Freitag, 1. April 2011

Der Dramaturg mit der Kamera

L’Aquila, Abruzzen, Italien, 1951. © Henri Cartier-Bresson/Magnum Photos

Zürich.- Das Zürcher Museum für Gestaltung kündigt für den 8. April die Eröffnung einer Ausstellung mit Werken von Henri Cartier-Bresson (1908–2004) an. Bresson gehört zu den einflussreichsten und am meisten bewunderten Fotografen. Bereits seine ersten Werke aus den fru¨hen 1930er Jahren bestechen durch einmalige Qualitäten – in der Komposition, dem Bildausschnitt und der Bilddramaturgie. Wie keinem anderen gelang es Cartier-Bresson, mit seiner Kamera den entscheidenden Augenblick festzuhalten, oft verdichten sich in seinen Arbeiten ganze Geschichten zu einem einzigen Bild.

Zusammen mit befreundeten Fotografen wie Robert Capa gru¨ndete er 1947 die Agentur Magnum, die eine Blu¨tezeit des Bildjournalismus einläutete und heute noch die Rechte der Fotografen an ihren Bildern vertritt. Als Fotoreporter und -ku¨nstler prägte Cartier-Bresson Magazine wie «Du» oder «Life». Reportagen historischer Momente fu¨hrten ihn in die Sowjetunion und nach Asien. Sein Werk hat nicht nur Referenzcharakter fu¨r den Bildjournalismus des 20. Jahrhunderts, sondern fu¨r Ästhetik und Ethik der Fotografie u¨berhaupt.

Diese erste umfassende Ausstellung in der Schweiz seit 1956 (im damaligen Kunstgewerbemuseum Zu¨rich, heute Museum fu¨r Gestaltung Zu¨rich) präsentiert Arbeiten aus dem gesamten fotografischen Oeuvre von Henri Cartier-Bresson. Rund 300 seiner weltbekannten Werke werden mit Cartier-Bressons Filmen, vielen seiner Publikationen und dem wichtigen «Scrap Book» (Faksimile) von 1946 vereint. Zudem bietet die Retrospektive an ausgewählten Tagen eine konzertante Erweiterung mit Cartier-Bressons Lieblingsmusik – mit Piano-Matineen und Jazztrios und in enger Zusammenarbeit mit dem Departement Musik der Zu¨rcher Hochschule der Ku¨nste (ZHdK).

Die Ausstellung gliedert sich entlang von Cartier-Bressons Lebensweg und startet mit den Filmen aus dem Spanischen Bu¨rgerkrieg und seinen fru¨hen Arbeiten aus Mexiko. Über seinen Hauptfilm «Le Retour» - einen Bericht u¨ber die beschwerliche Heimkehr der Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg - gelangt man zum «Scrap Book», einer von Cartier-Bresson 1946 eigens fu¨r das MoMA New York zusammengestellten Auswahl seiner besten Arbeiten.

Nach dem Krieg fasste Cartier-Bresson schnell Fuss als Porträt- und Reportagefotograf: ein Bildbericht u¨ber Amerika fu¨hrt die Besucherinnen und Besucher weiter zu seinen Jahren in Asien. Dort war er Zeitzeuge so epochaler Augenblicke der Geschichte wie Gandhis Ermordung in Indien, die ersten Tage der kommunistischen Herrschaft in China oder der Zusammenbruch des Kolonialismus in Indonesien. Zudem bereiste Cartier-Bresson die ehemalige Sowjetunion als erster westlicher Bildreporter u¨berhaupt.

In der Ausstellung werden nicht nur die Filme und Bilder Cartier-Bressons gezeigt, sondern auch deren Anwendungskontext. Mit vielen Fotostrecken aus Magazinen wie «Du» oder «Life» komplettiert sich die Ausstellung zu einer Gesamtsicht u¨ber den Fotografen, von dem Richard Avedon 2000 sagte: «Er ist der kompletteste, wichtigste von uns allen, in allen Gesichtspunkten: Ob sozial oder politisch – er deckte alles ab. Er ist schlicht der beste Fotograf des 20. Jahrhunderts.»

Henri Cartier-Bresson wurde am 22. August 1908 in Frankreich geboren. Nach Studien der Malerei in den 1920er Jahren widmete sich Cartier-Bresson, der einer wohlhabenden Industriellenfamilie entstammte, ab 1930 der Fotografie. Erste Reisen fu¨hrten ihn nach Afrika, Europa und Amerika, zuru¨ck in Frankreich folgte die erste Filmarbeit mit Jean Renoir. 1940 geriet er fu¨r fast drei Jahre in deutsche Kriegsgefangenschaft. Beim dritten Versuch gelang die Flucht zuru¨ck nach Frankreich. Nachdem man fälschlicherweise annahm, er sei im Krieg gefallen, widmete das MoMA New York Cartier-Bresson 1947 eine grosse «posthume» Retrospektive.

Im gleichen Jahr gru¨ndete er mit Robert Capa, David Seymour und George Rodger die legendäre Fotoagentur Magnum. Weitere Reisen fu¨hrten ihn unter anderem durch Indien, Pakistan, Kuba, China, Indonesien, in die USA und die Sowjetunion. 1955 wurde sein Werk erstmals in Frankreich im Louvre ausgestellt. 1974 legte er die Kamera beiseite und widmete sich der Zeichenkunst. Gemeinsam mit seiner Frau Martine Franck gru¨ndete er 2003 die Fondation Henri Cartier- Bresson. Im August 2004 verstarb Cartier-Bresson in Frankreich.

Öffnungszeiten: Di bis So 10 – 17 Uhr Mittwoch 10 – 20 Uhr

Henri Cartier-Bresson
8. April bis 24. Juli 2011, Halle
Vernissage: Do 7. April 11, 19 Uhr
Museum für Gestaltung Zürich
Ausstellungsstrasse 60
CH - 8005 Zürich
0041 (0)43 446 67 67
welcome@museum-gestaltung.ch
www.museum-gestaltung.ch

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