Mittwoch, 4. September 2013

... die a little

Douglas Gordon: Looking Down With His Black, Black Ee, 2008. Video Installation, Dimensions variable; Installation view Dox, Prague, 2009. Photo Studio lost but found / Frederik Pedersen; © Studio lost but found / VG Bild-Kunst, Bonn 2013
Basel.- Im Kunstmuseum Basel geht es ab dem 28. September ums Sterben. Und um das Erinnern, um das Memento Mori, einem Symbol der Vanitas, in den Werken von Andy Warhol und Douglas Gordon. Der Ausdruck Memento mori ist vermutliche eine Verballhornung des mittelalterlichen Mönchslateins, von Memento moriendum esse, also: „Bedenke, dass du sterben musst“ und steht damit für die Vanitas, die Vergänglichkeit, einem wesentlichen Bestandteil der cluniazenischen Liturgie. Gezeigt werden zahlreiche Werke aus den eigenen Beständen, ergänzt um weitere aus der Öffentlichen Kunstsammlung Basel, der Emanuel Hoffmann-Stiftung und einigen zusätzlichen Leihgaben. Bruce Nauman, Carol Rama, und Ricco Wassmer sind ebenso vertreten wie Paul Chan oder Wolfgang Tillmans, u.a.m.

Im kunsthistorischen Rückblick betrachtet, erscheint das Motiv mehrheitlich als ein Stillleben mit Darstellungen von die Vergänglichkeit symbolisierenden Objekten wie faulenden Früchten oder Totenschädel. Konzeptueller Ausgangspunkt dieser Ausstellungsperspektive bilden Gordons Videoinstallationen «24 Hour Psycho Back and Forth and To and Fro» und «Looking down with his black, black, Ee», beide 2008. Im letztgenannten dreiteiligen Werk hüpfen Raben auf steinernen Stufen einer gotischen Kirche umher oder schauen vom Dach hinunter. Der Künstler spielt damit auf die mittelalterliche Vorstellung vom Raben als Unglückszeichen an, der das Böse oder den Boten des Todes symbolisiert.

Geläufige Kriterien von Gut und Böse sowie die auf Erinnerungsmomente beruhenden Ereignisse sind wiederkehrende Themen in den Werken Gordons. In seiner ersten und wohl berühmtesten Videoinstallation «24 Hours Psycho» von 1993 dient ihm eine Ikone der Kinogeschichte - Alfred Hitchcock’s «Psycho» (Uraufführung 1960) – als Vorlage. Im Jahr 2008 beschäftigte er sich abermals mit diesem Film und schuf die hier präsentierte Installation. Der gleiche Film wird zweimal auf zwei nebeneinander positionierten Projektionsflächen gezeigt und der ursprünglich 110 Minuten dauernde Kinofilm wie zuvor auf 24 Stunden ausgedehnt. Auf der einen Leinwand vorwärts und auf der anderen rückwärts projiziert, entstehen stets neue Bildkombinationen.

In der zeitlichen Mitte überschneiden sich die Filme in der tragischen Mordszene, die durch diese herbeigeführte visuelle Verdoppelung etwas äusserst Monumentales erhält; gleichzeitig wird durch die extreme Entschleunigung der Handlung sowie das Fehlen der Akustik eine Unmittelbarkeit des einzelnen Bildes erzeugt, was auf unsere Wahrnehmung drastische Auswirkungen hat. «Die Bilder folgen einander zu langsam, als dass man sicher ihrer erinnern könnte. Die Vergangenheit geht weiter und die Zukunft passiert nie, also bleibt alles in der Gegenwart» (D. Gordon).

Den Werken gegenübergestellt werden Andy Warhols Gemälde «Optical Car Crash» (1962) und «Black and White Disaster #4» (1963), in denen er sich auf Grundlage von bestehenden, massenmedial verbreiteten Bildvorlagen mit den Themen von Tod und Desaster auseinandersetzt. Durch die mehrfache Wiederholung des Motivs verkehrt es sich in ein den Schrecken entkräftendes Moment. In Warhols Film «Kiss» (1963/1964) werden verschiedene, küssende Paare für jeweils 3 Minuten und in Zeitlupe projiziert gezeigt, wodurch die starr wirkende Pose wie eine Parodie auf den für Hollywood typischen Filmkuss erscheint.

Öffnungszeiten: Di bis So 10 - 17 Uhr

Every time you think of me, I die a little
Das Memento Mori bei Andy Warhol und Douglas Gordon
28. September 2013 bis 9. Februar 2014

Kunstmuseum Basel
St. Alban-Graben 16
CH-4010 Basel
0041 (0)61 20662-62
http://www.kunstmuseumbasel.ch

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