Sonntag, 25. Januar 2009

Ein Dix über den Wolken


von Roswitha Frey

Der Anruf aus Indien kam, als Thomas Dix gerade auf einem Fest der Kulturen in Basel war. "Ich musste extra in eine ruhige Seitenstraße, weil die Verständigung so schlecht war", erinnert sich Dix an dieses Gespräch, mit dem das bisher außergewöhnlichste Projekt für den Fotodesigner aus Grenzach-Wyhlen begann: Auf einer Boeing 737 der indischen Fluggesellschaft Air India Express prangen zwei Aufnahmen von Dix, die berühmte indische Baudenkmäler zeigen. Sie zieren nun das mehrere Meter großen Leitwerk der Maschine.

Die noch junge Linie, eine Tochtergesellschaft von Air India, war auf Indien-Fotos von Thomas Dix gestoßen und von diesen so angetan, dass sie Kontakt zu dem Fotokünstler aufnahm. Air India Express verfolgte eine besondere Idee: Die zehn neuen Flugzeuge der Airline sollten mit Fotomotiven der indischen Kultur aus den Themenbereichen Architektur, Musik, Tanz, Schmuck oder Tierwelt versehen werden. Also reichte der besonders für seine Architekturfotografien bekannte Thomas Dix einige Aufnahmen zur Auswahl ein. Zwei davon wurden ausgesucht: der Palast der Winde in Jaipur und das Rote Fort in Delhi, beides berühmte Sehenswürdigkeiten.

Der Palast der Winde mit seiner wabenartigen Fassade und den Gitterstrukturen an den Fenstern wurde einst Ende des 18. Jahrhunderts für die Haremsdamen erbaut und ist neben dem Tadsch Mahal das wohl bekannteste Bauwerk Indiens. Prächtig wirkt auch das Rote Fort, einstmals Sitz des Sultanats von Delhi, eine imposante Festungs- und Palastanlage mit hoher Befestigungsmauer, Palästen und Gartenanlage. In Ausschnitten prangen Dix’ brillante Fotografien dieser Prachtbauten nun in metergroßer Vergrößerung als Blickfang auf der Boeing: der Palast der Winde vor blauem Himmel mit weißen Wolken, das Rote Fort vor dramatisch rot glühendem Himmel.

Für Dix ist es schon ein besonderes Gefühl zu wissen, dass seine Fotos nun in 10 000 Meter Höhe durch die Lüfte fliegen, auch wenn er sie noch nicht in Natura auf dem Leitwerk gesehen hat. Ihm gefällt vor allem der besondere Einfall, dass die Flugzeuge mit diesen Motiven als "Botschafter der indischen Kultur" in den Lüften unterwegs sind. Air India Express fliegt überwiegend vom Subkontinent in die Golfstaaten, wo viele indische Gastarbeiter beschäftigt sind. Thomas Dix war selbst schon siebenmal in Indien und hat von diesen Reisen faszinierende Fotografien von Land, Leuten und Architekturen mitgebracht. Die Leute von der Fluglinie waren von der hervorragenden Qualität von Dix’ Fotografien begeistert, denn er arbeitet mit der Plattenkamera und seine Bilder eignen sich für so extreme Vergrößerungen besonders gut.

Doch nicht nur über den Wolken kommen die Fotos von Dix groß raus, sondern auch im Miniaturformat von Briefmarken. Zum 100. Geburtstag des amerikanischen Designers Charles Eames hat die US-Post im Sommer eine Sonderedition von 16 Briefmarken mit Motiven aus dem Werk des Designerpaares Charles und Ray Eames herausgebracht. Für drei Marken sind Fotos von Thomas Dix verwendet worden, die dieser im Lauf seiner Zusammenarbeit mit dem Vitra Design Museum in Weil am Rhein aufgenommen hat. Das Vitra Design Museum, für das Dix viele Jahre auch Fotografien für Kataloge gemacht hat, erwarb fast den gesamten Eames-Nachlass für seine bedeutende Sammlung. Auf Dix’ Fotos zu sehen sind berühmte Eames-Entwürfe wie die Stapelstühle "Stacking Stairs", die Garderobe "Hang-it-All" und das frühe Bürosystem "Eames Storage Unit", alle aus den 1950er Jahren und längst Meilensteine der Designgeschichte. Auch diese Designaufnahmen, die die Briefmarken des US-Postal Service schmücken, hat er mit der Plattenkamera gemacht, erzählt Dix, der sich von einem Studienkollegen aus New York ein komplettes Briefmarkenset mitbringen ließ. So sind nun einige Fotomotive von Dix international unterwegs – auf dem Luft- und dem Briefweg.

Fotos: Der Grenzach-Wyhlener Fotodesigner Thomas Dix ist mit seinen Fotos auf dem Leitwerk der Fluggesellschaft Air India Express ebenso vertreten wie auf der neuen Eames-Briefmarkenserie des US-Postal Service. Foto: Frey/Dix

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