Freitag, 5. April 2013

Mauerblüten

Reinhard Mende: LHM 1973; © Archiv Mende
Zürich.- Den Ausgangspunkt für die Ausstellung «Doppelte Ökonomien» bildet ein Fotoarchiv, das im Auftrag der DDR-Kombinate von 1967 bis 1990 vom freischaffenden Fotografen Reinhard Mende produziert wurde. In ca. 19'500 Fotografien zeichnet das Archiv ein Bild des Realsozialismus: Teils dokumentierend, teils inszenierend sind Industriebetriebe sowie die Ausstellung von Konsumgütern an der Internationalen Messe in Leipzig dargestellt. Daraus wurde zunächst ein Forschungsunternehmen und jetzt auch besagte Ausstellung an der ETH Zürich (11. April bis 23. Mai 2013).

Leipzig war wichtiger Verbindungsort der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ost und West. Dadurch zeigen die Fotografien der Internationalen Messe das Aufeinanderprallen zweier Ökonomiesysteme: der Sozialismus in der Produktion und der Kapitalismus in der Präsentation von Konsumgütern. Einerseits waren die ausgestellten DDR-Produkte für den internationalen Export bestimmt – insbesondere in nicht-sozialistische Staaten. Andererseits diente die Messepräsentation der Förderung des eigenen sozio-politischen Systems und als aussenpolitisches Mittel im Anerkennungsprozess der Souveränität anderer sozialistischer Staaten – insbesondere von jungen Nationen des afrikanischen Kontinents.

Auf der Grundlage dieses Archivs entwickelte ein transdisziplinäres Forschungsunternehmen zeitgenössische künstlerische Positionen sowie historische und theoretische Analysen. Künstler, Theoretiker/innen und Wissenschaftler sowie ehemalige Protagonisten des Archivs wurden eingeladen, dem Archiv einen Kommentar zu verleihen oder eine persönliche Auswahl an Fotografien zu treffen. Dieser kollektive Prozess eröffnet sowohl einen nicht-linearen Diskurs über die Wirtschaftsgeschichte der DDR als auch eine Auseinandersetzung in die Verschränkung verschiedener ökonomischer Systeme und Politik durch Fotografie und Design.

Die Forschungsbemühungen münden in eine Ausstellung an der ETH Zürich, in der neben einer Auswahl an Bildern aus dem Fotoarchiv auch künstlerische Beiträge, Kontextmaterial und Video-Interviews versammelt werden. Die verschiedenen Lektüren des Fotoarchivs werfen die Frage auf, wie das Fotoarchiv für zeitgenössische Problemstellungen fruchtbar gemacht werden kann.

Publikation: «Doppelte Ökonomien. Vom Lesen eines Fotoarchivs aus der DDR, 1967–1990.» Herausgegeben von Doreen Mende, Estelle Blaschke und Armin Linke; Design von Werkplaats Typografie, Arnhem. 21 x 29.7 cm, 448 Seiten, Softcover, Deutsch und Englisch; spector books, Leipzig, ISBN 978-3-940064-46-2, CHF 45.90/ 36.00 Euro

Öffnungszeiten: Mo bis Fr 8 - 22 Uhr, am/So/Fe geschlossen

Doppelte Ökonomien
11. April bis 23. Mai 2013
Vom Lesen eines Fotoarchivs aus der DDR (1967–1990)
Eröffnung: Mi 10. April 13, 18 Uhr

ETH Zürich
Hönggerberg
CH - 8093 Zürich
0041 (0)44 633-2963
ausstellungen@gta.arch.ethz.ch
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