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Montag, 17. März 2014

Kreative Köpfe: Elena Romanzin

 
Elena Romanzin und ihre Antworten auf die 15 Fragen für 3land.info

3land.- Nach einer langen Pause beantwortet eine weitere Künstlerin aus der 3land-Region an dieser Stelle unsere 15 Fragen. Sie erinnern sich, sie sind für alle gleich, die Antworten jedoch so unterschiedlich wie die Menschen und ihre Form der Kreativität. Elena Romanzin ist Malerin. Viele ihrer neuen Gemälde setzen sich in unterschiedlichen Techniken mit ihrer neuen, der deutschen Heimat auseinander. Ihre Werke waren bereits in zahlreichen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in Deutschland, Frankreich und Italien zu sehen. Neben ersten Werken in öffentlichen Sammlungen im Südbadischen befinden sich Bilder in Privatsammlungen in ganz Europa und von Australien bis Brasilien.
 
Lebensmotto?
Da halte ich es mit Picasso: „Die Inspiration existiert, aber sie muss dich bei der Arbeit finden.“

Sternzeichen?
Wassermann

Jahrgang?
1976

Wie würden Sie sich und Ihre Arbeit beschreiben (Ihre Antriebsfedern, die Themen; was wollen Sie für sich und die anderen damit erreichen?)?
Die Kunst bereitet mir ein farbenfrohes und erlebnisreiches Leben. Diese Freude möchte ich gerne auch weitergeben, an mein Publikum und an meine Malschüler. Meine Vorbilder sind die klassischen Maler und damit einher geht die postmoderne Rückbesinnung auf das Figurative. Viele meiner Werke bilden Landschaften und Bekanntest aus der Region ab. Meine Einstellung zur Natur ist weniger von der westlichen Kultur geprägt, sich die Umwelt Untertan zu machen, als eher von der alter Kulturen, die im Einklang mit ihr leben. Unsere Verantwortung der Natur gegenüber möchte ich mit Darstellungen idealisierter Natur anmahnen, den Betrachtern aber auch etwas entschleunigte Entspannung bieten, heraus aus ihrem technisch bestimmten Alltag.

Was verstehen Sie unter guter Kunst  und wie fing alles an?
Für mich war bereits früh klar, dass ich Kunst studieren und die klassischen Techniken des Malens und Modellierens erlernen wollte. Nach der Mittleren Reife schrieb ich mich am Instituto Statale d’Arte di Siracusa (Syrakus) ein. Hier erlernte ich die Malerei im klassischen Sinne von der Pike. Später wechselte ich nach Perugia zu den Ursprüngen der von mir so geschätzten Umbrischen Schule der frühen Renaissance.

Familie, erblich vorbelastet?
Meine sardische Großmutter, die in ihrer Heimat als Malerin und Dichterin bekannt war kannte ich kaum. Aber meine Mutter betrieb ein Geschäft für Deko und Schmuckkreationen, in dem ich früh aushalf.

Noch eine andere "Profession"?
Eigentlich betreibe ich eine Malschule: Kreativ-Kurse für Kinder und Jugendliche, Maltechnik-Kurse und Workshops  für Erwachsene gebe ich an verschiedenen Instituten

Hobbys?
Interkulturelles Reisen, also der Versuch, in die jeweiligen Kulturen einzutauchen und Kontakte zu der jeweiligen Bevölkerung zu knüpfen, bzw. meine Freunde auf allen Kontinenten zu besuchen. Weiterhin erwandere ich meine neue Heimat, um sie besser kennen zu lernen und auf der ständigen Suche nach neuen Kunstobjekten.

Lebensstationen?
In Alghero/ Sardinien geboren, mit der Familie viel in der Welt herum gekommen, nach einer kurzen Station in Algerien bin ich in Jordanien auf eine  internationale Schule gekommen. Ich bin bilingual aufgewachsen und habe später in Italien die Schule abgeschlossen. In Sirakusa (Syrakus) und Perugia habe ich Kunst mit dem Fokus auf Malerei studiert. In einer einjährigen Lehre in Deruta habe ich das Modulieren  und Wand- und Deckenmalerei erlernt. Später führten mich Arbeitsaufenthalte in Spanien und Griechenland zurück nach Umbrien. Seit 2011 lebe ich mit meinem deutschen Ehemann in Wehr/Baden

Vorbilder?
Die grossen Renaissancekünster, allen voran Michelangelo, der vollendete Künstler und da Vinci für seine technische Fertigkeit und seine Kreativität.

Die größten Stärken?
Ich bin eine Methodikerin und Autodidaktin, neugierig auf neue Techniken und Materialien;  mein Umgang mit Menschen. Außerdem Sprachen, da ich bilingual aufgewachsen bin und komunikativ bin, tue ich mich mit dem Erlernen neuer Sprachen etwas leichter. Bevor ich vor 2,5 Jahren nach Deutschland kam, sprach ich kein Wort deutsch.

Die größten Schwächen?

Ein altes Künstlerleiden: Der Zweifel an meinem Schaffen schwingt immer ein wenig mit

Ich mag?
Natur, motivierende Mitmenschen und natürlich alles, was mit Kunst zu tun hat.

Ich mag nicht?
unaufrichtige Menschen und leere Versprechungen

Ich wünsche mir?
Von meiner Kunst dauerhaft leben zu können ...

Homepage
www.elenaromanzin.com

Freitag, 21. Juni 2013

Festspielpreis 2013 für Pipilotti Rist

Pipilotti Rist; Bildquelle

Zürich.- Zum ersten Mal ist die bildende Kunst Gegenstand der Ehrung durch den Zürcher Festspielpreis. Mit Pipilotti Rist würdigen die Festspiele Zürich eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart. Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 26. Juni im kleinen Rahmen im Rietberg-Museum statt. Eigens für den Anlass kreiert die Künstlerin eine Video-Installationsskizze, die der Öffentlichkeit am Abend der Preisverleihung an der Südfassade der Villa Wesendonck präsentiert wird.

„Pipilotti Rist liebt Randen. Ihr Fokus sind Video-/Audioinstallationen. Sie will freundlich sein und ist ein bisschen autistisch. Sie mag Maschinen und Kinder. Sie meint: Die Aufgabe der Kunst ist zur Evolution beizutragen, den Geist zu ermutigen, einen distanzierten Blick auf soziale Veränderungen zu garantieren, positive Energien zu beschwören, die Sinne und die Sinnlichkeit zu fördern, den Verstand und den Instinkt zu versöhnen, Möglichkeiten auszuloten und Klischees und Vorurteile zu zerstören.“ So eine Selbstbeschreibung von Pipilotti Rist, die von ihrem hohen Anspruch an ihre Kunst und zugleich von ihrer Bescheidenheit und Fähigkeit zur Selbstironie zeugt. Dabei verbirgt sich dahinter eine der renommiertesten Künstlerinnen der Gegenwart.

Die Künstlerische Kommission der Festspiele Zürich ehrt mit dem von der Bär-Kaelin Stiftung begründeten Zürcher Festspielpreis erstmals eine bildende Künstlerin – eine Schweizer Künstlerin, deren Arbeit weltweit bekannt und anerkannt ist. Pipilotti Rist, geboren 1962, studierte 1982 bis 1986 an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien und von 1986 bis 1988 Audiovisuelle Kommunikation an der Schule für Gestaltung in Basel. Bereits während ihres Studiums begann sie experimentelle Super-8-Filme zu drehen und forschte mit visuellen Effekten, variierenden Laufgeschwindigkeiten und Musik. Die wiederkehrenden Themen ihrer Kunst sind Sinnlichkeit, Sexualität, Geschlechterdifferenz und Identität, wobei die bühnenartigen Räume und die Zuschauer in vielfältiger Weise interagieren. Seit Anfang der neunziger Jahre, und bis heute, schafft sie teils gross angelegte Audio-Video-Installationen und Filme. Ihre ausserordentliche Fähigkeit, suggestive, gleichsam multimedial-strömende Bildsequenzen im Raum zu erzeugen, hat sie international bekannt gemacht und ihr viel beachtete Auftritte an der Biennale Venedig, am Centre Pompidou in Paris, im Museum of Modern Art, New York und in zahlreichen europäischen Museen, Ausstellungshallen und sogar Kirchen verschafft.

Am Mittwoch, 26. Juni findet die Preisverleihung im neuen Sommerpavillon des Museums Rietberg statt (geschlossene Veranstaltung). Für die Öffentlichkeit kreiert Pipilotti Rist anlässlich der Verleihung des Zürcher Festspielpreises eine Video-Installationsskizze, die am 26. Juni ab 21 Uhr an der Südfassade der Villa Wesendonck projiziert wird. Der Besuch der Installation ist kostenlos.

Die Festspiele Zürich werden gemeinsam von Opernhaus Zürich, Schauspielhaus Zürich, Kunsthaus Zürich, Tonhalle-Orchester Zürich und weiteren Kulturinstitutionen der Stadt und des Kantons Zürich veranstaltet. Angeregt von einem gemeinsamen Thema ermöglichen sie jährlich im Sommer Begegnungen der Künste, die die Vielfalt des Zürcher Kulturlebens widerspiegeln. www.festspiele-zuerich.ch

Zum siebten Mal wird 2013 im Rahmen der Festspiele Zürich der Zürcher Festspielpreis vergeben. Dieser würdigt herausragende künstlerische Leistungen für das Kulturleben in Stadt und Kanton Zürich und wird durch den Bär-Kaelin Fonds der Zürcher Festspielstiftung ermöglicht. Als Jury wirkt die Künstlerische Kommission der Festspiele Zürich. Die Auszeichnung ist mit CHF 50‘000 dotiert. Die bisherigen Preisträger: 2007 Heinz Holliger, 2008 Luc Bondy, 2009 Peter Stein, 2010 György Kurtág, 2011 Matti Salminen, 2012 Heinz Spoerli. Weitere Informationen unter www.zuercher-festspielpreis.ch.

Freitag, 25. Januar 2013

Roswitha Haftmann-Preis 2013 für Pierre Huyghe

Roswitha Haftmann-Preis 2013 für Pierre Huyghe; Fotoquelle:Kunsthaus Zürich

Zürich.- Europas höchstdotierter Kunstpreis geht erstmals an einen Franzosen. Der Stiftungsrat der Roswitha Haftmann-Stiftung vergibt den mit CHF 150.000.– dotierten Roswitha Haftmann- Preis an Pierre Huyghe (*1962). Die Übergabe findet am 16. Mai 2013 im Kunsthaus Zürich statt. Dies teilte die Stiftung mit.

Zur Begründung: "In seinen Installationen und Filmen verwendet Pierre Huyghe verschiedene
Realitätsebenen: Was wie zufällig arrangiert aussieht, entpuppt sich als ausgeklügelte
Konstruktion mit teils einfachen Mitteln und grosser Wirkung auf die Betrachter. Indem er
verschiedene Modelle der Interaktion des Publikums mit seinem Werk inszeniert, schafft er, einem
Regisseur nicht unähnlich, Zwischenräume und Zwischenwelten in denen Kunst und Leben eins
werden. Der Künstler leistet mit seinem bisherigen Schaffen einen wichtigen Beitrag zur
zeitgenössischen Kunst, und sein Werk entwickelt sich gerade in jüngster Zeit weiter: Aus diesen
Gründen hat sich der Stiftungsrat einstimmig entschlossen, Pierre Huyghe den Roswitha Haftmann-
Preis 2013 zuzusprechen."

Der Preisträger
Pierre Huyghe wurde 1962 in Paris geboren. Von 1982 bis 1985 studierte er an der École Nationale
Supérieure des Arts Décoratifs, Paris. Bereits Mitte der 1990er Jahre waren seine Werke weltweit
in Gruppenausstellungen gefragt. Nach Frankreich, Italien und der Schweiz wurden die nordischen
Länder Europas und Institute in den USA auf den Künstler aufmerksam und richteten ihm
Einzelausstellungen ein. Heute umspannen Huyghes Aktivitäten den Globus. Seine Werke beginnen
oft mit einer Intensivierung des Potenzials in einem Körper, einer Institution, Situation oder
biologischen Entität, einem System oder Objekt. Seine Live-Situationen sind arrangiert und doch
zufällig und spekulativ. Er schafft die Bedingungen, dass etwas entstehen kann, ob tatsächlich
oder imaginär, und ermöglicht einen Transformationsprozess sowohl beim Werk wie auch beim
Betrachter. Er hinterfragt das Wesen des Bildes und seine phänomenologischen Voraussetzungen und
betrachtet die Ausstellung als Medium in sich. Spiel und Konversation bilden den Kern seiner
Arbeit und Kooperationen. 2012 war er eingeladen, an der Documenta 13 in Kassel teilzunehmen.
Über mehrere Monate entwickelte er eine Installation, in der Pflanzen, Tiere, ein Mensch und
unbelebte Objekte für die 100 Ausstellungstage sich selbst überlassen waren – ein
vieldiskutiertes Werk, dass nicht nur in der Kunstwelt Schlagzeilen machte.

2013 sind seine Arbeiten in einer grossen Ausstellung im Centre Pompidou (Paris) zu sehen, die
anschliessend an das Museum Ludwig (Köln) und das Los Angeles County Museum of Art weiterreist.

Der Stiftungsrat

Die Auszeichnung geht auf die Initiative von Roswitha Haftmann (1924-1998) zurück. Seit 2001
vergibt ihre Stiftung den Preis an lebende Künstlerinnen und Künstler, deren Werk von
überragender Bedeutung ist. Wer den Preis erhält, wird vom Stiftungsrat bestimmt, dem Christoph
Becker, Direktor des Kunsthaus Zürich vorsteht. Neben ihm gehören der Jury die Direktoren des
Kunstmuseums Bern, des Kunstmuseums Basel und des Museum Ludwig in Köln an. Vom Stiftungsrat
2012 neu berufene Mitglieder sind Karola Kraus (Direktorin Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig
Wien) und Bernhart Schwenk (Kurator Gegenwartskunst Pinakothek der Moderne, München).

Weitere Informationen über den aktuellen und die früheren Preisträger, die Stifterin und den
Stiftungsrat unter www.roswithahaftmann-stiftung.com.

Kunsthaus Zürich: www.kunsthaus.ch

Dienstag, 13. Dezember 2011

Haftmann-Preis für Cindy Sherman

Cindy Sherman - Untitled Film Still, 1978 s/w-Fotografie, 25,4 x 20,3 cm Edition of 10 Courtesy of the Artist and Metro Pictures © Cindy Sherman, Quelle: Stiftung

Zürich.- Der mit CHF 150.000 höchstdotierte europäische Kunstpreis, der Roswitha Haftmann-Preis, geht 2012 an die amerikanische Künstlerin Cindy Sherman (*1954). Mit einem Sonderpreis hat der Stiftungsrat der Zürcher Roswitha Haftmann-Stiftung die Zürcher den Filmemacher Harun Farocki ausgezeichnet.

Sherman zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen der inszenierten Fotografie. Sie bedient sich ausschliesslich ihrer eigenen Person, ihres eigenen Körpers als Modell ihrer Inszenierungen, verfolgt jedoch kein selbst-referenzielles Konzept. Sie ist die Neu-Erfinderin der Rollenfotogra- fie. Ihr Rollenspiel, das im Atelier als Performance beginnt, gelangt schliesslich als Fotografie an die Öffentlichkeit. Die Darstellungen überschreiten die Grenzen des Exhibitionistischen und provozieren umso mehr, da sie nicht als Selbstporträts verstanden werden wollen. Vielmehr parodiert Sherman in wechselnden Rollen stereotype Frauenbilder und thematisiert die weib- liche Identität in einer männlich dominierten Gesellschaft. Untersucht werden Verdrängungs- prozesse des Körperlichen, Psychischen und Sexuellen, die gegenwärtig mit Tabus besetzt sind. Die Künstlerin zeigt sie in teils grellfarbigen überzeichneten Stellvertretern («Reproduktionen»).

Sherman führt ihr Publikum in konfliktgeladene Situationen. Die individuelle Identität die sie darstellt, trifft auf ein kollektives Unterbewusstsein, artifizielle Schönheit auf natürliche Bru- talität. Indem ihre Kunst den Betrachter anzieht und abstösst, ihn tief zu verunsichern und zu- gleich nachhaltig zu faszinieren vermag, zeigt Sherman ein besonderes Talent. Für die Jury der Roswitha Haftmann-Stiftung ist sie nach Andy Warhol die bedeutendste Künstlerin der filmi- schen und fotografischen Selbsterforschung. In Anerkennung dieser künstlerischen Leistung verleiht der Stiftungsrat ihr den Roswitha Haftmann-Preis.

Technisch und formal lehnt sich Sherman an Charakteristika der Werbung, des Kinos oder der klassischen Malerei an. In diesen gestalterischen Grenzen hat sie sich eine hohe Beweglichkeit bewahrt. Der Durchbruch gelang ihr mit einer Reihe von Schwarzweiss-Fotografien, die zwi- schen 1977 und 1980 entstanden: den «Untitled Film Stills» und die an Standbilder des italie- nischen Neorealismus sowie an den amerikanischen Film Noir erinnern. In darauf folgenden, ersten farbigen Fotoserien werden sexuelle Übergriffe thematisiert. Prothesen und Puppen werden bevorzugte Requisiten der Künstlerin. Es folgen History-Porträts, inszeniert nach be- kannten Gemälden und mit einem hohen Wiedererkennungsgrad für den Betrachter, Serien zu Themen wie Hollywood und Clowns.

Cindy Sherman wurde 1954 in Glen Ridge, New Jersey, geboren. Sie studierte Malerei am State University College in Buffalo, New York und begann sich währenddessen mit Fotografie zu beschäftigen. Ihre erste bedeutende Arbeit, «Bus Riders» (1976), entstand noch zu Studienzei- ten. Heute lebt und arbeitet die Künstlerin in New York. Ihre Werke sind in den Sammlungen der bedeutendsten Kunst-Museen der Welt vertreten – neben den USA insbesondere in Europa, aber auch in Mexiko und in Israel.

Cindy Sherman ist die zwölfte Künstlerpersönlichkeit, der Europas höchstdotierter Kunstpreis zuteil wird und neben Maria Lassnig, Mona Hatoum und Vija Celmins die vierte Frau. Die Über- gabe des mit CHF 150‘000.- dotierten Preises findet am 10. Mai 2012 im Kunsthaus Zürich statt.

Sonderpreis für Harun Farocki

Die Auszeichnung geht auf die Initiative von Roswitha Haftmann (1924-1998) zurück. Seit 2001 vergibt ihre Stiftung den Preis an lebende Künstlerinnen und Künstler, deren Werk von überra- gender Bedeutung ist. Wer den Preis erhält, wird vom Stiftungsrat bestimmt. Ihm gehören die Direktoren des Kunstmuseums Bern, des Kunstmuseums Basel, des Museum Ludwig in Köln und des Kunsthaus Zürich an. Hinzu kommen Mitglieder, die vom Stiftungsrat berufen werden. Die Statuten eröffnen die Möglichkeit, Sonderpreise zu vergeben. Davon macht die Jury nun zum dritten Mal Gebrauch und spricht dem in Berlin lebenden Regisseur Harun Farocki einen Sonderpreis in Höhe von CHF 75‘000.– zu.

Der 1944 im heutigen Tschechien geborene Autor, Dozent und Filmemacher studierte von 1966 bis 1968 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Er machte sich als Filmkritiker und Drehbuchautor einen Namen und hat seit 1966 über 100 Produktionen abgeschlossen – überwiegend Dokumentar-, Essay- und Storyfilme. Viele seiner seit dem Jahr 2000 geschaf- fenen Arbeiten werden in Ausstellungen und Museen gezeigt – an der Biennale in Sao Paulo ebenso, wie an der Documenta 12. Er kuratiert Ausstellungen in Kunstvereinen und Museen. Weitere Informationen unter www.roswithahaftmann-stiftung.com.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Brändle: Chevalier der Künste


Christian Brändle, Direktor des Museum für Gestaltung Zürich, Foto: Umberto Romito, © ZHdK

Zürich.- Christian Brändle, Direktor des Museum für Gestaltung Zürich, ist vom französischen Kulturminister Frédéric Mitterand zum «Chevalier dans l'Ordre des Arts et des Lettres» ernannt worden. Dies teilt das Museum mit. Der damit verbundene Verdienstorden ist eine der
höchsten kulturellen Auszeichnungen Frankreichs und wird an Personen verliehen, "die sich auf aussergewöhnliche Weise durch ihr Wirken im künstlerischen Bereich oder durch ihren Beitrag zur Stärkung der Ausstrahlungskraft der Kultur in Frankreich sowie weltweit
verdient gemacht haben."

Claude Crouail, Botschaftsrat für Kultur und Wissenschaft, übergibt den «Chevalier dans l'Ordre des Arts et des Lettres» an Christian Brändle am Donnerstag, 1. Dezember 2011 um 19 Uhr. Die Feier ist Teil der Vernissage zur Ausstellung „Parfum – Verpackte Verführung“ im
Museum Bellerive, einem Haus des Museum für Gestaltung Zürich

www.museum-gestaltung.ch
www.emuseum.ch

Dienstag, 26. Juli 2011

Christine Litz Nachfolgerin von Jochen Ludwig

Christine Litz (Foto: Roman Mensing)

Freiburg.-
Neue Leiterin des Freiburger Museums für Neue Kunst wird Christine Litz, 43. Dies hat der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung entschieden. Sie ist damit Nachfolgerin von Jochen Ludwig, der das Museum aufgebaut und knapp 26 Jahre lang geleitet hat. Christine Litz nimmt ihre Arbeit voraussichtlich am 1. Juni 2012 auf. 50 Personen hatten sich auf die Stelle beworben.

Die gebürtige Singenerin studierte Kunst und Kunstwissenschaft, Germanistik und Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Nach dem Examen wechselte sie 1992 an die Universität Köln, um Kunstgeschichte, Germanistik und Pädagogik zu studieren. 1995 wechselte sie an die Ruhr-Universität Bochum, wo sie 2002 ihre Promotion abschloss. Seit Oktober 2009 ist sie als Projektleiterin der dOCUMENTA (13) in Kassel tätig. Diese weltweit renommierte Kunstausstellung zur zeitgenössischen Kunst wird sie noch bis zu deren Eröffnung betreuen. Zuvor war sie als Referentin für Bildende Kunst am niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst tätig. Dort entwickelte sie unter anderem ein niedersachsenweites Vermittlungsprogramm für Kunstvereine, war Mitglied in der Verwaltungskommission des Sprengel Museums Hannover und Stiftungsratsvorsitzende der Barkenhoff Stiftung. Von 2005 bis 2007 betreute Christine Litz als Projektleiterin die internationale Großausstellung „skulptur projekte münster 07“, die 500.000 Besucher verzeichnen konnte. 2001 bis 2005 war sie persönliche Assistentin des Direktors des Museums Ludwig, Professor Kasper König, und dort auch als Kuratorin tätig.

Christine Litz hat zahlreiche Ausstellungen und Projekte betreut, darunter Einzelausstellungen mit Bruce Nauman, Mauricio Cattelan, Heike Beyer und Lilly van der Stokker und Gruppenausstellungen wie „Mouvement’, eine Zusammenarbeit mit dem K21 in Düsselorf, wo unter anderen Künstler wie Claude Closky, George Brecht, Bas Jan Ader, Hans Haacke, Simon Starling und Mona Hatoum vertreten waren. Sie betreute das New York Stipendium des Landes Niedersachsen und hat von 2001 bis 2005 gemeinsam mit Peter Allmann die „filmbar“, ein Open-Air-Kino auf dem Dach des Museum Ludwig, initiiert, konzipiert und organisiert. Im Rahmen ihrer Tätigkeit hat sich Christine Litz in der Kunstvermittlung engagiert. Daraus resultierten Projekte wie die ‚kunst:dialoge’’, ein Vermittlungsprojekt von Studierenden der Universitäten Köln, Bonn und Düsseldorf, das bis heute weitergeführt wird. Sie hat sich mit dem Thema der Kunstvermittlung auch theoretisch auseinandergesetzt und Vorträge gehalten, wie beispielsweise zum Thema „Kunstvermittlung an Kunstvereinen“ an der Bundesakademie für kulturelle Bildung, Wolfenbüttel.

Litz war an zahlreichen Symposien und Seminaren beteiligt und gehörte verschiedenen Jurys an, zuletzt 2010 zum grenzübergreifenden Kunst-im-öffentlichen-Raum-Projekt „kunstwegen“ in Nordhorn und den Stipendien der Villa Minimo des Kunstvereins Hannover. Darüber hinaus war Litz herausgeberisch tätig und kann zahlreiche Veröffentlichungen vorweisen.

Christine Litz ist verheiratet und hat einen Sohn.

Öffnungszeiten der Freiburger Museen: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr
www.freiburg.de/museen

Abschied für Jochen Ludwig

Freiburg.- Nach 32 Jahren bei der Stadt Freiburg, davon knapp 26 Jahre als Direktor des Museums für Neue Kunst, geht Jochen Ludwig zum Monatsende in den Ruhestand. Das bringt für ihn mehr als einen Abschied. Anfang Juli gestaltete er seine letzte „Frühkunst“, am kommenden Samstag seine letzte „Museumsnacht“. Über die Nachfolge entscheidet der Gemeinderat heute, 26. Juli, in nichtöffentlicher Sitzung, schreibt Christoph Jessen, Presse- und Öffentlichkeitsreferat Stadt Freiburg, in seiner Mitteilung.

1946 in Neu-Isenburg geboren, studierte Ludwig Kunstgeschichte, Archäologie und neuere deutsche Literaturwissenschaft in Frankfurt am Main. Nach Studienaufenthalten in den USA und Wien promovierte er 1977 in Frankfurt. Nach einem Wissenschaftlichen Volontariat an der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden kam Jochen Ludwig 1979 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter ans Augustinermuseum. Bis 1985 war er dort für die Kunst der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart zuständig, baute die Abteilung Museumspädagogik auf und betreute die Öffentlichkeitsarbeit.

Bereits 1983 begann Jochen Ludwig mit den Planungen für das Museum für Neue Kunst, das im November 1985 eröffnet wurde. Von 1984 bis 1985 leitete er zudem kommissarisch das Kulturamt.

Als Gründungsdirektor des Museums für Neue Kunst hat Ludwig das Profil der Sammlung entwickelt, die ihren regionalen Schwerpunkt nicht verleugnet, ihm aber mit Glanzlichtern wie Bissier, Macke, Feininger, Dix, Ruff oder Grosse ein weltläufiges Flair verleiht. Und so kommt es durchaus vor, dass Bilder aus dem Freiburger Haus für internationale Präsentationen angefordert werden. Zum Beispiel war ein Gemälde von Julius Bissier kürzlich einige Wochen lang in den Guggenheim-Museen New York und Bilbao zu sehen.

Daneben macht das Museum mit seinen Ausstellungen auf sich aufmerksam – zur Klassischen Moderne ebenso wie zur Gegenwartskunst. Neue Besucherschichten konnte das Museum insbesondere mit Themen- und Gruppenausstellungen wie „iran.com“, „Miss You“ oder „ArtBrands“ erschließen, ebenso mit thematischen Sammlungsausstellungen wie „Rücksichten. Bilder von hinten“, „Hempels Sofa. Wohnglück mit Bildern“ oder „Der rote Teppich. Meisterwerke des Augustinermuseums auf Besuch im Museum für Neue Kunst“.

Neben seiner Tätigkeit als Museumsleiter hatte Jochen Ludwig Lehraufträge zur Museumskunde an der Universität Freiburg und ist Mitglied verschiedener Jurys – unter anderem für die Auswahl Baden-Württemberg für Stipendien der Villa Massimo in Rom, für die Kunststiftung Baden-Württemberg und für das Kulturforum Offenburg.

Öffnungszeiten der Freiburger Museen: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr

www.freiburg.de/museen

Donnerstag, 21. Juli 2011

Literaturpreis für Peter Stamm

Peter Stamm, Foto: Gaby Gerster

3land.-
Der in Winterthur lebende Schriftsteller Peter Stamm erhält in diesem Jahr den mit 10.000 Euro dotierten Alemannischen Literaturpreis. Der 1963 in Scherzingen im Kanton Thurgau geborene Autor hat sich als Verfasser von Erzählungen und Romanen einen Namen gemacht. Die Jury der von der Stadt Waldshut, der Sparkasse Hochrhein und dem Konstanzer "Südkurier" gestifteten Auszeichnung, die einem im alemannischen Sprachraum geborenen oder lebenden Autor gilt, hob in ihrer Begründung den sehr eigenen verknappten und lakonischen Stil Peter Stamms hervor.

Dem Schriftsteller, der zuletzt mit dem Roman "Sieben Jahre " (2009) und dem Erzählband "Seerücken" (2011) in Erscheinung getreten ist, gelinge es, so die Jury laut einer Pressemitteilung aus dem Waldshuter Landratsamt, in den Leerstellen seiner Texte das Unausgesprochene mitschwingen zu lassen, das seine im emotionalen wie sprachlichen Ausdruck gehemmten Figuren niemals artikulieren könnten. Dadurch ziehe er, so die Jury, seiner von Einsamen, Unbehausten und Glückssuchern besiedelten Prosa eine zweite Ebene ein, die sie zum atmosphärischen Schwingen bringe. Der Alemannische Literaturpreis 2011 wird am Sonntag, 18. September um 17 Uhr im Kommunikationszentrum der Sparkasse Hochrhein in Waldshut übergeben.

Der Alemannische Literaturpreis wurde 1980 mit dem Ziel, die Literatur aus dem Alemannischen Sprachraum zu fördern, ins Leben gerufen. Das Ausschreibungsgebiet umfasst den alemannischen Sprachraum, einschließlich Vorarlberg, Deutschschweiz und Elsass. Die erste Preisverleihung fand im Jahr 1981 statt. Zunächst wurde der Preis alle zwei Jahr vergeben, später wurde der Turnus auf drei Jahre verlängert.

Zum Preisträger:
Peter Stamm, geboren 1963 in Scherzingen/Thurgau, studierte nach einer kaufmännischen Lehre einige Semester Anglistik, Psychologie und Psychopathologie. Nach längeren Aufenthalten in Paris, New York, Berlin und London, zog es ihn wieder zurück in seine Schweizer Heimat. Heute lebt er in Winterthur, wo er seit 1990 als freier Autor und Journalist tätig ist. Aus seiner Feder stammen mehrere Radio-Hörspiele, Theaterstücke und Beiträge für verschiedene Bücher. Sein erster Roman „Agnes“ erschien 1998 im Arche Verlag, Zürich und Hamburg. Im selben Verlag erschienen die Kurzgeschichtensammlung „Blitzeis“ (1999), der Roman „Ungefähre Landschaft“ (2001) und Erzählungen unter dem Titel „In fremden Gärten“ (2003). Nach einem Wechsel zum S. Fischer Verlag erschien der Roman „An einem Tag wie diesem“ (2006), die Erzählsammlung „Wir Fliegen“ (2008) und der Roman „Sieben Jahre“ (2009). Lesereisen führten ihn unter anderem nach China, Mexico, Russland und in den Iran.

Bisherige Auszeichnungen:
1998, Ehrengabe des Kantons Zürich
1999, Rauriser Literaturpreis
2000, Rheingau Literatur Preis
2001, Ehrengabe der Stadt Zürich
2002, Preis der Schweizerischen Schillerstiftung
2002, Carl-Heinrich-Ernst-Kunstpreis
2004, Poetikdozentur: junge Autoren der Fachhochschule Wiesbaden

Der Alemannische Literaturpreis - Die Preisträger von 1981 bis heute:
1981 Ernst Burren, 1944, CH-4515 Oberdorf CH,
1983 Maria Beig 1920 D-88090 Immenstadt D
1985 Manfred Bosch 1947 D-78467 Konstanz D
1987 Franz Hohler 1943 CH-8050 Zürich CH
1990 Markus Werner 1944 CH-8200 Schaffhausen CH
1993 Robert Schneider 1961 A-6840 Götzis (-Meschach) A
1996 Hermann Kinder 1944 D-78462 Konstanz D
1999 Arnold Stadler 1954 D-88605 Sauldorf-Rast D
2002 Martin Walser 1927 D-88662 Überlingen D
2005 Karl-Heinz Ott 1957 D-79100 Freiburg D
2008 Peter Weber 1968 CH-8008 Zürich CH
2011 Peter Stamm 1964 CH-Winterthur CH

Freitag, 10. Dezember 2010

Deutsch-französischer Literaturpreis für Röggla und de Kerangal

Freiburg.- Bei einem Festakt haben Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Frankreichs Kulturminister Frédéric Mitterand im Rahmen des deutsch-französischen Ministerrats-Treffens in Freiburg erstmalig den deutsch-französischen Literaturpreis „Franz-Hessel-Preis“ verliehen. Mit dem Literaturpreis des von der Stiftung Genshagen und der Villa Gillet (Lyon) von nun an jährlich vergebenen Franz-Hessel-Preises werden in diesem Jahr die Schriftstellerinnen Kathrin Röggla und Maylis de Kerangal ausgezeichnet. Der Preis ist jeweils mit 10.000 Euro dotiert.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann betonte in seiner Ansprache: „Frédéric Mitterand und ich sind uns als Schirmherren bewusst, dass diese Preisverleihung im Rahmen des deutsch-französischen Ministerrats etwas ganz Besonderes ist. Sie unterstreicht den Stellenwert, den der kulturelle Dialog für unsere beiden Länder hat. Der Jury des Preises ist es dabei gelungen, mit Kathrin Röggla und Maylis de Kerangal zwei ausgezeichnete Schriftstellerinnen der Gegenwart auszuwählen, die mit ihren Werken die hohe Qualität zeitgenössischer Literatur dokumentieren. Ich hoffe, dass diese Auszeichnung dazu beiträgt, ihre Arbeiten im Nachbarland bekannt zu machen und dadurch das gegenseitige Verständnis unserer Kulturen noch mehr zu stärken und zu festigen. Der Franz-Hessel-Preis ist Teil der Agenda 2020, die dem gemeinsamen deutsch-französischen Kulturraum in Europa noch mehr Gewicht verleihen soll. Diesem Ziel dient auch die bessere Vernetzung bei der Digitalisierung unseres Kulturerbes sowie eine Fülle von Kooperationsprojekten in den Bereichen Film und zeitgenössischer Kunst. Denn Europa ist nicht nur eine Wirtschafts- und Währungsunion, sondern auch eine geistige und kulturelle Union.“

Kathrin Röggla wurde 1971 in Salzburg geboren und lebt seit langem in Berlin. Sie schreibt Theaterstücke, Hörspiele und Prosatexte. "In ihrem letzten Erzählband „die alarmbereiten“ (S. Fischer, 2010) thematisiert Röggla die mediale Spiegelung der Welt im permanenten Krisen- und Ausnahmezustand und bringt gleichzeitig Humorvolles und Groteskes zum Vorschein", so die Begründung der Jury laut Pressemitteilung.

Maylis de Kerangal wurde 1967 in Toulon geboren. Im Jahr 2000 hat sie ihren ersten Roman veröffentlicht; es folgten weitere Romane und eine Novellensammlung. "In „Naissance d'un pont" (Verticales, 2010) ist es Maylis de Kerangal gelungen in einer vielschichtigen dramatischen Erzählweise einen Roman zu komponieren, der aufrüttelnd und beeindruckend ist", fanden die Juroren.

Montag, 8. November 2010

Basler Kulturpreis für Susanne Würmli-Kollhopp

Basel.- Der Kulturpreis des Kantons Basel-Stadt 2010 wird an Susanne Würmli-Kollhopp, langjährige Chorleiterin an der Musik-Akademie Basel-Stadt, vergeben. Der passionierten Musikerin und Kulturvermittlerin sei es gelungen, in der Region Basel ein Chornetzwerk aufzubauen, das in seiner Qualität und Professionalität einzigartig ist, so die Pressemitteilung des Kantons.

Susanne Würmli-Kollhopp, geboren 1945, wuchs in den Kantonen Zürich und Appenzell auf und ist ausgebildete Primarlehrerin und Heilpädagogin. Seit über 30 Jahren lebt und arbeitet sie in der Region Basel. An der Musik-Akademie Basel-Stadt bildete sie sich in den Bereichen Musik und Bewegung, Gesang und Dirigieren weiter und begann in den 1980er Jahren, eigene Chöre in der Region zu leiten. Sie gründete 1983 einen Kinderchor an der Musikschule der Musik-Akademie Basel und baute durch jährliche Neugründungen für jüngere, neu eintretende Kinder und durch die Weiterführung der schon bestehenden Jugendchöre ein eigentliches Chornetzwerk auf. Bis 2006 hatte Susanne Würmli-Kollhopp die Leitung aller Kinder- und Jugendchöre an der Musik-Akademie Basel inne, seit vier Jahren betreut sie noch Projekte, die unter ihrer Leitung begonnen wurden.

Während ihrer ganzen Chorleitungszeit verfasste Susanne Würmli-Kollhopp verschiedene Singspiele für Jugendliche und Erwachsene, komponierte Kinderlieder und Liedsätze für gleiche und gemischte Stimmen; dies immer als "Gebrauchsliteratur" für die eigenen Kinder-, Jugend- und Erwachsenenchöre. Im Jahr 2009 kam die Gründung des Eigenverlages "Singlust" dazu sowie die Herausgabe diverser Hefte zum Thema Volkslieder aus der Schweiz und Europa.

Susanne Würmli-Kollhopp wirkt an der Musikschule der Musik-Akademie Basel seit 27 Jahren als engagierte Leiterin von Kinder- und Jugendchören und bringt hierfür eine hohe menschliche und fachliche Kompetenz ein: Hunderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus der Region Basel haben unter ihrer leidenschaftlichen Chorleitung die Freude am Singen entdeckt, ihre Stimme ausgebildet und mit öffentlichen Auftritten in einem der legendären Würmli-Chören ein grosses Publikum immer wieder von Neuem begeistert. Viele ihrer ehemaligen Schülerinnen und Schüler haben unterdessen eine professionelle Gesangskarriere eingeschlagen oder verwendeten das von ihr Gelernte für ihre Instrumentalistenausbildung.

Susanne Würmli-Kollhopp setzt sich zudem seit vielen Jahren erfolgreich für die Öffnung der traditionellen Chormusik ein und integriert populärmusikalische Strömungen in ihre Repertoires. Ohne Susanne Würmli-Kollhopp würde der hochwertigen Basler Chorlandschaft eine essentielle Basis fehlen.

Die Verdienste von Susanne Würmli-Kollhopp zeugen von einer ausserordentlich hohen künstlerischen wie sozialen Kompetenz: Ihre Leistung als herausragende Chorleiterin, der es seit vielen Jahren gelingt, die Vielfalt der Chormusik auf hohem szenisch-musikalischen Niveau zu vermitteln, möchte die Jury mit dem Basler Kulturpreis 2010 gerne würdigen.

Der Kulturpreis der Stadt Basel wird dieses Jahr zum 38. Mal vergeben; er ist mit CHF 20'000 dotiert. In der Jury sind Katrin Eckert, Hans-Georg Hofmann, Sandra Leis, Sibylle Ott, Hansmartin Siegrist, Jeannette Voirol und Isabel Zürcher. Die Preisverleihung durch den Regierungsrat findet am 15. November 2010 um 18.15 Uhr im Rathaus statt.

Mittwoch, 31. März 2010

Hohe Auszeichnung

Foto: © Ismael Lorenzo, Quelle. Theater Basel

Basel.- Ballett Basel Managing Director Catherine Brunet ist am 30. März 2010 anlässlich einer offiziellen Zeremonie im Theater Basel der französische Ordre des Arts et des Lettres, der Orden der Künste und der Literatur, verliehen worden. Das teilte das Theater Basel mit. Dieser Orden wurde am 2. Mai 1957 gestiftet und wird seither vom französischen Kulturministerium verwaltet. Der Orden wird verliehen an „Personen, die sich durch ihr Schaffen im künstlerischen oder literarischen Bereich oder durch ihren Beitrag zur Ausstrahlung der Künste und der Literatur in Frankreich und in der Welt ausgezeichnet haben“. Catherine Brunet, Managing Director du Ballett Basel, a été décorée aujourd’hui de l’Ordre des Arts et des Lettres français lors d’une cérémonie officielle qui s’est tenue au Théâtre de Bâle. Cet Ordre a été institué le 2 mai 1957 et est depuis géré par le Ministère de la Culture français. L’Ordre est décerné à « des personnes qui se sont distinguées par leur création dans le domaine artistique ou littéraire ou par la contribution qu’elles ont apportée au rayonnement des arts et des lettres en France et dans le monde ».

Der Orden der Künste und der Literatur ist die wichtigste kulturelle Auszeichnung Frankreichs und mit ihr werden Personen geehrt, die sich durch ihr «künstlerisches oder literarisches Schaffen ausgezeichnet oder um die Strahlungskraft der Kunst und der Literatur in Frankreich und in der Welt verdient gemacht haben». Mit diesem Titel befindet sich Catherine Brunet in der illustren Gesellschaft von Rudolf Nurejew, Maurice Béjart, Pina Bausch seitens der Tanzkunst sowie auch zum Beispiel Bruno Ganz, Max Frisch, Wolfgang Rihm oder Robert Redford.

Catherine Brunet ist gebürtige Französin und lebt seit 1980 in der Schweiz. Ihre Karriere als Solotänzerin im Ballett hat sie von Angers, Nancy und Mexico nach Basel gebracht, wo sie rund zehn Jahre von Heinz Spoerli geführt wurde. 1990 wendete sich Brunet als Projektleiterin – insbesondere der ART BASEL – bei der Messe Schweiz einer neuen Karriere zu. In diesen Jahren betreute sie neben ihrer Haupttätigkeit kleinere Ballettensembles wie das Tanz Ensemble Cathy Sharp. Nach dem Besuch des Seminars Performing Arts: Audience Development des British Council International in London absolvierte sie 2000 den ersten Kulturmanagement-Kurs des Schweizerischen Ausbildungszentrums für Marketing, Werbung und Kommunikation (SAWI). Ihre erste Stelle als Ballettmanagerin trat sie 2001 im Stadttheater Bern Ballet unter der Leitung von Félix Duméril an und wurde zwei Jahre später von Richard Wherlock angefragt, zum Ballett Basel als Managing Director zurück zu kehren. Von 2004 bis 2009 war Brunet zudem zuständig für die künstlerische Betriebsleitung des Festivals Basel Tanzt.

„Mit dieser Auszeichnung wird eine breite Öffentlichkeit über etwas informiert, das wir bereits wissen: Catherine Brunet prägt die Schweizer Tanzwelt und das Ballett Basel seit rund 30 Jahren – sei dies als Künstlerin auf der Bühne, oder als Managerin hinter den Kulissen. Wir fühlen uns geehrt, an der heutigen bedeutenden Auszeichnung teilzunehmen und gratulieren Catherine herzlich dazu“, sagt Richard Wherlock, Direktor Ballett Basel.

Donnerstag, 11. März 2010

Schappo für Arlecchino-Gründer Peter Keller

Basel.- Mit einem schappo wird Peter Keller, Gründer des Basler Familientheaters Arlecchino von Regierungspräsident Dr. Guy Morin ausgezeichnet. Dies teilt das Präsidialdepartement des Kantons Basel-Stadt mit. Nur Dank seines über 12 Jahre dauernden freiwilligen Engagements ggebe es diesen qualitativ hoch stehende Kulturbeitrag für Kinder und Familien noch immer in dieser Form, so die Begründung.

Die schappo-Kommission hat den Gründer und Initiant von Theater Arlecchino, Peter Keller, für den 21. Prix schappo ausgewählt. Peter Keller ist in Personalunion Direktor, Kassier, künstlerischer Leiter und Platzzuweiser. Unterstützung erhält er von einem Ensemble mit 10 - 15 Schauspielern/-innen, die ohne Entschädigung auftreten, sowie von einem Team mit freiwilligen Helfern/-innen für Bühnenbau, Regie, Medienarbeit oder Saaldienst. Nur dank diesem ehrenamtlichen Engagement kann Theater Arlecchino nun über 12 Jahre bestehen und die Vorführungen zu familienfreundlichen Konditionen anbieten.

Peter Keller steht durch das Theater Arlecchino als Wegbereiter zur Förderung des Kulturverständnisses und als eine Begegnungsstätte für Kinder und Erwachsene mit dem Medium Theater in Basel und Region. Nichts bereitet ihm und seinem Ensemble mehr Genugtuung und Lohn als die Freude und Begeisterung in den Gesichtern der Kinder. Peter Keller hat damit ein ernst zu nehmendes Kulturangebot auf hohem Niveau geschaffen, das auch die Anerkennung des Kantons verdient. "Peter Keller hat in den vergangenen 12 Jahren ein umfassendes Angebot für alle Sinne und die ganze Familie geschaffen, das weit über das eigentliche Theaterspiel hinausgeht", stellt Regierungspräsident Guy Morin fest.

Der Prix schappo wurde Peter Keller vom Basler Regierungspräsidenten Guy Morin im Rahmen einer Feierstunde im Theater Arlecchino, Amerbachstr. 14 in Basel am Donnerstag überreicht.

http://www.schappo.ch/start/schappo/wer.html
http://www.theater-arlecchino.ch/prod.htm

Montag, 8. März 2010

Sigi von Koeding gestorben

DARE-Video auf Youtube - zum Abspielen aufs Bild klicken


Weil am Rhein/Basel. "Vom illegalen Graffitisprayer zum Künstler von Weltformat" stellte der Schweizer Fernsehmoderator Kurt Aeschbacher den Basler Künstler noch im Mai 2009 vor, der seit 2004 sein Atelier im Kesselhaus in Weil am Rhein bezogen hatte. Am 6. März ist er gestorben. 1968 wurde Sigi von Koeding in Basel als Sohn einer Schweizer Mutter und eines deutschen Vaters geboren. Er verbrachte einige Jahre seiner Kindheit auch in Haltingen. In den 80er-Jahren gehörte er in der Schweiz zu den Graffitikünstlern der ersten Stunde. "DARE to be different" war sein Slogan. Zugleich überzeugte er Partner und Galeristin durch seinen verlässlichen Lebensstil und eine klare Orientierung an Zielen und Ideen.

Noch im vergangenen Jahr kam er gemeinsam mit seinem Freund "Toast" in die Schlagzeilen, weil er für Gunther Sachs ein Schloss am Wörthersee künstlerisch gestaltete. Und noch im Dezember zeigte er vielen Besuchern beim Tag der offenen Ateliers im Kesselhaus Filme und Dokumente zu diesem Projekt, das seine Arbeiten auch in das Leipziger Kunstmuseum brachte. Dann wurde eine heimtückische Krankheit diagnostiziert. Alle ärztliche Kunst half nichts mehr. In der Nacht zum Sonntag ist Sigi von Koeding gestorben. Noch vor zwei Wochen haben seine Künstlerfreunde aus Weil am Rhein und dem internationalen Ausland wie Wolfgang Krell, Stefan Winterle, Patrick Luetzelschwab und viele Partner und Kollegen, die um ihren Freund bangten, ihm zu Ehren und zur moralischen Aufmunterung in Bern eine Wand besprayt. Auf internationalen Internet-Plattformen sind Erinnerungsbilder geschaltet. Sigi von Koeding, der mit seinem Künstlernamen "DARE" in der Welt der internationalen Graffitikunst auch als einer der wichtigsten Kunstvermittler tätig geworden ist und die Entwicklung dieser Kunstrichtung von der Straßenkunst zum angesagten Thema von Galerien und Kunsthäusern maßgeblich beeinflusst hat, wird eine Lücke hinterlassen, die nicht geschlossen werden kann. Als künstlerischer Leiter der carhartt-gallery hat er in den letzten Jahren programmatisch wie inhaltlich einen Kunstort geschaffen, der in dieser Form einzigartig ist.

"Handschrift ist für mich Ausdruck von Persönlichkeit" schrieb Sigi von Koeding auf seiner Homepage. "Buchstaben dienen deshalb nicht nur als Kommunikation eines Inhaltes, sondern spiegeln die Seele eines jeden Schreibers. Und das ist es was ich tue, ich „Schreibe“. Mein künstlerischer Ursprung liegt im „Writing“, in unserer Gesellschaft unter dem Begriff „Graffiti“ bekannt. Seit über 20 Jahren setze ich mich Intensiv und Aktiv mit der Schrift auseinander, habe diese in ihrer typografischen Grundform erlernt und für mich Autodidakt weiter entwickelt. Der Name DARE steht für das Pseudonym, welches ich mir anno 1986 auferlegt habe. Nach all den Jahren, wo ich meinen Namen auf die Wände dieser Welt geschrieben habe, ist es für mich die ehrlichste Art und Weise, diesen Namen heute auf Leinwand zu schreiben. So sind meine Bilder als geschriebene Selbstportraits zu sehen und wenn man daran glaubt, dass Handschrift Ausdruck von Persönlichkeit ist, so kann in jedem einzelnen Buchstaben Leben gefunden werden. Dieses Leben wiederum, bin ich. DARE! oder Sigi von Koeding."

1990 war er dann der erste Sprayer in der Schweiz, der den Schritt in die Selbständigkeit wagte. Nach seinem ersten Auftrag im Basler Medienhaus für den Fotografen Onorio Mansutti und der großen Wandgestaltung für die Gemeinde Münchenstein folgten die ersten Zeitungsberichte auf nationaler Ebene. Darauf folgten schon Titelstorys in Schweizer Medien, diverse Fernsehauftritte und Reportagen beim Schweizer Fernsehen. Schon in den späten achtziger Jahren reiste Sigi von Koeding quer durch Europa, um an großen Wandgestaltungen mit internationalen Graffitikünstlern teilzunehmen.

1991 sprayt er in der Galerie Littmann, Basel, zur Ausstellung „Drogen, Welt in Trance“. Diverse Arbeitsreisen nach München und Paris folgten. Im Sommer 1992, nach dem er für die Firma Multi Contact in Weil am Rhein in Zusammenarbeit mit Patric Clauss eine 160 qm große Aussenfassade gestaltet hatte, flog er für vier Wochen nach New York zu den Wurzeln der Graffiti-Kultur. Dort sprühte er mit der Graffitilegende POEM eine Wand in Brooklyn und kleinere Werke in der Bronx. Die gewonnenen Eindrücke wurden Inhalt seiner Arbeiten auf Leinwand.

Der Weg von der großflächigen Wand auf die Leinwand war für ihn ein schwieriges Unterfangen, da das Werkzeug Spraydose die Ausdruckskraft auf kleineren Arbeitsflächen doch sehr erschwert. Als Schriftenmaler sind ihm auch andere Techniken geläufig, was mit ein Grund für die später fast ausschließlich Arbeiten mit Pinsel auf Leinwand ist. Es folgten Auftragsarbeiten und Ausstellungen in der ganzen Schweiz, unter anderem das Theater-Tram der Basler Verkehrsbetriebe im Auftrag der Migros, künstlerische Gestaltung von sämtlichen Filialen der City Disc AG in der Schweiz, Bühnenbilder für das Béjart Ballet in Lausanne, Plakatgestaltung für den Rollerpalast in Luzern mit schweizweitem Aushang, Bemalungen von Autowaschstrassen und künstlerische Konzepte für verschiedene Discotheken in der Schweiz. 1993 reist er nach Los Angeles. Dort gestaltete er mit HEX, einem weltbekannten Graffitikünstler, den Hiphop-Shop an der Melrose Avenue. Es folgten Arbeitsreisen nach Amsterdam und Kopenhagen. Live-Darbietungen an Hiphop-Veranstaltungen, u.a. in Frankfurt, Dresden, Dortmund, Essen und Stuttgart.

Als Herausgeber veröffentlichte er die erste Ausgabe des Graffitimagazins AEROSOUL. Die Liste seiner Projekte wird in der Folge immer dichter: 1996 dann die Ausstellung mit ausgewählten Graffitikünstlern und H.R. Giger an der ART Frankfurt. Gro?e Wandgestaltung in Hamburg mit DAIM und HESH für die SAGA-Wohnbaugenossenschaft. 120 qm Wandgestaltung in Naestved, Dänemark mit CMP, SPIN und Mister Green. Gewinner des Graffitiwettbewerbes in St. Imier. Gruppenausstellung „A Tribute to Style“, Kallmann Museum, Ismaning/München . 1997 die Bemalung einer 800 qm Wand in Hamburg/Altona im Auftrag der Sprinkenhof AG zum Thema Multi-Media in Zusammenarbeit mit 14 internationalen Graffitikünstlern. Gruppenausstellung „Aufstand der Zeichen“, Toskanische Säulenhalle Augsburg . Live-Darbietung in Dunkerque.

Aber auch zuhause: 1998 kam es zur Bemalung von zwei Kühen für das Läckerli-Huus zum Anlass von 555 Jahre Basler Läckerli in Zusammenarbeit mit dem Künstler Coorpato,.Co-Autor des Buches „Swiss Graffiti“ zusammen mit Beat Suter, erschienen im Verlag Edition Aragon. Gemeinsam mit seinem Freund Patrick Luetzelschwab gestaltete er 1999 vor der Landesgartenschau Grün 99 die Bahnhofsunterführung in Weil am Rhein im Auftrag der Deutschen Bahn AG. Live-Darbietungen in Ancona, Montpellier, Saarbrücken, München und Karlsruhe gehörten zu seinem Kalender genauso wie Ausstellungen und Projekte in New York, London, Lausanne, Locarno, Saarbrücken Fernsehauftritte mit bekannten Persönlichkeiten des Kunstlebens folten. Die Spraydosenfirma „Belton Molotow “ bringt den Farbton „085 Dare Orange“ auf den weltweiten Markt.

2002 folgten Ausstellungen in Hamburg "Urban Discipline ", Heidelberg und Lahr, Projekte in Turin. Das Buch „Dare on Canvas“ wurde veröffentlicht. Und wieder öffentliche spektakuläre Projekte in Mailand, in Barcelona, Braunschweig und Arbeitsreisen nach Malmö, Kopenhagen, Saarbrücken und Landau. Ein Jahr später half er bei der Gründung und Organisation der Galerie K31 in Lahr.

Nach öffentlichen Arbeiten in Bern, Zürich kam eine 80 qm Außenwand in der Stadt St. Gallen im Auftrag der KB Medien AG dazu. Er hielt Vorträge an der Schule für Gestaltung, Basel und folgte Patrick Luetzelschwab gemeinsam mit Stefan Winterle und Wolfgang Krell ins Kulturzentrum Kesselhaus. Für die Stadt Weil am Rhein war er auch an der Fassade des Hauses der Volksbildung beteiligt.

Seine Werke waren auf der ART Basel zu sehen und wurden von Marshall Art Basel publiziert. 2006 feierte er dann 20 Jahre DARE mit Projekten in Zagreb, Paris, Fredericia (DK). Die Spraydosenfirma „Belton Molotow “ brachte den Farbton „302 Dare Orange Transparent“ auf den weltweiten Markt. Er war an der Alinghi Swiss Roadshow in Zürich und einem Live Painting an der Kospolite in Paris beteiligt und leitete drei Workshops in Basel, Lausanne und Genf. Ende des Jahres übernahm er die künstlerische Leitung der carhartt-gallery in Weil am Rhein-Friedlingen. Die Auftraggeber wurden immer illustrer: elf handbemalte Zifferblätter für die Uhrenmarke Pierre DeRoche an der Baselworld gehörten dazu, aber auch die Bemalung des Appartments von Gunter Sachs im Schloss am Wörthersee mit TOAST (Ata Bozaci) in Velden (A). Live Paintings in Sarajevo und Genf hatten auch friedenspolitischen Charakter. Er war an ungewöhnlichen Ausstellungsprojekten in Lörrach und Weil am Rhein beteiligt und inspirierte zu vielen weiteren Projekten.

Auf Anregung von Gunther Sachs malte er 2008 "my pulse" ein monumentales Werk für das Museum der bildenden Künste Leipzig zur Retrospektive von Gunther Sachs "Die Kunst ist Weiblich".

2009 wurde er an der ART KARLSRUHE von der Galerie Springmann präsentiert. Im Mai lud ihn Kurt Aeschbacher zum TV-Talk ein, sein Werk geriet zur Titelstory in der Zeitschrift Regio Aktuell". Und zeigte Ende des Jahres auf seiner Homepage www.dare.ch seine neun Favoriten. Sigi von Koeding war nachtaktiv, viele kreative Impulse kamen mit der Stille. Seien Werke sprechen in aller Welt eine fortdauernde ästhetische Sprache. Nicht nur viele persönliche Freunde trauern seit dem 6. März um den sympathischen, aufmerksamen und offenen Menschen, sondern auch zahllose Kunstfreunde in aller Welt.

T.P.

Freitag, 26. Februar 2010

Ernst Beyeler ist gestorben


Ernst Beyeler, Foto: J. Isler Quelle: Fondation Beyeler

Riehen.- Der Schweizer Galerist und Museumsgründer Ernst Beyeler ist tot. Das bestätigte die Fondation Beyeler der Basler Zeitung. Demnach starb er am Donnerstag im Alter von 89 Jahren, "Der Tod von Ernst Beyeler bedeutet für Basel und die gesamte Kunstwelt einen immensen Verlust. Seine Leistungen machen Basel auch weiterhin zu einer Metropole für Bildende Kunst" erklärt das Präsidialdepartement des Kantons Basel-Stadt dazu in einer Medienmitteilung

Ernst Beyeler war eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Kunsthandels des 20. Jahrhunderts, war Kunstliebhaber, -sammler, Mäzen und genialer Händler mit untrügerischem Gespür für Qualität in einer Person.

"Als Mitbegründer der ART (1970) und Gründer der Fondation Beyeler im Jahr 1997 machte er zusammen mit seiner Frau Hildy Beyeler Basel zu einer weltweit beachteten Kunstmetropole. Sein grösster Verdienst ist, dass er seine Sammlung mit der Fondation Beyeler einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machte und mit dem Einbezug von Renzo Piano auch einen Meilenstein in der Museumsarchitektur setzte, der weltweite Beachtung findet. Darin lebt sein Werk auch über seinen Tod hinaus weiter.

In 50 Jahren haben Ernst und Hildy Beyeler rund 200 ausgesuchte Werke der klassischen Moderne zusammengetragen. Die Sammlung ist 1982 in eine Stiftung umgewandelt worden. Seit 1997 ist die Sammlung im Museum Fondation Beyeler in Riehen bei Basel untergebracht. Das Museum beherbergt neben Werken von Cézanne, Picasso, Rousseau, Mondrian, Klee, Ernst, Matisse, Newman, Bacon, Dubu und macht immer wieder mit spektakulären Sonderausstellungen von sich reden.

Ernst Beyeler kam am 16. Juli 1921 in Basel als Sohn eines Bahnbeamten zur Welt. Er studierte Kunstgeschichte und Nationalökonomie. 1945 übernahm er ein Buchantiquariat. Ab 1951 war er als Galerist und Kunsthändler international tätig. 1959 bis 1965 hatte Beyeler seinen ersten großen Erfolg, als er 340 Werke der Sammlung Thompson in Pittsburgh kaufte.

Die Mitteilung des Präsidiealdepartements weiter: "Der Kanton Basel-Stadt und die gesamte Region verdanken Ernst Beyeler mit seiner bedingungslosen Leidenschaft für die Kunst und seinem unternehmerischen Geist unvergleichliche Ausstrahlung nach innen und aussen. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt ist betroffen über den Verlust dieser Persönlichkeit und wird sich auch in Zukunft dafür einsetzen, das einzigartiges Vermächtnis Ernst Beyelers zu pflegen."

Mittwoch, 6. Januar 2010

Spuck kommt für Spoerli

Foto: Christian Spuck; Quelle: Staatstheater Stuttgart

Zürich.- Der Choreograf Christian Spuck (40), der seit 2001 als Hauschoreograf am Stuttgarter Ballett engagiert ist, wird mit Beginn der Spielzeit 2012/13 neuer Ballettdirektor am Opernhaus Zürich. Er wird die Nachfolge von Heinz Spoerli antreten, der das Zürcher Ballett dann sechzehn Jahre lang erfolgreich geleitet und zu internationalem Ansehen geführt hat. Christian Spuck wird - ebenso wie der designierte Intendant Andreas Homoki und der designierte Generalmusikdirektor Fabio Luisi - für fünf Jahre ans Zürcher Opernhaus verpflichtet.

Andreas Homoki, designierter Intendant des Opernhauses Zürich ab der Spielzeit 2012/13: „Christian Spuck ist aufgrund seiner durch das Klassische Ballett geprägten künstlerischen Biografie einer der ganz wenigen jungen Choreografen, welche die nötigen Voraussetzungen mitbringen, um eine so traditionsreiche Compagnie wie das Zürcher Ballett zu führen. Ganz besonders schätze ich seinen – bei aller Perfektion – immer humorvollen Zugriff auf das klassische Ballettvokabular. Seine Ballette sind in jedem Moment spannendstes Musiktheater. Aber das Wichtigste: Christian ist ein virtuoser Geschichtenerzähler. Mit seiner Berufung ist mein künstlerisches Leitungsteam endlich komplett, und ich freue mich sehr auf eine spannende Zusammenarbeit.“

Christian Spucks (40) Reaktion: „Ich freue mich sehr über die grosse Verantwortung und Berufung, das Zürcher Ballett ab 2012/2013 zu leiten. Neben der Pflege des Repertoires möchte ich mit Uraufführungen wichtiger Choreografen Akzente setzen und bin gespannt darauf, mit einer technisch wie darstellerisch starken Compagnie und dem Junior Ballett meine Arbeit als Choreograf fort zu führen

Über die geplante fünfjährige Zusammenarbeit mit dem Intendanten Andreas Homoki bin ich hocherfreut. Gemeinsam mit Ihm möchte ich das Zürcher Ballett weiter aufbauen und unsere Begeisterung für spannendes Ballett und Musiktheater mit dem Zürcher Publikum teilen. Ich freue mich auf eine aufregende Zeit in Zürich.“

Christian Spuck choreographiert seit 1998 für das Stuttgarter Ballett und zahlreiche weitere Compagnien in Deutschland, Europa und Nordamerika. Im Juni 2001 ernannte Ballettintendant Reid Anderson den gebürtigen Hauschoreographen. Seit 1998 hat Christian Spuck vierzehn Uraufführungen für das Stuttgarter Ballett geschaffen, darunter zwei abendfüllende Handlungsballette. Er trägt mit seinem Werk maßgeblich zur Ausformung des modernen Profils der Compagnie bei. Choreographien von Christian Spuck werden weltweit von renommierten Ballettensembles und bekannten Stars des klassischen Balletts getanzt.

Spuck erhielt seine tänzerische Ausbildung an der John Cranko Schule in Stuttgart, wo er 1993 seinen Abschluss machte. Als Tänzer arbeitete er mit Jan Lauwers’ Needcompany und mit Anne Teresa de Keersmakers Ensemble ROSAS bevor er 1995 Mitglied des Stuttgarter Balletts wurde. Von 1994 bis 1996 war Christian Spuck als choreographischer Assistent von Marco Santi. Für die Reihe „Junge Choreographen“ der Stuttgarter Noverre-Gesellschaft erarbeitete Christian Spuck 1996 seine erste eigene Choreographie, Duo/Towards The Night, der anschließend sowohl beim Stuttgarter Ballett als auch beim Ballett der Deutschen Oper Berlin ins Repertoire aufgenommen wurde. Für die Noverre- Gesellschaft folgten Songs From A Secret Garden (1997) und amores 1 (1999). 1998 choreographierte Christian Spuck seine erste Uraufführung beim Stuttgarter Ballett: Passacaglia.

Seitdem hat er elf weitere Ballette für diese Compagnie choreographiert, darunter die groß besetzten und sehr erfolgreichen Ballette dos amores und das siebte blau. Christian Spucks hohe Musikalität, sein souveräner Umgang mit dem Raum, seine stilsichere Inszenierungskunst und seine Fähigkeit, mit großen Besetzungen zu arbeiten, verlangen geradezu nach dem erzählenden, abendfüllenden Format. Sein erstes großes Handlungsballett schuf Christian Spuck ebenfalls für das Stuttgarter Ballett: Lulu. Eine Monstretragödie, nach dem Schauspiel von Frank Wedekind, erlebte seine umjubelte Uraufführung im Dezember 2003 auf der Bühne des Stuttgarter wiederaufgenommen und bei den Maifestspielen in Wiesbaden aufgeführt.

Am 7. April 2006 kam Christian Spucks zweites abendfüllendes Handlungsballett für das Stuttgarter Ballett im Opernhaus zur Uraufführung: Der Sandmann, nach der gleichnamigen Erzählung von E.T.A. Hoffmann. Die von Publikum und Kritik für ihre brillanten Solisten und spannungsreichen Ensembleszenen gefeierte Produktion setzte Handlungsballette fort. Mit in diese Reihe gehören auch die für das Essener Aalto Theater geschaffenen Uraufführungen Die Kinder (2004, nach dem Drama von Edward Bond) und Leonce und Lena (2008, nach Georg Büchner), das im Auftrag des Königlichen Balletts von Flandern 2006 in Antwerpen uraufgeführte The Return of Ulysses, sowie die für Egon Madsen und Eric Gauthier geschaffenen Produktion Don Q., die 2007 am Theaterhaus Stuttgart Premiere feierte. Alle diese Werke erfuhren herausragende Resonanz weit über ihre Entstehungsorte hinaus. Auch mit seinen Einaktern ist Christian Spuck international präsent. Erfolgreich hat Christian Spuck seinen Wirkungskreis im Bereich Musiktheater seit 2005 weiter ausgedehnt. seiner Regie Premiere. Auch ein zweiter Tanzfilm – nach dem vielversprechenden Debüt mit dem 2006 bei ARTE ausgestrahlten Márcia Haydée als Penelope – ist derzeit in Arbeit.

Und Vorgänger Spoerli? Anlässlich seines sechzigsten Geburtstags hat Heinz Spoerli eine Stiftung gegründet, die «allgemein einen Beitrag zur Erhaltung der Kunstform des Tanzes und zur Förderung des öffentlichen Interesses hieran» leisten möchte. Die Stiftung trägt den Namen «Foundation Heinz Spoerli» und hat ihren Sitz in Basel. Sie hat die Absicht, «wiederkehrend» einen internationalen Preis auszusetzen, der «herausragende Leistungen auf diesem Gebiet – insbesondere solche junger Choreographen – würdigt». Zum ersten Mal hat die Stiftung diesen mit 20.000 Schweizer Franken dotierten Preis im Jahr 2000 an den Schweizer Choreographen Martin Schläpfer verliehen. Der dritte Preis ging an seine jetzige Wirkungsstätte: Polina Semionova und Arman Grigoryan wurden im Opernhaus Zürich für ihre herausragenden Leistungen mit je 15.000 Schweizer Franken geehrt
Weiterführende Links
www.opernhaus.ch
www.staatstheater.stuttgart.de/ballett/compagnie/leitung.php?id=3088
www.spoerli.ch/

Montag, 9. November 2009

Kreative Köpfe: Christoph Zill


3land.- Der in Lörrach lebende Sänger und Songwriter Christoph Zill ist nicht nur mit neuer Band unterwegs, sondern auch auf Touren. Bei dem seit 20 Jahren bestehenden Künstlerkollektiv der „Tacheles Art Academy“ in Berlin, stieß ZILL mit seinem Sound auf mehr als offene Ohren. Der Lohn für die Mühen der letzten Jahre: vom 15.10. bis 10.11.2009 wirkte ZILL mit zum Teil international renommierten, aus mehr als 20 Nationen stammenden
Künstlern aus den Bereichen Musik, Bildende Kunst und Mode bei einem internationalen Festival in Miskau mit. Als einer der wenigen nicht aus dem Berliner Umfeld stammenden Künstler wurde ChristophZill zu diesem Spektakel eingeladen. Damit die Leser von 3land.info ihn und das, was ihn antreibt, besser einschätzen können, hat er in unserer Reihe Kreative Köpfe die 15 Fragen für 3land.info beantwortet.

Lebensmotto?
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Sternzeichen? Jungfrau
Jahrgang? 1974

Wie würden Sie sich und Ihre Arbeit beschreiben (Ihre Antriebsfedern, die Themen; was wollen Sie für sich und die anderen damit erreichen?)?
Zunächst ist die Antriebsfeder die Musik selbst. Da ist etwas in mir, das ausgedrückt werden will. Das möchte ich dann ziemlich genau herausarbeiten - vom Songwrting angefangen bis hin zur Produktion. I.d.R. sind es eher düstere, mal mehr mal weniger subtile Gefühle, die ausgedrückt werden wollen. Das Schöne ist, dass sich die Themen verändern, wenn es gelingt, ein Gefühl vortrefflich in einem Song auszudrücken. Dann kommen Glücksgefühle und die schlagen sich oft auch auf das Songwriting nieder. D.h. ich mach nicht nur Deprimucke.
Das schönste Gefühl allerdings ist, wenn ich Menschen mit meiner Musik erreiche.

Was verstehen Sie unter guter Musik und wie fing alles an?
Ich kam erst relativ spät mit Musik in Kontakt, Mit 17 Jahren bekam ich von einem Freund die erste E-Gitarre, dann das erste Gitarrenriff und ich war infiziert ;-) Ein Schlüsselerlebnis für mich waren damals die Songs von Depeche Mode. Die Melancholie in diesen Songs brachte eine Saite in mir zum Schwingen, die ich bis dato noch nicht kannte. Von da an wollte ich diese Saite durch eigene Songs zum Schwingen bringen.
Familie, erblich vorbelastet?
Nein. Keiner in meiner Familie war musikalisch aktiv. Daher kam ich in meiner Kindheit nicht in den Genuß musikalischer Früherziehung o.ä.

Noch eine andere "Profession"?
Seminare geben in der Erwachsenenbildung/ beruflichen Weiterbildung.

Hobbys?
Sport & Fitness
Lebensstationen?
Studium in Karlsruhe und Freiburg, seit 2004 wohnhaft in Lörrach

Vorbilder?
Schwer zu sagen. Generell bin ich beeindruckt von Menschen, die es von Anfang an nicht leicht hatten und sich dann aber aus ihrem Schlamassel befreien konnten.
Die größten Stärken?
Sensibilität, Biss

Die größten Schwächen?
sensibel, launisch

Ich mag?
Menschen, Humor

Ich mag nicht?
Zwischenmenschliche Kälte, Aggression, Ungerechtigkeit

Ich wünsche mir?
Oh, die Wünsche sind zahlreich... musikalisch gesehen wünsche ich mir, dass sich der Kreis der Menschen, die ich mit meiner Musik erreiche, stetig vergrößert.

Homepage: www.zill-music.de

Montag, 26. Oktober 2009

Haftmann-Preis für Sigmar Polke

Sigmar Polke; Fotoquelle: Haftmann-Stiftung


Zürich.
- Der mit 150.000 Schweizer Franken höchstdotierte europäische Kunstpreis, der Roswitha Haftmann-Preis, geht 2010 an den deutschen Künstler Sigmar Polke. Dies ist einer Pressemitteilung des Kunsthauses Zürich zu entnehmen. Polke, Maler, Grafik- und Fotokünstler Sigmar Polke. Der 1941 in Schlesien geborene und heute in Köln lebende Sigmar Polke zählt für den Stifstungsrat zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Seit vierzig Jahren hat er mit Stilen, Themen, Materialien und einer Haltung experimentiert, welche die Rolle der Kunst und des Künstlers mit ins Betrachtungsfeld hob. "Damit hat Polke Wesentliches zur Erneuerung der Malerei beigetragen", so die Begründung weiter.

Die grosse Konstante im Werk des vielseitigen Künstlers ist das gerasterte Bild, mit dem Polke seit den frühen 60er Jahren in vielen Erscheinungsformen arbeitet. Gleichzeitig experimentiert er mit fotochemischen Methoden und schafft malerische Fotografien, die das Prozesshafte ihrer Entstehung betonen und seine Malerei bis heute beeinflussen. Nach einer Weltreise präsentierte er 1982 an der Documenta 7 rätselhafte, dunkel und violett schimmernde Werke von wilder Schönheit. In ihnen kommen moderne, künstliche Pigmente zum Einsatz, die Polke mit Petrol und Benzin bearbeitet. Spätere Werke zeugen von seiner eingehenden Beschäftigung mit antiker Farbherstellung. Polke agiert mit grosser, universalistischer Sachkenntnis, gilt als «Alchemist». Er setzt neben gewöhnlichen, vorfabrizierten Stoffen auch kostbare Mineralien wie Lapislazuli und Malachit ein, wählt Lacke und Metalle als Bedeutungsträger. Der Prozess des Entstehens, das Beobachten und Freisetzen eines Eigenlebens des Materials ist immer gegenwärtig. Der Akt des Malens ist eine bewusst riskierte Interaktion zwischen der Materie und dem Gestaltungswillen des Künstlers.

Damit etablierte er einen neuen, evidenten Abstraktionsbegriff, der das Materielle als Zentrum und Durchgangsstation ins Visier nimmt. Vorstellungen von reiner Malerei, reiner Natur oder Romantik evoziert er spektakulär und hinterfragt gleichzeitig kühl eine von Mächten des Marktes, der Politik und den Medien geprägte Gesellschaft. Überzeugt ist die Jury des Roswitha Haftmann-Preises auch von Polkes jüngsten Arbeiten: Fenster für das Grossmünster in Zürich. Der gelernte Glasmaler hat dort gleichermassen kraftvolle wie sensible Bilder geschaffen – figurative und abstrakte Meisterwerke aus Achaten und Glas.

SIGMAR POLKE

Sigmar Polke, 1941 in Oels/Schlesien geboren, flüchtete 1945 nach Tübingen und später nach Düsseldorf, wo er sich zum Glasmaler ausbilden liess. An der Kunstakademie Düsseldorf studierte er bei Karl Otto Goetz und Gerhard Hoeme. Bekanntheit erlangte er zusammen mit Gerhard Richter und Konrad Fischer-Lueg. Gemeinsam begründeten sie die Malweise des «Kapitalistischen Realismus». Seit 1963 ist Polke mit Ausstellungen im In- und Ausland präsent, darunter auch im Kunsthaus Zürich. Von 1977 bis 1991 lehrte er als Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Seit 1978 lebt und arbeitet er in Köln. Früh wurden ihm erste Auszeichnungen zuteil. Nach bedeutenden Retrospektiven in den USA und Deutschland erhielt er im Jahr 2000 den Kaiserring der Stadt Goslar. Auf den Praemium Imperiale (2002) folgt 2010 Europas höchstdotierte Auszeichnung für zeitgenössische Künstler, der Roswitha Haftmann-Preis.

STIFTUNG UND PREISTRÄGER

Sigmar Polke ist der zehnte Künstler, dem Europas höchstdotierter Kunstpreis zuteil wird. Andere Preisträger waren Walter de Maria, Maria Lassnig, Jeff Wall, Robert Ryman, Peter Fischli und David Weiss, Mona Hatoum, Richard Artschwager, Douglas Gordon und Vija Celmins. Die Auszeichnung geht auf eine Initiative von Roswitha Haftmann (1924-1998) zurück. Seit 2001 vergibt ihre Stiftung den Preis alle ein bis drei Jahre an lebende Künstlerinnen und Künstler, deren Werk von überragender Bedeutung ist. Das Vermächtnis der ebenso schönen wie vermögenden Galeristin wird seitdem viel beachtet. Wer den Preis erhält, wird vom Stiftungsrat bestimmt. Ihm gehören die Direktoren des Kunstmuseums Bern, des Kunstmuseums Basel, des Museum Ludwig in Köln und des Kunsthaus Zürich an. Hinzu kommen Mitglieder, die im Stiftungsbrief persönlich benannt sind oder vom Stiftungsrat berufen werden. Weitere Informationen über die Stifterin, die Jury, den Preis und die Preisträger unter www.roswithahaftmann-stiftung.com.

Freitag, 2. Oktober 2009

Kulturpreis für wildwuchs-Frau Sibylle Ott

Sibylle Ott

Basel.-
Der Kulturpreis des Kantons Basel-Stadt 2009 wird an Sibylle Ott, Künstlerische Leiterin des Festivals wildwuchs, vergeben. Die Begründung der Jury: Der Basler Filmerin und Kulturvermittlerin gelinge es mit jeder Ausgabe von wildwuchs, Kunstschaffenden und Ensembles im Bereich der integrativen Kunst eine einzigartige Plattform zu schaffen und das Publikum für die kreativen Potenziale von Menschen mit einer Behinderung zu begeistern. Die feierliche Verleihung des Kulturpreises findet am 23. November im Rathaus statt. Das nächste Festival ist in zwei Jahren

Sibylle Ott, geboren 1956 in Basel, arbeitete als freie Journalistin und Autorin, war im Filmverleih tätig und ist seit 1992 freie Filmemacherin. Sie realisiert vor allem Dokumentarfilme (z.B. "Captain Handicap" aus dem Jahr 2001). Seit 2001 leitet sie während nunmehr vier Ausgaben das Festival "wildwuchs – Kultur für Solche und Andere", das jeweils im Juni auf dem Basler Kasernenareal stattfindet. Daneben arbeitet sie als Gastdozentin an der FHNW im Bereich Medienkunde, ist Kursleiterin für Filmworkshops auf allen Schulstufen sowie Koordinatorin und Organisatorin von Anlässen für den Verein „Die Anderen“. Sibylle Ott lebt und arbeitet in Basel.

Menschen, die in ihrer Bewegungs- oder Ausdrucksfreiheit in einem gewissen Masse eingeschränkt sind, besitzen oft ein grosses Potenzial an kreativer Kraft. wildwuchs hat zum Ziel, einheimischen Kunstschaffenden und Ensembles im Bereich der integrativen Kunst eine Plattform zu bieten und zeigt insbesondere Schweizer Musik- und Performancegruppen, Tanzensembles und Theatercompagnien mit ihren neuen Produktionen. Die Einladung mindestens eines internationalen Gastensembles ist Teil des Konzepts. Der Anlass bietet Raum für Begegnungen aller Art - von öffentlichen Ateliers bis zum Gastrobetrieb.

Die beiden Organisationen "Die Anderen" und "zmittsdrin" hatten im Jahr 2001 gleichzeitig die Idee, ihre kreativen Aktivitäten für Leute mit und ohne Behinderung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So realisierten sie das erste Festival "wildwuchs – Kultur für Solche und Andere". Es fand vom 17. bis 23. September 2001 auf dem Areal der Kaserne Basel statt. Das junge Festival fand aufgrund seiner Besonderheit auf Anhieb Anklang und viele Freundinnen und Freunde aus der kulturellen Szene.

Nach dem Erfolg dieser ersten Ausgabe stiessen im Jahr 2004 die Kaserne und weitere regionale Veranstalter wie das Roxy Birsfelden oder das Museum BL dazu. Erstmals wurden auch internationale Gastspiele eingeladen. Bei der dritten Ausgabe 2007 zogen Zürich, Bern und Genf nach. wildwuchs und die inklusiven Kunst-Projekte des Vereins "Die Anderen" erhielten immer mehr Zuspruch. Ein sich ausbreitendes Netz von Künstlerinnen und Künstlern unterstützte mit ungewöhnlichen Ideen und Projekten die Fortsetzung des Festivals. Kulturveranstalter aus der Region und aus der Stadt wünschten zunehmend, aktiv an wildwuchs teilzunehmen. Mit dabei waren nun auch das Sudhaus, der Teufelhof und das Neue Theater am Bahnhof in Dornach. In Zürich organisierte – in Absprache mit wildwuchs – das renommierte Theater Hora unter dem Dach der Stiftung Züriwerk sein erstes eigenes Kulturfestival "Okkuppation!" mit inklusiven Beiträgen. Und wird, wie auch wildwuchs und zwei inklusiven Tanzanlässe in Bern und Genf, namhaft unterstützt durch Migros Kulturprozent. Mit wildwuchs 09 ging am 28. Juni auf dem Kasernenareal in Basel die vierte Ausgabe von wildwuchs, dem Kulturfestival für Solche und Andere, erneut erfolgreich zu Ende.

Die Kulturpreis-Jury ist überzeugt von der grossen Sensibilität und Reflektiertheit der Initianten des wildwuchs-Festivals bei der kontinuierlich ausgebauten Arbeit an ihrem Programm. Es ist attraktiv und es gelingt ihm erfolgreich, das Schema "normal versus abnormal" aufzulösen und zu zeigen, dass die menschliche Vielfalt den Kern des Menschlichen ausmacht. Die Programmpunkte zeugen von einer lust- und respektvollen Zusammenarbeit zwischen Behinderten und Nichtbehinderten. Behinderung wird an den wildwuchs-Festivalausgaben jeweils in einem weitest möglichen Rahmen thematisiert und mit hoher künstlerischer Intensität dargestellt. Spannende Festivaldarbietungen zeigen, welche Dimensionen das professionelle Kunstschaffen von behinderten Menschen erreichen kann. Mit der Präsentation von künstlerisch qualifizierten Produktionen in den Bereichen Theater, Tanz, Musik, Literatur und Bildender Kunst plädiert das Festival wildwuchs für einen differenzierten und emanzipierten Umgang mit Behinderten und Kunst. Von Basel ausgehend hat die Idee bereits weit überregional ausgestrahlt und trägt somit auch zur kulturpolitischen Stärkung des Standortes Basel bei.

"Diese Erfolgsgeschichte zeugt von einer ausserordentlich hohen künstlerischen wie soziokulturellen Kompetenz und ist weitgehend dem Engagement von Sibylle Ott zu verdanken", so die Jury.

Der Kulturpreis der Stadt Basel wird dieses Jahr zum 37. Mal vergeben; er ist mit 20.000 Franken dotiert. In der Jury sind Rolf d'Aujourd'hui, Uwe Heinrich, Heidi Fischer, Tom Forrer, Michael Koechlin, Jeannette Voirol und Isabel Zürcher. Die Preisverleihung durch den Regierungsrat findet am 23. November 2009 um 18.15 Uhr im Rathaus statt

Die Träger des Festivals:

Verein Die Anderen, Basel www.dieanderen.ch
Verein zmittsdrin, Basel www.zmittsdrin.ch
Behindertenforum, Basel www.behindertenforum.ch
Kaserne Basel www.kaserne-basel.ch

Mittwoch, 15. Juli 2009

Neuer Finanzchef im Kunsthaus

Zürich.- Hans Peter Meier (Jg. 55) ist neuer Leiter Finanz- und Rechnungswesen des Kunsthaus Zürich. Sein Vorgänger Hans Peter Bossart tritt in den Ruhestand. Per 1. Oktober übernimmt Hans Peter Meier die Position des CFO von Hans Peter Bossart, der als Leiter Finanz- und Rechnungswesen die Geschicke des Kunsthaus Zürich von 1997 an mitprägte und nun in den Ruhestand tritt.Das meldet

Meier war Mitglied der Geschäftsleitung der Springer Science und Business Media Schweiz AG und leitete von Juli 1986 bis November 1990 das Finanz- und Rechnungswesen der Phonak AG, der Herstellerin von Hörgeräten, die in eine dynamische Wachstumsphase eintrat. Den Aufbau und die Anpassung kaufmännischer und personeller Strukturen verantwortete Meier zuletzt bei einem Start-Up-Unternehmen der Kosmetikbranche. Neben seinem dort bewiesenen Pragmatismus zeichnet sich Meier durch nachhaltig angelegte Finanzkonzepte und das Werben um Investoren aus.
Diese Erfahrungen stellt der in Adliswil (ZH) geborene Finanz-Fachmann jetzt der Zürcher Kunstgesellschaft zur Verfügung, einem Verein, der mit 20'000 Mitgliedern zu den stärksten Kunstvereinen Europas zählt und sich mit der Kunsthaus-Erweiterung bis 2015 ein ehrgeiziges Ziel gesetzt hat. Zum Verantwortungsbereich des neuen Finanzchefs gehören neben der Buchhaltung und dem Controlling auch die Bereiche Shop, Kasse, Informationstechnologie sowie das Mitgliedersekretariat. Mit einem Team von rund 15 Mitarbeitern ist er direkt dem Direktor des Kunsthauses, Christoph Becker unterstellt.

Abbildung: Hans Peter Meier
Quelle: Kunsthaus

Montag, 8. Juni 2009

Daniele Gatti neuer Chefdirigent am Opernhaus Zürich

Zürich.- Der italienische Dirigent Daniele Gatti wird neuer Chefdirigent am Opernhaus Zürich. Der 1961 geborene Musiker, der als einer der profiliertesten Dirigenten seiner Generation gilt, wurde von Opernintendant Alexander Pereira der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Vertrag gilt für die drei kommenden Spielzeiten. Der Präsident des Orchestervorstands, Urs Dengler, hält Gatti „für einen der interessantesten Dirigenten“ und versichert, dass dieser „nach nur einem Konzert mit überwältigender Mehrheit von Orchester und Chor der Oper Zürich befürwortet“ worden sei. Ein solch einstimmiges Votum sei äusserst selten.

In seiner ersten Spielzeit gibt Daniele Gatti mit einem Philharmonischen Konzert und der Neueinstudierung von Richard Strauss´ "Elektra" (Premiere am 23. Januar 2010) in Zürich seinen Einstand als Chefdirigent. Er dirigiert an ca. 10 Abenden. In der zweiten Spielzeit folgen “Falstaff“ (Verdi) und “Parsifal“ (Wagner), und Gatti wird zwei Philharmonische Konzerte dirigieren. Insgesamt übernimmt er an ca. 20 Abenden die musikalische Leitung.

In der dritten Spielzeit dirigiert Daniele Gatti in Zürich dann drei große Neuproduktionen: “Die Meistersinger von Nürnberg“ (Wagner), “Otello“ (Verdi) und ein drittes Werk, das laut Opernintendant Alexander Pereira „ein Werk sein wird, das in Zürich seine Uraufführung erlebte – mehr wurde bei der Pressekonferenz nicht verraten.“ Gatti dirigiert außerdem drei Philharmonische Konzerte. Mit dann insgesamt ca. 30 Abenden am Pult des Orchesters der Oper Zürich wird die Präsenz von Gatti in Zürich ihren Höhepunkt erreichen.

Intendant Alexander Pereira betonte in der Pressekonferenz, dass es „sein großer Wunsch“ gewesen sei, Daniele Gatti, mit dem er seit 2007 in Verhandlungen gestanden habe, ans Haus zu verpflichten, und dass dies nun „ein glücklicher Moment“ für ihn sei. Zu einer möglichen Planung über die Spielzeit 2011/2012 hinaus wollte sich Pereira nicht äussern, „das stünde nicht mehr in meiner Zuständigkeit“.

Gatti selbst schätzt an Orchester und Chor des Opernhauses Zürich, das er im vergangenen Jahr bei einer Aufführung von Verdis “Requiem“ kennenlernte, die „fantastische Atmosphäre und den musikalischen Geist“. Das Theater verfüge ausserdem über „die besten Sänger der Welt.“ Für ihn sei die vor allem die Zusammenarbeit mit Alexander Pereira und die auf drei Jahre angelegte Position des Chefdirigenten, verbunden mit der Verpflichtung zu sechs Neuproduktionen und sechs Konzerten, ideal. Hier könne er „flexibel arbeiten und das Repertoire dirigieren, das ihm am Herzen liegt“.

Foto: Daniele Gatti; Quelle: Opernhaus Zürich.


Biografie Daniele Gatti
Daniele Gatti ist seit September 2008 als Nachfolger von Kurt Masur Chefdirigent des Orchestre National de France. Seit 1996 ist er überdies Chefdirigent des Royal Philharmonic Orchestra, dem er ab September als Conductor Laureate verbunden bleiben wird. Von 1992 bis 1997 war er Chefdirigent des Orchestra dell‘Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom, von 1994 bis 1997 Erster Gastdirigent am Royal Opera House Covent Garden und von 1997 bis 2007 Direktor des Teatro Comunale di Bologna. Daniele Gatti ist Accademico der Accademia Nazionale di Santa Cecilia. 2005 wurde ihm von der Vereinigung der italienischen Musikkritiker der Premio Abbiati verliehen.

Als Gastdirigent leitete Daniele Gatti einige der angesehensten Orchester der Welt. Regelmäßig dirigiert er die Wiener Philharmoniker, das Koninklijk Concertgebouworkest, die Sächsische Staatskapelle Dresden, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die Münchner Philharmoniker, das Orchestra Filarmonica della Scala, das New York Philharmonic, das Boston Symphony Orchestra und das Chicago Symphony Orchestra. Eine besonders enge Beziehung verbindet ihn mit der Wiener Staatsoper und dem Mailänder Teatro alla Scala. An der Wiener Staatsoper leitete er einige Neuproduktionen: 2002 Verdis «Simon Boccanegra», 2006 Schönbergs «Moses und Aron» und Verdis «Otello», 2007 Mussorgskis «Boris Godunow». 2009 wird er an diesem Haus eine Neuproduktion von Verdis «Macbeth» dirigieren. Am Teatro alla Scala dirigierte er 2007 Wagners «Lohengrin» und 2008 Bergs «Wozzeck». Mit dem Orchester und dem Chor der Oper Zürich führte er 2008 mit grossem Erfolg Verdis «Requiem» auf. 2008 dirigierte er zum Auftakt der Bayreuther Festspiele eine gefeierte Neuproduktion von Wagners «Parsifal».

Einer der Höhepunkte der aktuellen Saison war für Daniele Gatti sein erstes Konzert als Chefdirigent des Orchestre National de France im Théâtre des Champs-Élysées in Paris. Während der gesamten Saison gab und gibt er mit diesem Orchester eine ganze Reihe von Konzerten in Paris und in ganz Europe. Als Gastdirigent eröffnete er die Konzertsaison am Teatro alla Scala in Mailand, gefolgt von einer Europa-Tour mit dem Orchestra Filarmonica della Scala, die ihn u. a. in den Wiener Musikverein führte. Außerdem kehrt er zum Koninklijk Concertgebouworkest, zu den Wiener Philharmonikern, den Münchner Philharmonikern und zum Chicago Symphony Orchestra zurück und dirigiert Konzerte des Royal Philharmonic Orchestra.

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