearbeitung: Almut Schwacke / Daniel Plewe
Produktion: Katharina Dietz / Hendrik Unger
7-Kanal-Raum-Videoinstallation, Lagos / Berlin 2008, 32 Min., englisch


PERFORMANCE »J’ habite où? Freiburg!?«
Eine lokale Mentalitätsdiagnose
von & mit Andreas Liebmann und Marcel Schwald
Video und konzeptionelle Mitarbeit: Anca Munteanu Rimnic
In Kooperation mit dem Théâtre TNT Bordeaux und Extrapole, Paris

Nehmen Sie Platz, fühlen Sie sich wie zu Hause, Sie sind zu Gast bei Andreas Liebmann und Marcel Schwald in der Kammerbühne, in Freiburg. Nehmen Sie sich eine Kleinigkeit zu essen, vielleicht eine Tasse Tee. Ihr Sitznachbar mag Ihnen unbekannt sein, keine Angst, er beißt nicht. Hoffen wir mal.
Sie werden Filme sehen aus Hochhausgebieten, in denen die Welt zu Hause ist. Hier treffen sich Menschen von überall, stapeln sich, singen und ignorieren sich im fröhlichen Miteinander, meistens friedlich. Wohnungskonglomerate werden Sammelstellen für Asylanten, Zugereiste, Einheimische. Hier kann auf engstem Raum globale Bewegung studiert und hypothetisch erfasst werden. Wenn wir schon nicht von der Elfenbeinküste kommen, dann lassen wir uns wenigstens von ihr erzählen. Der Tanz um Freiburg kann beginnen.

Andreas Liebmann, Autor, Schauspieler, Regisseur war zusammen mit der Künstlerin Anca Muntenau Rimnic zu Gast in einer Hochhaussiedlung in Bordeaux, in der die Welt zuhause ist. Zusammen mit dem Performer Marcel Schwald hat sich Andreas Liebmann jetzt in Freiburg umgesehen und befragt das internationale Zusammenleben in den Randgebäuden unserer Mitte und das zu-Gast-Sein, das man, wenn man schwarz ist, schwerlich los wird. Die Strategie der sozialen Distanz, der Ignoranz wird, auf engem Raum in der Fremde, zum essentiellen Gestaltungsmittel.
Do. 4.2., 19.30 Uhr, Kammerbühne
So. 7.2., 20.30 Uhr, Kammerbühne
SPRECHSTUNDE mit Uche Akpulu


Uche Akpulu ist für die vier SAFARI-Tage zu Gast in Freiburg. Er wird alle Veranstaltungen des Festivals besuchen und in den SPRECHSTUNDEN gemeinsam mit dem Publikum und der Dramaturgin Ruth Feindel öffentlich reflektieren. Das Theater Freiburg hat ihn eingeladen, weil er aufgrund seiner biografischen und politischen Erfahrung einen aufgeklärten, kritischen und distanzierten Blick auf die Themen hat, die sich so komplex zwischen Afrika und Europa entfalten. Und damit auch den »Blick von außen« auf alles, was sich in diesen vier Tagen künstlerisch zwischen Afrika und Freiburg ereignen wird.

Uche Akpulu wurde 1967 in Nigeria geboren und ist in der Megastadt Lagos aufgewachsen. 2003 kam er als Flüchtling nach Deutschland und lebt seither in München. Er ist studierter Biochemiker und war in Nigeria acht Jahre lang als Umweltberater tätig. Aufgrund seines jahrelang ungesicherten Aufenthaltsstatus in Deutschland konnte er bis Ende 2007, wenn überhaupt, nur ehrenamtlich arbeiten. Er hat in München bei zahlreichen Theaterprojekten der RegisseurInnen Christine Umpfenbach, Ralf Hinterding und Jörg Witte mitgearbeitet. Sein Hauptinteresse liegt in der politischen Arbeit. Er ist Mitbegründer des Arbeitskreises Panafrikanismus in München und Mitorganisator der beiden Panafrikanismus-Kongresse, die 2007 und 2009 im Münchner Goethe Institut stattfanden. Zudem engagiert er sich für die Karawane in München und ist Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats. Das letzte Jahr hat er in Nordhausen/ Thüringen verbracht, um einen Aufbaustudiengang in Umwelttechnik und Recycling zu absolvieren. Jetzt hofft Uche Akpulu auf Arbeit in seinem Beruf von der er – endlich – leben kann.
Do. 4.2., 21 Uhr, Kammerbühne
Fr. 5.2., 21 Uhr, Kammerbühne

SPRECHSTUNDE »Die Fluchtbewegungen Afrikas«
Vortrag von Uche Akpulu
»Immer, wenn ich mich als Flüchtling vorstelle, fragen mich die Leute, wie ich nach Deutschland gekommen bin. Wenn ich dann antworte, dass ich mit einem Flugzeug ankam, bemerke ich eine gewisse Enttäuschung in ihren Gesichtern.«

Die Bilder von schwarzafrikanischen Flüchtlingen, die in überfüllten Booten die Meerenge von Gibraltar überqueren, oder über die Grenzzäune der spanischen Enklaven klettern, haben sich in den letzten Jahren medial eingebrannt. Parallel hat die EU daran gearbeitet, sich mit einschlägigen Mitteln gegen den »Massenansturm« illegaler Migranten zu rüsten. Dass nur ein sehr geringer Teil der Flüchtenden Europa überhaupt zum Ziel hat und von diesen nur wenige tatsächlich dort ankommen, ist selten Teil des Migrationsdiskurses. Dabei verlassen weltweit jährlich mehr als sechs Millionen Menschen ihre Heimat, um Schutz in anderen Regionen zu finden. Die allermeisten von ihnen sind Binnenflüchtlinge, die dabei nie eine Landesgrenze überquert haben.

Uche Akpulu wird in seinem Vortrag die Flüchtlingssituation und ihre Ursachen im subsaharischen Afrika thematisieren, grundlegende Begriffe zum Thema klären und hinterfragen sowie die Rolle von Flüchtlingsschutz und -abwehr im aktuellen Migrationsdiskurs besprechen.

So. 7.2., 18 Uhr, Kammerbühne



KONZERT »African Beat Box«
mit Pape Dieye und Paul Brenning
Pape Dieye ist Instrumentalist, Sänger und Komponist aus dem Senegal. In Frankreich entwickelte er seine musikalischen Talente in Frankreich weiter. Alle afrikanischen Instrumente, die er spielt, baut er selbst. Sein Kollege Paul Brenning macht Musik nur mit Mund und Stimme. Er produziert eigene Schlagzeug- und Perkussionsounds, Synthesizer und Tiergeräusche. Wenn die beiden aufeinander treffen, findet man sich gedanklich in Afrika wieder und steht im nächsten Moment schon in der Disco: Paul Brenning imitiert, irritiert und ergänzt die Kompositionen von Pape Dieye, wobei sich Latin-Grooves, AfroBeats, HipHop und Drum n’ Base mischen. Nachdem die beiden bei der Premierenfeier von »Hanib Ali ante Portas Germany Teil 1« zum ersten Mal zusammen aufgetreten sind, wurde African Beat Box zum regionalen Exportschlager – und schon sind sie zum Auftakt von SAFARI wieder in der Kammerbühne zu hören: Den ersten Teil des Konzerts gestaltet Pape Dieye, im zweiten werden sie gemeinsam auftreten.

Do, 4.2., 22 Uhr, Kammerbühne

THEATER »Heimat doppelt sehen«
Ein Schwarzwaldabend mit Frau Ampomah & Herrn Kemajou
Regie: Luzius Heydrich

»Ich gehe auf den Schlossberg und schaue nach Littenweiler. Alles dichtes Grün.
Von weit weg sieht es aus wie Heimat, wie Kamerun, wie Urwald. Aber zwischen den Bäumen strahlt die Sonne durch. Die Leute nennen diesen Wald schwarz.«
Vida Ampomah aus Ghana und Charles Kemajou aus Kamerun haben sich eingerichtet in der Schwarzwaldstube, zusammen mit Yocelyn, dem Kind. »Des isch doch verdammi noch mal kai Schwarzwälderdorte, Schatz, du Schwobeseggl.«
Sie feiern die regionale Küche, besprechen die Märzrevolution von 1847, die ihr Epizentrum in Baden hatte, trommeln am Sonntag für Religionsfreiheit und gegen die Ruhestörung, überlegen, ob sie sich im Alter eine Pflegekraft aus dem Senegal anschaffen und streiten über die Rechte der Frauen in Deutschland. Denn in Kamerun ist Karl König, während ihn die Waltrauds in Freiburg zu Spaziergängen und zum Sonnenbaden zwingen. »Heimat doppelt sehen« lädt ein zu Schwarzwäldertorte und Rothauspils und einem Blick auf das Eigene, gesehen durch die leuchtenden Augen von Freiburger Afrikanern, die in jedem Fall die besseren Badener sind.

König Karl:
Ich war mal bei einer Frau in einer superschicken Wohnung in Herdern. Sie hatte ein Kind. Ich habe gefragt, was sie arbeitet. Sie arbeitete nichts – ihr geschiedener Mann bezahlt. Sie vögelt jede Woche einen Afrikaner und ihr Mann bezahlt alles. Das geht doch nicht!

Waltraud:
Hahaha! It’ s Payback time! Darum liebe ich Deutschland! Ich liebe Deutschland!

Mit: Vida Ampomah, Charles Kemajou, Yocelyn Lang
Fr. 5.2., 19.30 Uhr, Kammerbühne

KONZERT »Reise in die Nacht«
Eine Trancesession mit Livemusik, Texten, Tonaufnahmen & Tänzern
von Andreas Kirchgässner und Thomas Gundermann
Was sich hier unauffällig als Konzert ankündigt, ist ein wildes Hybrid aus literarischen Texten, dokumentierten Gesprächen, Filmausschnitten, Tondokumenten, Livemusik, Tänzern, gereichten Speisen und zitierten Ritualen.

Seinen thematischen Ausgangspunkt findet dieser Abend in den zahlreichen Reisen des Autors Andreas Kirchgässner und des Musikers Thomas Gundermann zu den Gnawa-Bruderschaften in Marokko. Dank Gundermanns altdeutscher Sackpfeife, Geld und Geduld konnten sie Trancerituale miterleben, die manchmal eine Nacht, manchmal mehrere Tage dauern. Ziel dieser Feste ist es, die ProtagonistInnen in einen Zustand zu versetzen, der sie temporär von den negativen Geister befreit, die sie seelisch bedrängen. Dieser Heilungsprozess vollzieht sich inmitten des gemeinsamen Feierns und ist ein Ritual, das die versklavten Schwarzafrikaner aus ihrer jeweiligen Heimat mitgebracht haben und das sich mit der Zeit in der Fremde transformiert hat. Dabei ist eine Musikrichtung entstanden, die Bob Marley, Carlos Santana, Cat Stevens und unzählige andere zu den traditionellen Gnawa-Meistern pilgern ließ, um von ihnen zu lernen.

Kirchgässner und Gundermann laden die Zuschauer ein zu einer »Reise in die Nacht«, die mit dokumentarischem Material ansetzt und, unterstützt von der Stimme eines Schauspielers und den Tänzern von pvc, eine Eigendynamik entwickeln kann, die vielleicht da endet, wo alle wieder zusammenfinden: in den Gnawa-Rock-Fusions mit Jimi Hendrix vom Tape.

Mit freundlicher Unterstützung des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg
Mit: Andreas Kirchgässner, Thomas Gundermann, Martin Weigel und Tänzern von pvc
Fr. 5.2. 22 Uhr, Kammerbühne


THEATER »Der Postbote«
Ein globaler Ausbeutungskurs mit Viktor Bout
Regie: Gregor Glogowski; Dramaturgie: Benjamin Glück

»So viele politische Verbindungen wie Viktor hat sonst keiner. Aber er ist niemand, der die Welt verändern will.«

Ein großes im Schwarzwald beheimatetes und gut verborgenes Rüstungsunternehmen lädt ein zu einem exklusiven Informationsabend, auch offen für Menschen, die Interesse haben, ihr Geld sicher und vielversprechend zu investieren. Es geht um Erfolgsbilanzen, um neue Geschäftsstrategien und um die diffizile Frage, wie sich Afrika, das den größten Waffenmarkt der Welt bereithält, weiter erschließen lässt. Dazu wird per Videokonferenz ein Mann vom Fach befragt, einer der erfolgreichsten Waffenhändler der Welt: Viktor Bout, live aus der Untersuchungshaft in Bangkok, guest of honor unseres kleinen globalen Ausbeutungskurses. Der Russe, auch als »The Mailman« bekannt, ist ein Symbol für die Globalisierung und ein Produkt des Zusammenbruchs der Sowjetunion. In der anarchischen Phase der Transformation baute er aus dem Nichts ein Transportimperium auf. Er weiß, wie man UN-Embargos geschickt umgeht, kann Kleinfeuerwaffen und Kampfhubschrauber ebenso zuverlässig liefern wie humanitäre Hilfsgüter, gefrorene Hühnchen und südafrikanische Gladiolen. Er besitzt das nötige strategische Fingerspitzengefühl, um in Bürgerkriegen beide Konfliktparteien gleichermaßen zufriedenzustellen. Sein Geheimnis: Er liefert an jeden, der zahlen kann, wobei Zahlungen in Form von Blutdiamanten, Coltan oder Drogen auch akzeptiert werden. Lernen wir mit Viktor Bout, wie es einer unternehmungslustigen, zu allem entschlossenen Waffe made im Schwarzwald gelingt, ihre Dienstreise in den schwarzen Kontinent anzutreten.

Mit: Mathias Lodd

Sa. 6.2., 19.30 Uhr, Kammerbühne

BRANDHERD »Piraterie, Puntland«
Theatrales Infotainment via Skype
»Ein Zebra trifft es immer.«
Kadett Albert Büttner bei seiner Reise durch den Golf von Aden auf der Beluga Recommendation
Somalia, am Horn von Afrika gelegen, ist seit dem Sturz des Diktators Siad Barre, 1991, ohne politische Zentralgewalt und versinkt im Bürgerkrieg. Im Norden des Landes wurde 1998 Puntland ausgerufen, als autonomer Teilstaat, der international nicht anerkannt wird. Nirgendwo sonst auf der Welt entwickelt sich das Geschäft der Piraterie so erfolgreich wie hier: Der Wasserweg durch den Suezkanal über den Golf von Aden in den indischen Ozean ist eine Hauptarterie der globalen Transportwirtschaft. Die Hafenstadt Bosaso ist die Hochburg der somalischen Piraten. Zwischen 50 und 150 Millionen Dollar Lösegeld erpressen die Piraten jährlich durch Schiffsentführungen und Geiselnahmen. In dem Stadtteil »New Bosaso« ist der plötzliche Reichtum zu bewundern, den dieser neue Wirtschaftszweig ermöglicht. Piraterie ist eine lukrative Anlageform für Geschäftsleute, welche die Piraten mit Informationen, GPS-Systemen, modernen Waffen und schnellen Booten versorgen.

Doch wer sind die Piraten? Meist ehemalige Fischer, die ihren Beruf nicht mehr Gewinn bringend ausüben können, weil internationale, gut gerüstete Fangflotten in die unbewachten Gewässer Somalias eindringen und ertragreichen Raubfischfang betreiben. Auch hochgiftiger Müll wird seit den frühen 90ern gerne vor den Küsten Somalias abgeladen. Die Fischer verstehen sich als selbst ernannte Küstenwache, die sich gegen diese Ungerechtigkeit zur Wehr setzt. Aber auch die westlichen Staatengemeinschaften rüsten sich gegen die Piraten, sie haben einen Transitkorridor eingerichtet, der von Kriegsschiffen und Helikoptern überwacht wird. Per Skype werden wir bei Fachleuten und Betroffenen nachfragen und das Phänomen Piraterie von unterschiedlichen Seiten beleuchten: Mit welchen Mitteln versucht ein Kapitän, sein Schiff und seine Mannschaft zu schützen? Welche Haltung hat er den Piraten gegenüber, die nicht aus Abenteuerlust, sondern aus der Not heraus agieren? Warum lehnt eine Reederei aus Hamburg oder Bremen es ab, ihre Schiffe künftig durch Begleitsoldaten schützen zu lassen? Sieht ein inhaftierter Pirat seine Zukunft weiterhin in der Piraterie? Was hält die somalische Bevölkerung von ihren Piraten? Welche Ideen gibt es von politischer Seite, das Problem in den Griff zu bekommen?

Neben den Skype-Schaltungen wird Markus Höhne vom Max Planck Institut für soziale Antrophologie (Halle) in der Kammerbühne sein.
Vorschlag: Als Somalia-Experte vor Ort wird Markus Höhne vom Max Planck Institut für soziale Anthropologie (Halle) ergänzend zu den Skype-Schaltungen in der Kammerbühne anwesend sein.
Moderation: Ruth Feindel, Inga Schonlau
Sa. 6.2., 21.30 Uhr, Kammerbühne


SPRECHSTUNDE »Jagd nach Authentizität? Afrika auf deutschen Bühnen«
Ein Gespräch mit den Regisseuren des Festivals
Special Guest per Skype: Christoph Schlingensief
So. 7.2. 18.30 Uhr, Kammerbühne
Zum Abschluss der vier SAFARI-Tage kommen alle künstlerisch Beteiligten noch einmal zum finalen Gespräch zusammen. Dabei soll es um die Frage gehen, was den Einzelnen dazu motiviert, sich als europäischer Künstler mit dem fremden Konfliktkontinent auseinanderzusetzen. Der Reiz des Unbekannten? Die Suche nach dem Dringlichen, dem Politischen? Die koloniale Schuld? Der Überdruss am Eigenen? Und was denken die Freiburger Afrikaner, die in diesen Tagen die Kammerbühne besucht haben, über das Erlebte und den ganzen guten Willen zur Kunst? Als Special Guest per Skype mit an diesem Diskurs beteiligt, ist der Künstler Christoph Schlingensief, der nach langer Vorbereitung gerade mit der konkreten Umsetzung eines groß angelegten Projekts beginnt: Er baut zusammen mit vielen Helfern und Unterstützern ein Operndorf in Burkina Faso. Dort wird derzeit eine Schule mit Musik- und Filmklassen aufgebaut; der zugehörige Theatersaal nähert sich gerade per Schiff seinem Bestimmungsort.

www.theater.freiburg.de

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